Brief von Lancelot Armstrong

Lancelot Armstrong schreibt aus dem Todestrakt, in dem er sich immer noch befindet, obwohl das Todesurteil gegen ihn am 9. Januar 2017 für Verfassungswidrig erklärt wurde, an seine Unterstützer und alle, die sich für dieses Thema interessieren.

Neben dem Original bieten wir hier auch eine deutsche Übersetzung an. Wir bitten dabei zu berücksichtigen, dass eine solche Übersetzung immer nur der Versuch einer Annäherung sein kann.

lancelot_armstrong_letter_07.03-2017.jpg


Übersetzung:

lancelot-armstrong_barsRaiford, 7.März 2017

Ich sende Grüße an alle!

Ich schreibe diesen Brief um meine Liebe und Dankbarkeit für eure Unterstützung zu zeigen. Ich hoffe, diese Worte erreichen Euch bei guter körperlicher und seelischer Gesundheit, denn wir sind Menschen mit einer tiefsinnigen Seele. Ich bin immer sehr konzentriert, wenn ich mich irgendwelchen Problemen widme.

Ich war mit einigen rechtlichen Fragen beschäftigt und musste mich mit Postproblemen auseinandersetzen, sie kam oft zurück und wurde durch verschiedenste Umstände gestört. Ich habe mich darüber beschwert. Gleichzeitig muss ich mich auf die neue Strafphase konzentrieren. (Kommentar: Das Todesurteil gegen Lancelot Armstrong wurde aufgehoben und die Strafe muss neu verhandelt werden, dabei kann leider auch wieder ein Todesurteil herauskommen) Bitte bedenkt, diese neue Strafphase ist nur ein begrenzter Prozess vor einer neuen Jury. (Kommentar: Es geht dabei nicht um die Schuldfrage, sondern nur um die Strafe) Die Tatsache, dass die Staatsanwälte in meinem Fall Beweise und auch einige Zeugen verdorben haben, besonders wenn sie den rechtlichen Zugang zu meinem persönlichen Eigentum und Material für ein Berufungsverfahren blockieren, hat sich nicht geändert. Sie haben nichts an ihren „kreativen Schemata“ geändert. Wie kann eine ehrliche Person eine solch fehlerhaft Politik benutzen, um einem Menschen zu schaden.

Das Ausmaß dieses Status Quo würde jedem Menschen Sorgen machen. Ich kann mich nur auf die Wahrheit konzentrieren und versuchen mit den richtigen Mitteln gegen diese Umstände vorzugehen. Dabei ist mir natürlich bewusst, dass es Ressourcen benötigt um mein Recht auf einen gleichberechtigten, rechtlichen Zugang zu erreichen, der ja eigentlich versprochen wird. Sie haben viele Gesetze und institutionelle Vorschriften übertreten. Durch die Erfahrung konzentriere ich mich auf alles, wo ich noch Einfluss nehmen kann. Während wir gegen diese Ungerechtigkeit kämpfen, geschehen hier zu viele Tragödien und auch medizinische Probleme. Ich möchte meinen Familien, Freunden und allen anderen, die mich bei meinen täglichen Kämpfen unterstützen, danken. Ich freue mich auf Eure Briefe. Auch wenn ich die niederen und hohen Geister, die alles bekämpfen was ich versuche zu erreichen, nicht ignorieren kann. Ich kann nur durch die positive Energie wachsen, die ich versuche auszusenden. Also bleibe ich demütig und stehe doch für meine Grundrechte ein. Mit herzlicher Liebe und

freundlichen Grüßen

Lancelot Armstrong


Lancelot Armstrong wurde 1991 für einen Polizistenmord zum Tode verurteilt, wobei er immer seine Unschuld beteuerte. Bei einem späteren Berufungsprozess erhielt er wieder die Todesstrafe. In beiden Prozessen stimmte die Jury mit 9 zu 3 Stimmen für die Todesstrafe ab. Genau diese Vorgehensweise wurde für Verfassungswidrig erklärt. (siehe: https://lancelotarmstrong.wordpress.com/2016/01/18/todesstrafe-florida-hoffnung-auf-neue-verfahren/ )

Lancelot Armstrong wurde also über ein viertel Jahrhundert mit der Todesandrohung gefoltert, aufgrund verfassungswidriger Urteile. Jedoch denkt der US-Bundesstaat Florida nicht im Traum daran dafür irgend eine Wiedergutmachung zu zahlen. Sich wenigstens zu entschuldigen etc. – Stattdessen befindet sich Lancelot Armstrong immer noch im Todestrakt und berichtete vor kurzem telefonisch, dass er nicht wisse, wann er von dort in ein anderes Gefängnis überstellt wird. Stattdessen bedroht man Lancelot Armstrong nun mit einem neuen Strafzumessungsverfahren, bei dem wiederum die Todesstrafe herauskommen könnte. Gerade im Moment spielen sich die USA wieder einmal als Weltpolizisten auf. Mit Waffengewalt wollen sie den Völkern Recht, Ordnung und Menschenrechte beibringen – Und foltern selbst in ihren eigenen Gefängnissen tausende von Menschen mit Todesandrohung und schrecklichen Haftbedingungen. Vielleicht sollten sie dort erst mal aufräumen und zeigen, dass sie in der Lage sind Menschenrechte zu achten, anstatt sie fortlaufend selbst zu verletzen.

IHfL
Peter K.

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Arkansas: Massenhinrichtung

Don Davis – Bruce Ward – Stacey Johnson – Ledelle Lee – Jack Jones, Jr. – Marcel Williams – Jason McGehee – Kenneth Williams. Das sind die Namen der Männer die bei einer Massenhinrichtung innerhalb von 10 Tagen durch den US-Bundesstaat Arkansas, vom 17. bis  27. April 2017, exekutiert werden sollen.

Arkansas

Was soll dieser Wahnsinn? – Der Grund dafür ist unglaublich! – Es liegt daran, dass den Behörden die Hinrichtungsmittel ausgehen, denn bei dem Mittel Midazolam läuft die Haltbarkeit jetzt aus. Was kranken Hirnen zu entspringen scheint, wird wohl nun in Arkansas wahr: 8 Menschen sollen sterben, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum des Giftes sein Ende erreicht. Seit 2005 wurden in Arkansas keine Menschen mehr hingerichtet…

Die Knappheit an entsprechenden Mitteln für die Exekutionen schafft in den USA immer mehr Probleme. Viele Hersteller haben die Lieferungen, zum Zwecke der Hinrichtungen, eingestellt. Aus Europa erhalten die Henker gar keine Drogen mehr für ihr grausames Handwerk. Eine richtige Entscheidung, wie man auch an den grausamen Details beim Todeskampf von Clayton Lockett gesehen hat.

Die nun geplanten Opfer dieses Verbrechens gegen die Menschlichkeit werden im Schnitt seit rund 20 Jahren im Todestrakt mit unmenschlichen Bedingungen gefoltert. Bei der nun geplanten Massenhinrichtung innerhalb von 10 Tagen handelt es sich um einen absoluten Einzelfall seit die Todesstrafe im Jahr 1976 in den USA wieder in Kraft getreten ist. Nur einmal wurden in Texas im Jahr 1977 gleich acht Menschen innerhalb eines Monats exekutiert.

Folgende Hinrichtungstermine sind in Arkansas geplant:

  • 17. April 2017 – Bruce Ward
  • 17. April 2017 – Don Williamson Davis
  • 20. April 2017 – Stacey Johnson
  • 20. April 2017 – Ledell Lee
  • 24. April 2017 – Jack Harold Jones
  • 24. April 2017 – Marcel Williams
  • 27. April 2017 – Kenneth Williams
  • 27. April 2017 – James McGehee

Nun haben einige der Betroffenen Klage gegen diesen Exekutionsmarathon eingereicht. Sie argumentieren, dass ihnen durch diesen „wilden Hinrichtungsplan irreparables Leid“  zugefügt werde. Auch könnten sie aufgrund der kurzen Zeit bis zu den Hinrichtungen ihre Widersprüche kaum vorbereiten.

Der Gouverneur des US-Bundesstaates, Asa Hutchinson, erklärte, ihm wäre eine Verlängerung des Haltbarkeitsdatum für Midazolam lieber. Aber dies sei halt nicht so. Zumal unsicher wäre, ob der Bundesstaat alternative Mittel besorgen könne…

So ist das also. Die Haltbarkeit läuft ab. Was interessieren uns da noch Menschenrechte, allgemeine Regeln der Rechtsprechung oder das Leid der Gefangenen und deren Angehörigen… Im Land der Freiheit nimmt man sich dann halt die „Freiheit“ eine Massenhinrichtung zu veranstalten. Damit stellen sich die USA selbst an den Pranger vor der Weltgemeinschaft, der eben genau diese USA immer wieder etwas von Menschenrechten beibringen will. Und auch dabei nicht vor dem Gebrauch grausamer Waffen zurückschreckt. „Auge um Auge“ – Weiter scheint die geistig-seelische Entwicklung in weiten Teilen der USA nicht vorangeschritten zu sein. Dazu dürfen wir nicht schweigen. Auch wenn es immer wieder Menschen gibt, die meinen dies würde nicht viel bringen. Dazu zu schweigen bedeutet Resignation – etwas das wir uns im Angesicht der Opfer einer solch menschenverachtenden Politik und Justiz nicht leisten dürfen.

Gouverneur Asa Hutchinson hat die Exekutionen genehmigt. Protestbriefe können an folgende Anschrift geschickt werden. So ein Brief kann auch durchaus in Deutscher Sprache verfasst werden. So müssen sich die Zuständigen die Mühe machen ihn zu übersetzen:
Governor Asa Hutchinson
State Capitol Room 250
500 Woodlane Ave.
Little Rock, AR 72201

Der Gouverneur ist auch über Twitter erreichbar:
https://twitter.com/AsaHutchinson

IHfL
Peter K.

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Eltern des Opfers wollen Hinrichtung in Texas verhindern

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Paul Storey

Der US-Bundesstaat Texas will am 12. April Paul Storey exekutieren, für den Mord an Jonas Cherry am 16. Oktober 2006. Ein Jurymitglied bedauert heute seine Entscheidung für die Exekution. Auch die Eltern des Opfers versuchen die Hinrichtung zu verhindern. Storey wird seit 9 Jahren im Todestrakt von Texas gefoltert.

Die Eltern des Opfers Glenn und Judy Cherry setzen sich für Paul Storey ein. Sie wollen seine Hinrichtung nicht. Dazu haben sie eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, in der sie den Staat dazu auffordern Storey zu verschonen und ihn stattdessen zu Lebenslänglich ohne Bewährung zu begnadigen. In einem Brief an lokale und staatliche Behörden schreiben sie: „Die Hinrichtung von Paul Storey wird uns unseren Sohn nicht mehr zurückbringen… Wir sind davon überzeugt, dass er niemand anderen mehr ermorden kann, wenn er im Gefängnis bleibt. Mit diesem Ergebnis sind wir zufrieden und davon überzeugt, dass damit der gesetzlichen Vergeltung für den Tod unseres Sohnes genüge getan ist.“ Diesen Brief richteten die Eltern von Jonas Cherry an den Bezirksstaatsanwalt Sharen Wilson, Gouverneur Greg Abbott, den Staatsbezirksrichter Robb Catalano und das Texas Board of Pardons and Paroles. Glenn und Judy Cherry sagten auch, sie wissen, wie schwer es ist ein Kind zu verlieren und sie wollen nicht, dass die Familie von Paul Storey genauso leiden muss.

Auch in diesem Fall gab es wieder einen Deal mit der Staatsanwaltschaft. Danach erhielt Storeys Komplize für den Raubmord nicht die Todesstrafe, sondern Lebenslänglich ohne Bewährung.

Jurymitglied bedauert seine Entscheidung
Heute bedauert das Jurymitglied Sven Berger, dass er für die Todesstrafe gegen Paul Storey gestimmt hat. Nachdem er einen psychologischen Bericht über Storey’s Geschichte voller Depressionen und seine „geistige Behinderung“ gelesen hatte, sagte er, er wäre gegen die Todesstrafe gewesen, wenn er diese Beweise gekannt hätte. Aber noch mehr hätte er sich gegen die Höchststrafe entschieden, wenn er gewusst hätte, dass die Familie des Opfers keine Hinrichtung des Täters wolle. Er sagte: „Ich glaube diese Information wäre auch für die anderen Jurymitglieder wichtig gewesen.“

Im folgenden Video kommen die Mutter von Paul Storey und auch sein Anwalt zu Wort:

Weitere Informationen in Englisch auf: http://www.star-telegram.com…

Wer den Gouverneur kontaktieren will, um sich gegen diese Hinrichtung zu äußern, kann dies über folgende Wege tun:

Gouverneur von Texas
Greg Abott
Office of the Governor, P.O. Box 12428
Austin, Texas 78711-2428, USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr
Gouverneur)
Fax: (00 1) 512 463 1849
E-Mail: https://gov.texas.gov/contact/assistance.aspx
über Twitter: https://twitter.com/GovAbbott

Hier die Kontaktmöglichkeiten des Begnadigungsausschuss von Texas:
Texas Board of Pardons and Paroles
8610 Shoal Creek Blvd.
Austin, Texas 78757-6814, USA
(Anrede: Dear Board members / Sehr geehrte Mitglieder des Begnadigungsausschusses )
Fax: (00 1) 512 467 0945
E-Mail: bpp-pio@tdcj.state.tx.us

Kopien bitte an:
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i.
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Wir können den Eltern von Jonas Cherry nur dankbar sein, denn sie nehmen den Befürwortern der Todesstrafe gleich auf zweierlei Weise die „Luft aus den Segeln“. Zum einen, indem sie selbst keine Vergeltung in dieser Form wünschen und zum anderen, dadurch, dass sie ein besonders wichtiges Argument äußern – die Tatsache, dass durch eine solche Exekution die Familie des Verurteilten durch die selbe Hölle gehen muss, wie sie es leider müssen – den Verlust einen geliebten Menschen…
Dem ist nichts hinzuzufügen!

IHfL
Peter K.

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Florida: Weg frei für neue staatliche Morde

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Rick Scott

Seit rund einen Jahr werden in Florida keine Todesurteile mehr ausgesprochen und ebenfalls keine vollstreckt. Jetzt hat der Gouverneur Rick Scott den Weg frei gemacht für neue Todesurteile und Hinrichtungen.

Im Januar 2016 stoppte ein Urteil des höchsten Gerichts der USA die staatliche Todesmaschinerie in Florida. Das Oberste Gericht hatte in einer 8 zu 1 Abstimmung die Regeln bei Verurteilungen zum Tode in Florida für verfassungswidrig erklärt. Diese Entscheidung wurde in dem Verfahren Timothy Lee Hurst gegen Florida gefällt. Das Gericht kritisierte, dass in Florida ein Richter die Todesstrafe aussprechen konnte, auch wenn ein Teil der Jury dagegen war. (wir berichteten: http://wp.me/p2X1th-M3) Daraufhin wurden die Hinrichtungen in Florida ausgesetzt.

Schlächter von Florida
Noch kurz vor diesem Urteil hatte der Gouverneur einen Gefangenen exekutieren lassen, obwohl ihm klar sein musste, dass das Hurst-Urteil so ausgehen würde (wir berichteten: http://wp.me/p2X1th-Ky). Mit dieser Exekution hatte sich der Gouverneur Rick Scott endgültig zum Schlächter von Florida aufgeschwungen. Kein Gouverneur von Florida vor ihm hat seit den 1970er Jahren so viele Menschen hinrichten lassen wie er.

Zwischenzeitlich gab es den Versuch, eine neue Regelung zu etablieren, nach der eine 10 zu 2 Entscheidung für ein Todesurteil ausreichen sollte. Dies scheiterte jedoch.

Neues Gesetz zum Wiederaufleben der Todesstrafe in Florida
Jetzt hat Rick Scott seine Unterschrift unter einen neuen  Gesetzentwurf gesetzt, der besagt, dass die Todesstrafe nur noch verhängt werden kann, wenn die Jury einstimmig dafür ist, so wie in den meisten US-Staaten. Der Senat und das Repräsentantenhaus haben diesem Gesetzentwurf bereits zugestimmt. In einem Statement zu dem Thema sagte eine Sprecherin des Gouverneurs am Montagabend:  „Die wichtigste Sorge des Gouverneur Scott ist die um die Opfer und ihre Lieben. Er hoffe, dass diese neue Gesetzgebung den Familien dieser schlimmen Verbrechen ermöglichen wird, den Abschluss zu bekommen, den sie verdienen.“
Offensichtlich sind ihm die Familien und Freunde derer, die er durch den Staat ermorden lassen will, vollkommen egal. Diese Menschen müssen oft seit Jahrzehnten um den Gefangenen bangen – stets mit der Angst, die Hinrichtung könnte bevorstehen…

Auch der von uns betreute Lancelot Armstrong sitzt in Florida in der Todeszelle. Seinlancelot_armstrong2014b Todesurteil wurde aufgrund des Hurst-Urteils vor kurzem aufgehoben. Jedoch hat das höchste Gericht von Florida nicht den Weg frei gemacht für ein komplett neues Verfahren, sondern nur für eine Neubestimmung der Strafe. Dabei könnte Lancelot Armstrong wieder die Todesstrafe erhalten (original Urteil des Supreme Court of Florida). Lancelot Armstrong soll 1990 einen Polizisten ermordet haben. Er bestreitet die Tat und es gibt durchaus ernstzunehmende Hinweise auf seine Unschuld. Darüber und wie er bei seinem Kampf um sein Leben unterstützt werden kann, informiert unsere Webseite www.lancelot-armstrong.de.

IHfL
Peter K.

 

 

 

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Ein Deutscher in der Todeszelle

Bericht über den 1988 in Florida zum Tode verurteilten Dieter Riechmann.

Diese Dokumentation zeigt auf eindringliche Weise, mit welchen Mitteln Todesurteile in den USA „herbeigezaubert“ werden können. Mit Rechtsprechung hat das leider all zu oft nichts zu tun. Eine Doku die sich besonders Befürworter der Todesstrafe ansehen sollten!

Dieter Riechmann wurde 2010 zu einer lebenslangen Haftstrafe „begnadigt“.

IHfL
Peter Koch

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Texas: Nächste Hinrichtung geplant

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James Eugene Bigby

Update: James Eugene Bigby wurde wie geplant am 14. März durch den US-Bundesstaat hingerichet.


James Eugene Bigby (61) soll am 14. März 2017 durch den US-Bundesstaat Texas exekutiert werden, für die Ermordung von 4 Menschen im Jahr 1987. Bigby wird seit über 26 Jahren mit der Unterbringung im Todestrakt gefoltert.

Die Morde begannen am 23.12.1987 aus der Überzeugung Bigbys heraus einige seiner Bekannten hätten sich gegen ihn verschworen. Zunächst erschoss er Mike Trekells und ertränkte seinen 4 Monate alten Sohn in der Küchenspüle. Danach suchte er zwei weitere Bekannte auf und tötete Calcin Crane und Frank ‚Bubba‘ Johnson. Am 26. Dezember 1987 wurde Bigby verhaftet und gestand die Verbrechen.

Bei seiner Gerichtsverhandlung ergriff Bigby eine Pistole und bedrohte damit den Richter. Er konnte jedoch entwaffnet werden. Dieser Vorfall beeinflusste die Entscheidung der Jury sehr, was seine zukünftige Gefährlichkeit betrifft und so wurde er 1991 zum Tode verurteilt.

Die Verteidigung Bigbys argumentierte, ihr Mandant leide unter schweren Depressionen und Schizophrenie,  was nicht gerade abwegig erscheint, betrachtet man den amokartigen Verlauf des Verbrechens. Es ist also möglich, dass am 14. März in Texas ein „Geisteskranker“ hingerichtet wird, was nach der US-Verfassung eigentlich verboten ist.

Wer den Gouverneur kontaktieren will, um sich gegen diese Hinrichtung zu äußern, kann dies über folgende Wege tun:
https://gov.texas.gov/contact/
oder über Twitter: https://twitter.com/GovAbbott

IHfL
Peter Koch

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Rolando Ruiz wurde hingerichtet

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Rolando Ruiz

Ca. 5 Stunden später als vorgesehen wurde Rolando Ruiz durch den US-Bundesstaat Texas exekutiert. Das grausame System der Rache kannte kein Erbarmen mit dem Mann der schlimmes getan, sich jedoch während seiner Gefangenschaft total gewandelt hatte. Letzte Anträge seiner Anwälte wurden vom Supreme Court abgelehnt.

Mord unter Drogeneinfluss
Es ist wirklich eine schlimme Geschichte, was damals geschah und Rolando hat sich mit schwerer Schuld beladen. Gegen Zahlung von 2000 US-Dollar hat er Theresa Rodriguez erschossen. Ein schrecklicher Auftragsmord… Diese Tat wurde möglich, weil Rolando im Alter von 19 Jahren schwer Drogensüchtig war und diese Tat unter Einfluss multipler Drogen begangen hat.

Rolando tat dies alles extrem leid und er stand vor dem Scherbenhaufen seiner Drogensucht. In der Haft hatte er sich sehr gewandelt und war nicht mehr der Mensch, der er damals war. Aber lassen wir ihn selbst zu Wort kommen. Seine folgenden Sätze stammen aus einem Schreiben dass hier veröffentlicht wurde:

Rolando Ruiz: „…Ich weiß, wie einfach es geschieht, von der Gesellschaft nach entscheidenden und schmerzlichen Fehlern beurteilt zu werden. Doch diese Fehler zeichnen ein ganz und gar unvollständiges Bild von mir als Person. Ich bin heute ein komplett  anderer Mensch als der zugedröhnte Junge, der damals in einer Welt von Drogen und Gewalt unterging. Nur durch die Gnade und Kraft des allmächtigen Gottes habe ich zu mir selbst gefunden. Seine Gnade hat meine Augen und mein Herz geöffnet für ein ganz neues Verständnis des Lebens als wertvolles Geschenk…“

Es ist immer wieder das gleiche schreckliche Ritual, welches den Hinrichtungen voraus geht. Erst wird der Gefangene über Jahrzehnte, oft in Einzelhaft, mit dem Todestrakt gefoltert. Stets zwischen Angst und Hoffnung. Dann wird er an das moderne Kreuz gefesselt und mittels Chemikalien getötet.
Es wird dem Verfasser dieser Zeilen immer ein Rätsel bleiben, welchen Sinn ein solches Vorgehen haben soll, außer die Befriedigung niederster Triebe. Natürlich braucht ein schweres Verbrechen eine entsprechende Antwort, aber dabei darf auch nicht vergessen werden, dass ein Mensch durchaus zur Weiterentwicklung fähig ist und somit der den man letztendlich hinrichtet, oft nicht mehr der Mensch ist, der damals das Verbrechen begangen hat. Auch diese Exekution hat wieder Menschen tief in ihrer Seele verletzt, denken wir nur an die Angehörigen und Freunde von Rolando…

Wir bleiben dabei: Eine staatliche Hinrichtung ist Mord und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit… 

Rolando sagte in seinen letzten Worten: „Worte können nicht ausdrücken, wie leid es mir tut, all das Leid, dass ich ihnen und ihrer Familie zugefügt habe. Ich hoffe dies hier bringt euch Frieden und Vergebung.“

IHfL
Peter Koch

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Lancelot Armstrong am Telefon

lancelot-armstrong_2016Zum ersten Mal konnte Lancelot Armstrong aus dem Todestrakt telefonieren. Im Video ist er zu hören.

Nun hat es endlich geklappt. Nach langem hin und her und Versuchen, hat es endlich geklappt. Lancelot Armstrong hat bei uns angerufen.

Nachdem er geschrieben hatte, dass er jeden ersten Freitag im Monat telefonieren darf und zwar zwischen 6 und 10 Uhr PM (Ortstzeit), habe ich mir das Telefon neben das Bett gelegt, denn diese Zeit entspricht 0 – 4 Uhr in der Nacht bei uns. Gegen 3 Uhr klingelte plötzlich das Telefon und ich nahm ab. Eine Computerstimme erzählte mir alles mögliche Zeug, unter anderem, dass das Gespräch aufgezeichnet würde. Dann sagte sie, ein Lancelot Armstrong wolle mit mir sprechen und ob ich bereit wäre das Gespräch entgegenzunehmen und die Kosten zu tragen. (Dafür mussten wir ja extra einen Account bei http://securustech.net einrichten und für die Kosten haben wir 80 Dollar dort aufgeladen). Nachdem ich dies mit Hilfe der Taste 1 bestätigte, hörte ich plötzlich seine Stimme….

Wir sprachen miteinander, als wenn wir dies schon ewig getan hätten. Na ja, ich hatte sehr viele „Ähhs“ dabei, weil ich natürlich mit der Englischen Sprache zu kämpfen hatte… 😉
Wir sprachen über das Urteil des Höchsten Gerichts von Florida und Lancelot sagte , dass ihm klar sei, dass bei einer Neuverurteilung auch wieder die Todesstrafe ausgesprochen werden könnte. 😦

Er erwähnte wie wichtig es ihm darum sei, dass für ihn wichtige Zeugen gehört werden, bzw. dass Detektive diese Zeugen aufsuchen und Ihre Aussagen als Beweismittel für seine Unschuld sammeln. (was leider in weiter Ferne liegt, im Angesicht der immensen Kosten, die dies bedeuten würde).

Er erzählte, dass schon einige versucht hätten gegen die Umstände in Florida zu klagen, bezüglich der Todesstrafe und dass leider immer wieder Politiker gewählt würden, die sich entgegen der Verfassung verhalten. Er meinte, dies liege im Besonderen auch an der Berichterstattung in den Medien, vor allem dem Fernsehen, welches für schlechte Stimmung gegen die Menschen im Todestrakt sorge.

Er bedauert natürlich, dass es keinen richtig neuen Prozess gibt, sondern nur eine Neubestimmung der Strafe, zumal seiner Ansicht nach viel illegales bei seinem Prozess gelaufen sei und eigentlich ein neuer Prozess nötig wäre.

Ich fragte auch nach seiner Gesundheit und er erzählte, dass es ihm mittlerweile wesentlich besser gehe und er darauf bedacht sei Stress und Ärger möglichst zu vermeiden, indem er sich über lange Zeiträume mit seiner Malerei beschäftige und darauf voll konzentriere. Auch versuche er möglichst positiv zu denken.

Er erzählte, dass er in der letzten Zeit viele Probleme mit der Post hatte. Immer wieder kamen seine Sachen zurück, weil sie falsch ausgewiesen wären und er müsse mehr Porto zahlen. Dadurch sind teils sehr lange Verzögerungen entstanden. (Nachdem ich ihm vor einiger Zeit die Anschrift des zuständigen Postoffice in Florida übermittelte, hat er mittlerweile eine Beschwerde dorthin geschickt. Man stelle sich vor, ich musste für ihn die Anschrift über Google herausfinden. Die Beamten im Todestrakt waren offensichtlich nicht bereit ihm diese Adresse zu geben, dabei ist das Postoffice nur ein paar Kilometer entfernt vom Gefängnis. Stattdessen hat er die Anschrift aus Deutschland von mir bekommen).

Auf meine Frage, wie er seine Gemälde macht, wo er doch keinen Tisch und keinen Stuhl habe, berichtete er, dass er eine Art Bank, ganz vorne vor dem Bett hat und sich darauf setze. Dabei legt er das Papier auf das Bett um darauf zu malen. Man kann das gut auf dem folgenden Foto einer Zelle aus dem Todestrakt von Florida sehen:
Todeszelle in Florida004.jpgNach 14 Minuten kam wieder diese Computerstimme und sagte, wir hätten noch eine Minute. Jetzt wurde mir erst klar, dass Lancelot nur 15 Minuten telefonieren darf. Er sagte zum Schluss, dass er uns alle umarmt, dann wurde die Verbindung gekappt…

Lancelot nutzte auch die Zeit um sich an seine Unterstützer direkt zu wenden und ich habe seine Worte, auf seinen Wunsch hin, aufgezeichnet:

Direkter Link: https://www.youtube.com/...

IHfL
Peter Koch

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Arkansas: Acht Exekutionen innerhalb von 10 Tagen?

Der US-Bundesstaat Arkansas plant innerhalb von 10 Tagen insgesamt 8 Gefangene hinzurichten. Der Grund für diese Massenhinrichtung scheint im Verfallsdatum der Todesdrogen zu liegen, die der Staat auf Lager hat.

Arkansas

Die Knappheit an entsprechenden Mitteln für die Exekutionen schafft in den USA immer mehr Probleme. Viele Hersteller haben die Lieferungen, zum Zwecke der Hinrichtungen, eingestellt. Aus Europa erhalten die Henker gar keine Drogen mehr für ihr grausames Handwerk.

Bei dem  Vorrat an Midazolam, das erste von drei Mitteln die dem Todeskandidaten verabreicht werden, läuft im kommenden Monat das Verfallsdatum ab. Offensichtlich will man quasi „kurz vor Toresschluss“ noch schnell ein paar staatliche Morde begehen… Am Ende der Folter im Todestrakt durch den US-Bundesstaat steht also eine Massenhinrichtung – so zumindest der Plan…

Midazolam wird eigentlich zur Beruhigung von Patienten in der Medizin genutzt, um ihnen die Angst vor Operationen zu nehmen und dennoch die Patienten ansprechbar zu halten. Wichtig dabei ist zu wissen, dass Midazolam das Opfer nicht richtig betäubt und das Mittel keinerlei schmerzstillende Wirkung hat. Und dies, wo es eine unumstößliche Tatsache ist, dass zumindest das dritte Mittel (meist Kaliumchlorid), welches das Herz anhalten soll, bei einer Hinrichtung extremste Schmerzen verursacht !
Wird bei der Injektion ein Fehler begangen oder taucht ein Problem auf, wodurch das Kaliumchlorid nicht richtig in den Blutkreislauf gelangt, so wird diese Kombination zu einem unvorstellbar schmerzhaften Höllenritt in den Tod, wobei der Gefangene das Gefühl hat innerlich zu verbrennen. Dieses schlimme Schicksal traf auch den Gefangenen Clayton Lockett. (Wir berichteten: http://wp.me/p2X1th-ta). Aber auch wenn kein Fehler begangen wird, besteht das Risiko, dass der Gefangene schlimme Schmerzen ertragen muss, weil Midazolam ihn oft nur unzureichend betäubt.

Governor Asa Hutchinson hat die Exekutionen bereits genehmigt. Protestbriefe können an folgende Anschrift geschickt werden. So ein Brief kann auch durchaus in Deutscher Sprache verfasst werden. So müssen sich die Zuständigen die Mühe machen ihn zu übersetzen:
Governor Asa Hutchinson
State Capitol Room 250
500 Woodlane Ave.
Little Rock, AR 72201

Derzeit warten 34 Menschen auf ihre Hinrichtung in Arkansas, das seit 2005 niemanden mehr exekutiert hat.

IHfL
Peter Koch

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Rolando Ruiz soll am 7. März sterben

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Rolando Ruiz

Bereits am 31. August 2016 sollte Rolando Ruiz exekutiert werden, erhielt damals jedoch einen Aufschub (wir berichteten). Nun will der US-Bundesstaat Texas ihn am 7. März hinrichten. Er wurde für den Mord an Theresa Rodriguez (29) im Jahr 1992 zum Tode verurteilt und wird seit Jahrzehnten im Todestrakt von Texas gefoltert.

Mord unter Drogeneinfluss
Es ist wirklich eine schlimme Geschichte, was damals geschah und Rolando hat sich mit schwerer Schuld beladen. Gegen Zahlung von 2000 US-Dollar hat er Theresa Rodriguez erschossen. Ein schrecklicher Auftragsmord… Diese Tat wurde möglich, weil Rolando im Alter von 19 Jahren schwer Drogensüchtig war und diese Tat unter Einfluss multipler Drogen begangen hat.

Rolando tut dies alles heute extrem leid und er steht vor dem Scherbenhaufen seiner Drogensucht. In der Haft hat er sich sehr gewandelt und ist heute nicht mehr der Mensch, der er damals war. Aber lassen wir ihn selbst zu Wort kommen. Seine folgenden Sätze stammen aus einem Schreiben dass hier veröffentlicht wurde:

Rolando Ruiz: „…Ich weiß, wie einfach es geschieht, von der Gesellschaft nach entscheidenden und schmerzlichen Fehlern beurteilt zu werden. Doch diese Fehler zeichnen ein ganz und gar unvollständiges Bild von mir als Person. Ich bin heute ein komplett  anderer Mensch als der zugedröhnte Junge, der damals in einer Welt von Drogen und Gewalt unterging. Nur durch die Gnade und Kraft des allmächtigen Gottes habe ich zu mir selbst gefunden. Seine Gnade hat meine Augen und mein Herz geöffnet für ein ganz neues Verständnis des Lebens als wertvolles Geschenk…“

Uns stellt sich immer wieder die Frage danach, welchen Sinn eine solche Hinrichtung hat. Eins ist sicher, das Opfer wird dadurch nicht mehr lebendig und es ist kaum anzunehmen, dass das Leid der Angehörigen von der Ermordeten durch eine solche Exekution gemildert wird. Nein, die Hinrichtung von Rolando wäre nur ein weiteres Verbrechen, das einem Menschen, der sich gewandelt hat, das Leben nimmt. Ein weiteres Verbrechen mit einer Vorbereitungszeit von Jahrzehnten,  ausgeführt von einem Staat, der in martialischen Todesritualen gefangen ist und nur einen Weg zu kennen scheint, den der Rache. Aber eine solche Rache ist sinnlos und zerstörerisch. Sie wird wieder Menschen tief in ihrer Seele verletzen, denken wir nur an die Angehörigen von Rolando…

Wir bitten unsere Leser, sich für Rolando und gegen seine Hinrichtung einzusetzen. Dazu hier die folgenden Kontaktmöglichkeiten zum Gouverneur von Texas:
https://gov.texas.gov/contact/
oder über Twitter: https://twitter.com/GovAbbott

IHfL
Peter Koch

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