Der Fall Lancelot Armstrong

Lancelot Armstrong seit 1991 im Todestrakt von Florida

Feature zu seinem Fall, sowie seiner Kindheit und Jugend, die durch Gewalt, Misshandlung und Folter geprägt wurde.

Lancelot Armstrong

Lancelot Armstrong wurde 1963 in Jamaika geboren und ist in den 1980′er Jahren in die USA übergesiedelt. 1990 soll er einen Polizisten erschossen und einen weiteren schwer verletzt haben. Für diesen Mord wurde er 1991 zum Tode verurteilt. Er selbst bestreitet die Tat! Die Hauptzeugin, Kay Allen, wurde durch die Untersuchungsbeamten unter Druck gesetzt und belastete ihn, zog jedoch später ihre Aussage wieder zurück und entlastete so Lancelot Armstrong! – Laut ihrer Aussage vor Gericht soll Wayne Coleman der Täter sein. Auf der Suche nach einem Brieffreund, der im Todestrakt ist, lernte ich Lancelot Armstrong durch eine Organisation kennen, die sich gegen die Todesstrafe einsetzte. Diesen Verein gibt es nicht mehr, aber meine Freundschaft zu Lancelot ist geblieben.

Und tatsächlich sagte die Freundin Colemans in einem Interview mit der Zeitung SunSentinel, am 30. April 1990, dass ihr Freund Wayne Coleman ihr gestanden hat: Er müsse abhauen, denn er habe eine großen Fehler gemacht. Er habe zwei Polizisten erschossen.

Es würde hier zu weit führen, die ganzen Details zu erklären, ich gehe jedoch davon aus, dass Lancelot Armstrong unschuldig hingerichtet werden soll. Und dies ist nichts ungewöhnliches, denn immer wieder werden Fälle bekannt, in denen Menschen unschuldig im Todestrakt in den USA waren.

Hier einige Beispiele dafür:

Lancelot Armstrong hatte kein faires Verfahren

Auch im Fall von Lancelot wird deutlich, was in vielen Teilen der USA, so auch in Florida wo Lancelot Armstrong verurteilt wurde, Rechtsprechung bedeutet. Denn selbst wenn Lancelot Armstrong die ihm vorgeworfenen Tat begangen hätte, so hat er kein faires Verfahren bekommen. Sieht man allein die Gutachten, die teils vom Gericht nicht mal zur Kenntnis genommen wurden, wäre eins auf jeden Fall klar. Er hätte niemals zur Höchststrafe verurteilt werden dürfen.

Eine Kindheit voller Angst und Pain

Lancelot wuchs in der Armen-Siedlung „Martha Brea“ mit vier Geschwistern in Jamaika auf. Das Leben dort war hart. Wasser mussten die Kinder von einem Standrohr auf der Straße holen und in Öl-Trommeln lagern. Die Ernährung der Kinder bestand im wesentlichen aus Obst, Bananen, der Frucht des Brotfruchtbaumes und Fisch aus dem Fluss unter dem Haus. Gekocht wurde auf einem primitiven Kohle-Herd mit Hilfe von Lack-Dosen.

Als Lancelot noch ein kleiner Junge war, heiratete seine Mutter einen Alkoholiker, der fortan gegenüber den Kindern sehr gewalttätig war. Für die Züchtigung der Kinder hatte er eine spezielle Schlaufe, die er immer bei sich trug. Körperliche Züchtigung war zu dieser Zeit normal in Jamaika, aber die Brutalität die Lancelot ertragen musste ging extrem weit über das „übliche“ hinaus.

Mit fünf Jahren hatte Lancelot bereits mehrere Traumata am Kopf durch Verletzungen. Sein Vater kam oft völlig betrunken nach Hause, erbrach sich und wurde ohnmächtig.

  • Lancelot wurde auch von seiner Mutter, Tante und Großmutter„diszipliniert“, welche mit ihm im selben Haus wohnten. Dabei haben sie ihn mit Gürtel und Peitsche geschlagen.
  • Lancelot blieb mit seinem gewalttätigen Vater, der Tante und der Großmutter allein zurück, als seine Mutter sich entschloss in die Hauptstadt Kingston zu gehen, um dort als Krankenschwester zu arbeiten, in der Hoffnung, dass es der Familie dadurch besser gehe.
  • Durch die Mangelernährung und die ständigen Misshandlungen entwickelte
    der kleine Lancelot die seltene Krankheit „Pica“. Eine Krankheit die meist vernachlässigte und misshandelte Kinder betrifft. An Pica erkrankte essen Dinge die nicht als Nahrung geeignet sind. Lancelot aß Lehm, Schmutz, Kalk und Sand, aber auch Farbreste und Hühnerkot. Er begann seinen Kopf gegen die Wand zu schlagen, bis er zu bluten anfing. Dies tat er meist nachdem er verprügelt wurde. Dadurch hatte er häufig Kopfschmerzen und Nasenbluten, was ihn jedoch nicht dazu veranlasste mit diesen Selbstverletzungen aufzuhören.
  • Die Schule war reine Folter für das Kind. Aufgrund der Misshandlungen hatte Lancelot eine schwere Lernbehinderung entwickelt und Stotterte beim Sprechen. Auch in der Schule hatte er häufig Nasenbluten und „Ausfälle“ in der Form, dass er auf den Boden fiel und sich hin und her rollte, wobei sich sein Körper unkontrolliert schüttelte. Dies alles trug dazu bei, dass die anderen Kinder sich von ihm abwandten und er vollkommen isoliert war.
  • Er litt unter häufigem Erbrechen, Durchfall und Magenschmerzen, was ihn oft daran hinderte die Schule zu besuchen, wodurch er zusätzlich Probleme hatte in der Schule noch mitzukommen.
  • In den 1960er Jahren wurden die Schulen in Jamaika gnadenloser und grausamer. Kinder mit Lernproblemen wie Lancelot, wurden „Dummköpfe“ genannt und mussten in der Ecke sitzen, wurden aber auch auf andere Weise gedemütigt. Körperliche Züchtigung von Kindern mit Lernproblemen durch die Lehrer war an der Tagesordnung. Lancelot wurde in der Schule mit Peitsche und Gürtel geschlagen. Dabei hielten die Lehrer ihn meist an einem seiner Arme fest und schlugen auf ihn ein. Kinder wurden damals für jede ihrer „Behinderungen“ geschlagen. Für Lancelot der an Krampfanfällen, Nasenbluten, Stottern litt und der für sein Alter sehr klein war, gab es da keine Chance.
  • Lancelot wurde in der Schule als „Dummkopf“ geschlagen und danach zu Hause für seine angebliche „Faulheit“, weil er in der Schule nicht mitkam.
  • Lancelots Bruder Harlo, versuchte ihm teilweise beim Lernen zu helfen, dennoch war auch diese Beziehung nicht konfliktfrei. So versuchte Harlo ihn einmal mit einem Messer zu erstechen, wodurch Lancelot mehrere Monate im Krankenhaus verbringen musste. Sein Onkel und sein älterer Bruder Danny ertränkten Lancelot fast in einem Wasserfass. Als ihn seine Großmutter aus dem Wasser zog war er bewusstlos und blutete aus den Ohren. Auch verlor Lancelot zwei seiner Finger, als sein Bruder Danny Zuckerrohr mit einer Machete schnitt, wobei er Lancelots Finger amputierte.
  • Trotz allem war Lancelot ein guter Schwimmer. Und obwohl er so klein war, wurde er immer wieder damit beauftragt Leichen von Ertrunkenen aus dem Fluss „Martha Brae“ zu bergen, der hinter dem Haus seiner Familie vorbeifloss. Der Fluss war recht wild und so ertranken damals mehrere Menschen, meist Kinder, die Lancelot bergen musste. Manche lagen schon seit Tagen im Wasser und waren entsprechend aufgebläht und geschwollen. Dies war für Lancelot sicher ebenfalls traumatisierend, denn zu dieser Zeit war er noch ein Teenager.
  • 1977, als Lancelot 15 Jahre alt war, gab es in Jamaika einen gewaltsamen politischen Aufstand in der Stadt Falmouth, ca. 6 Meilen von seinem Wohnort entfernt. Es gab Ausschreitungen und Schießereien. Es wurde eine Ausgangssperre verhängt, aber der Umbruch ließ sich nicht aufhalten.
  • Als Lancelot 16 Jahre wurde, wanderte seine Mutter allein in die USA aus und ließ ihn bei seiner Großmutter zurück.
  • 1980, als Lancelot 17 Jahre alt war, wurde in Jamaika neu gewählt und diese Wahlen waren recht gewaltsam und turbulent. Die beiden politischen Parteien stahlen Wahlurnen, in denen sie viele Stimmen der Gegenpartei vermuteten. Lancelot wurde dazu verpflichtet Wahlurnen zu schützen und er war sehr erschrocken von der Tatsache, dass er auch dabei getötet werden könnte.

Zu dieser Zeit, lebten die Menschen in ständiger Angst vor der Polizei. Mit 19 Jahren verhaftete die Polizei ihn wegen eines angeblichen Raubes, den er aber nicht begangen hatte. Dennoch wurde er mehrere Monate in Untersuchungshaft gesteckt und von der Polizei gefoltert. Sie schlugen ihn mit einem Hammer auf seine Zehen und auf die Unterseite seiner Füße. Auch schlugen sie auf seine Genitalien ein, an die sie Gewichte gebunden hatten. Sie fügten ihm Elektroschocks mit Kabeln zu und schlugen ihm einen seiner Zähne aus. Er wurde jedoch nie verurteilt und schließlich aus der Haft entlassen.

Es gab viele Zeugen, die über Lancelots elende Kindheit und Jugend ausgesagt haben. Darunter auch mehrere Gutachter, die über Lancelots Kopfverletzungen, seine kognitiven Defizite und Dysfunktionen von Teilen seines Gehirns berichteten. Keiner dieser wichtigen Zeugen wurde jemals von seinen Verteidigern oder dem Gericht in den Zeugenstand gerufen. Noch wurden diese Fakten den Geschworenen mitgeteilt!

Dr. Antoinette Appel, forensische Neurospychologin, bezeugte, dass Lancelot eine bedeutende Geschichte von Hirntraumata und schweren Anfällen hat, einschließlich einem Trauma das bei seiner Geburt entstanden ist. Sie bescheinigte ihm Hämatome im Gehirn und Hirnblutungen im Alter von fünf Monaten, als auch bei seinem fast Ertrinken im Altern von 9 Jahren im Wasserfass und als er im Alter von elf Jahren mit einem Stein auf den Kopf geschlagen wurde, sowie bei einem Fahrradunfall im Alter von 16 und bei mehreren Autounfällen mit Bewusstlosigkeit. Weiter wies Frau Dr. Appel darauf hin, dass die letzte schwere Kopfverletzung im November 1989, also kurz vor dem ihm vorgeworfenen Mord, bei einem Autounfall stattgefunden hatte. In diesem Zeitraum hatte Lancelot Hypo-Stoffwechsel, was bedeutet, dass sein Gehirn nicht richtig durchblutet wurde und dadurch nicht richtig arbeiten konnte. Auch bezeugte sie Lancelots verminderte neurokognitiven Fähigkeiten, die durch seinen Konsum von bleihaltiger Farbe in seiner Kindheit, durch seine Erkrankung an Pica, noch verschärft wurden.

Die Untersuchung durch den Psychiater Richard Dudley ergab, das Lancelot unter mehreren neuropsychiatrischen Problemen litt, einschließlich langanhaltender kognitiver Defizite infolge von traumatischen und genetischen Faktoren. Auch bezeugte er, dass Lancelot von seinen Betreuern wiederholt vernachlässigt und körperlich misshandelt wurde, wodurch viele seiner Symptome entstanden sein könnten. So leide er unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und chronischen Depressionen, aber auch Pica sei dadurch bei ihm dadurch entstanden. Dr. Dudley erklärte, dass der Schaden in Lancelots Frontallappen kognitive Beeinträchtigungen verursacht, die ihn bei der Fähigkeit Entscheidungen zu treffen behindern. Dudley führt weiter aus, dass diese „Behinderung“ ihn nicht befähigte sich immer im Rahmen der Gesetze zu verhalten. Darüber hinaus litt Lancelot unter einer extremen emotionalen Störung zum Zeitpunkt des ihm vorgeworfenen Verbrechens.

Die Neuropsychologin Dr. Terry Goldberg führte an Lancelot eine Reihe von neuropsychologischen Tests durch, sowie einen Intelligenztest. Die Testergebnisse bestätigten, dass Lancelot an einer schweren Beeinträchtigung seines Frontallappens leidet, wodurch er grundlegende Defizite bei der Informationsverarbeitung hat. Weiter bestätigten die Tests eine kognitive Dysfunktion und Probleme mit seinem Arbeitsgedächtnis und begrenzte Sprachkenntnisse. Der IQ-Test ergab lediglich einen IQ von 77. Sie meinte, dass eine Person mit solch großen Schwierigkeiten in Stress-Situationen, wie sie bei Kriminalität vorkommen, schwere Beeinträchtigungen bei ihren Impulsreaktionen hat. Sie bestätigte, dass diese Beeinträchtigungen ursächlich an seinen Hirnschäden liegen, wenn sie auch nicht auf dem EEG auftauchen würden.

Dr. Thomas Hyde, verhaltensbezogener Neurologe, bezeugte ebenfalls erhebliche organische Hirnfunktionsstörungen bei Lancelot, einschließlich Frontallappen, Scheitellappen und Temporallappen-Dysfunktion. Nach Dr. Hyde ist der Frontallappen der wichtigste Teil des Gehirns für die Regulierung des Verhaltens. Menschen mit einer Frontallappendysfunktion leiden häufig an Urteilsbeeinträchtigungen, Argumentationsproblemen und neigen zu unangemessenen emotionalen Reaktionen in schwierigen Situationen. In Kombination mit einer Temporallappendysfunktion wird der Argumentationsprozess und die Impulsivität behindert, was zu einer Abwesenheit von Rechtsempfinden führt, sowie Vernunft und Einsicht in Stress-Situationen vermindert.

Dr. Gunst, die einen Bachelor-Abluss in Geschichte und einen Master in lateinamerikanischer Geschichte hat, kennt sich speziell in Sachen Jamaika aus und lebte von 1984-1986 in dort. Sie bezeugte, dass Lancelot schweren seelischen Schaden erlitten hat, durch seine Kindheit in dem Inselstaat. Auch bestätigte sie die Polizeigewalt, Armut und körperlichen Misshandlungen die Lancelot zu Hause und in der Schule erlitten hat. Vor ihrem Zeugnis hatte sie Datensätze studiert, mit Familienmitgliedern von Lancelot gesprochen und Lancelot selbst interviewt. Sie bestätigte die bittere Armut in der Lancelot aufwuchs und dass seine Schulausbildung reine Folter war, weil seine Lernbehinderung nicht erkannt und er dort regelmäßig körperlich gezüchtigt wurde, auch dass er zu Hause immer wieder geschlagen wurde, in einer Art und Weise, die weit über das hinaus ging was damals in Jamaika üblich war.
Dr. Gunst bezeugte ebenfalls die politische Gewalt in Jamaika zu jener Zeit, der gerade auch die Jugend ausgesetzt war, denn sie mussten oft die Wahlurnen bewachen und viele von ihnen wurden dabei erschossen. Ebenfalls bestätigt sie die enorme Brutalität der Jamaikanischen Polizei. Die Polizei war damals berüchtigt für Mord und andere Gewalttaten. Lancelot selbst war Opfer dieser Polizeigewalt und wurde in deren Gewahrsam gefoltert, dabei waren seine Erfahrungen übermäßig, selbst nach den Maßstäben dieser Tage.

Einen solchen Menschen zum Tode zu verurteilen hat mit Rechtsprechung nichts zu tun. Vielmehr scheint bei dem Urteil die Tatsache, dass es sich bei dem Opfer um einen weißen Polizisten gehandelt hat und Lancelot Armstrong ein Schwarzer ist, eine wesentliche Rolle gespielt zu haben. Dabei verurteilte die Jury ihn nicht einstimmig, sondern mit 9 gegen 3 Stimmen, was allein schon in anderen Bundesstaaten der USA automatisch die Todesstrafe ausgeschlossen hätte, nicht jedoch in Florida.

IHfL
Peter K.


Der Mitbegründer der Initiative ‚Hilfe für Lancelot‘ (IHfL) Peter Koch spricht auf Einladung von Amnesty International (Münster) in der Dominikanerkirche in Münster zum Thema „Todesstrafe“. Dabei stellt er die Frage der Schuld auf eindringliche Weise und erläutert den Zusammenhang zwischen der Schuld Aller und dem Wunsch in Vielen nach dem staatlichen Mord. Er berichtet über seinen Brieffreund Lancelot Armstrong, der seit 1991 im Todestrakt von Florida auf seine Hinrichtung warten muss. Neben Armstrongs erschütternder Kindheit, hebt Peter Koch die Unmenschlichkeit der Todesstrafe und die als Folter zu bezeichnende Unterbringung der Gefangenen in den Vordergrund. Sein Vortrag endet mit ergreifenden Worten von Lancelot Armstrong.

Der obige Text stammt Teilweise aus diesem Vortrag.


  • Januar 2017:
    Todesurteil aufgehoben!

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Neues Strafzumessungsverfahren

Lancelot Armstrong wird seit 1991 im Todestrakt von Florida gefoltert, für ein Verbrechen, dass, wie er stets beteuert, nicht begangen hat. Er soll 1990 einen Polizisten erschossen haben. Jedoch gibt es Hinweise, die vermuten lassen, dass er nicht der Mörder ist. Jetzt soll seine Strafe neu verhandelt werden, da das Todesurteil gegen ihn jetzt aufgehoben wurde.

Der „Supreme Court of Florida“ hat am Donnerstag das Todesurteil gegen drei Gefangene des Todestraktes gekippt. Diese Entscheidung ist offensichtlich auf das „Hurst-Urteil“ des Höchsten Gerichts der USA, im Januar 2016, zurückzuführen. In diesem Urteil wurde die in Florida herrschende Regelung zur Urteilsfindung für Verfassungswidrig erklärt. In Florida konnte der Richter bis dahin ein Todesurteil auch dann aussprechen, wenn sich mehrere Geschworene gegen ein solches Urteil aussprachen. Seit dem Hurst-Urteil wurde in Florida keine Hinrichtung mehr vollzogen. Das jetzige Urteil des höchsten Gerichts von Florida, im Fall Lancelot Armstrong,  ist die direkte Folge des Bundesgerichtsurteils gegen den US-Bundesstaat und des Antrags seiner Verteidung (Hier geht es zu dem Originaldokument).

Im Fall von Lancelot Armstrong, der von der deutschen IHfL betreut wird, bedeutet diese Entscheidung leider nicht, dass er ein komplett neues Verfahren erhält. Das Schuldurteil bleibt also bestehen. Lediglich die Strafhöhe soll neu verhandelt und dazu 12 komplett neue Geschworene geladen werden. Sowohl im Jahr 1991, als auch in der Berufung im Jahr 2007 sprachen sich jeweils drei Geschworene gegen die Todesstrafe für Lancelot Armstrong aus. Es besteht also die berechtigte Hoffnung, dass zumindest die Todesstrafe für Lancelot Armstrong im neuen Verfahren nicht bestätigt wird. Dies würde dann jedoch wohl „Lebenslänglich ohne jede Hoffnung auf frühzeitige Entlassung“ bedeuten. Damit kann und will sich Lancelot Armstrong nicht zufrieden geben, denn er besteht darauf , unschuldig zu sein.

Augenzeugin besteht darauf: Lancelot war es nicht!
Bei dem ihm vorgeworfenen Überfall auf ein Schnellrestaurant hat nach der Aussage der einzigen Augenzeugin Kay Allen ein anderer Mann, nämlich Wayne Coleman, den Polizisten getötet. Dieser machte jedoch einen Deal mit den Behörden, sagte gegen Lancelot Armstrong aus und bekam Lebenslänglich. Lancelot, der auf seine Unschuld pochte, erhielt die Todesstrafe. Kay Allen wurde zuvor einem foltergleichen Verhör durch die Polizei unterzogen, brach unter diesem Druck zusammen und belastete zunächst Lancelot Armstrong. Vor Gericht widerrief sie jedoch diese Aussage. Kay Allen beschreibt die Vorgänge im Gespräch mit einem Privatdedektiv wie folgt: Zur Aussage von Kay Allen

Tatsächlich sagte die Freundin Colemans in einem Interview mit der Zeitung SunSentinel, am 30. April 1990, dass ihr Freund Wayne Coleman ihr gestanden hat: Er müsse abhauen, denn er habe einen großen Fehler gemacht. Er habe zwei Polizisten erschossen!

Neben Lancelot Armstrong wurden auch die Urteile gegen Donald Otis Williams, der 2010 eine Frau ermordet haben soll und William M. Kopsho, der im Jahr 2000 seine Frau getötet haben soll, aufgehoben. Auch diese Strafen werden nun neu verhandelt.

Ganz abgesehen jedoch von der Schuldfrage wäre, Lancelot Armstrong in Deutschland schon längst wieder auf freiem Fuß. Einen Menschen tatsächlich lebenslänglich einzusperren für eine Tat ist höchst fragwürdig, denn es nimmt ihm jede Chance auf Veränderung und missachtet die persönliche Entwicklung der Person. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass Lancelot Armstrong und die anderen im Todestrakt dauerhaft gefoltert werden mit einer menschenunwürdigen Situation und der stetigen Angst vor der Exekution.

Mutter überwältigt und überglücklich
Wir haben soeben mit der Mutter von Lancelot Armstrong telefoniert und sie ist von der neuen Nachricht überwältigt. Sie wusste noch nichts von dem Urteil des Supreme Courts. Sie bangt um das Leben ihres Sohnes und ist im Moment einfach nur überglücklich über diese neue Entwicklung…

Wer Lancelot Armstrong unterstützen möchte, findet unter folgenden Links viele Möglichkeiten dazu…
Soli-Shop: http://www.lancelot-armstrong.de/stf-sh.htm
Kunstwerke von Lancelot Armstrong: http://armstrongkunst.wordpress.com
Patenschaft: http://www.lancelot-armstrong.de/startframe_patenschaft.htm
Petition: http://www.thepetitionsite.com/246/964/427/gerechtigkeit-fr-lancelot-armstrong/

IHfL
Peter Koch


  • Herbst 2017:
    Lancelot Armstrong immer noch im Todestrakt.
    Deutsche Übersetzung des Urteils zur Aufhebung.

Der Supreme Court of Florida hebt das Todesurteil gegen Lancelot Armstrong, vor über einem halben Jahr, auf und verweist seinen Fall zurück, für ein neues Strafzumessungsverfahren. Dennoch ist er immer noch im Todestrakt von Florida untergebracht – ganz ohne Todesurteil – Logik eines Unrechtsstaates. Jetzt veröffentlichen wir eine Deutsche Übersetzung des Urteils des Supreme Court of Florida.

Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bei der lieben Frau bedanken, die sich die Arbeit gemacht hat, das Urteil für uns zu übersetzen. Eine solche Übersetzung ist immer eine Annäherung an das Englische Original, da die juristische Sprache ziemlich schwierig zu übersetzen ist. Insofern bitten wir hier keine 100%ige Übersetzung zu erwarten.

Mit Klick auf der folgende Bild geht es zur PDF mit dem Original-Urteil:

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Im Folgenden also das Urteil in Deutsch:


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Leider bedeutet die Aufhebung des Todesurteils gegen Lancelot Armstrong nicht, lancelot_armstrong2014bdass er ein neues Verfahren zur Überprüfung seiner Schuld bekommt. Lancelot besteht ja auf seiner Unschuld und bestreitet im Jahr 1990 einen Polizisten erschossen zu haben. Er erhält also kein vollkommen neues Verfahren, sondern nur ein neues Strafzumessungsverfahren, aber zumindest ist jetzt bekannt geworden, dass das Oberste Gericht darauf besteht, dass diesmal nur eine Einstimmige (12/0) Entscheidung der Jury noch einmal zu einem Todesurteil führen darf. Dabei müsste die Jury jedoch auch noch tiefgreifend erläutern können, warum sie der Meinung ist, die Gründe für ein Todesurteil würden schwerer wiegen, als die Gründe ihn zu verschonen. (Quelle)


Für jeden hier nun einsehbar: Original Aussage der einzigen Augenzeugin in Deutscher Sprache, die Lancelot Armstrong entlastet. Belastende Aussage der Freundin des wohl eigentlichen Täters.

Im Folgenden dokumentieren wir an dieser Stelle eine Aussage von Kay Allen, der einzigen Augenzeugin des Lancelot Armstrong vorgeworfenen Verbrechens:

Auszüge aus dem Gespräch zwischen

 Privatdetektiv Jody R. Stacy

und

Kenderal (Kay) Allen 

Stacy: Mein Name ist Jody R. Stacy, Privatdetektiv für Winstar Investigations. Heute ist der 21. Oktober… Ich befinde mich in der Wohnung von Kay Allen…

Stacy: Können sie detailliert beschreiben was sich in der Nacht des 17. Februars zugetragen hat, einschließlich allen Reaktionen von ihnen selbst. Erzählen sie mir was Lance (Lancelot Armstrong) für ein Mensch ist und alles was sie über ihn erzählen können und in welcher Beziehung sie zu Coleman standen und was passiert ist.

Allen: Ich habe Coleman nie zuvor gesehen… Ich kannte Lancelot schon eine Weile. Ich weiß nicht mehr genau wie lange ich ihn schon kannte, er war ein Geschäftsmann, er machte eine Menge Gelegenheits- und Nebenjobs…

Stacy: Können sie mir genau berichten was in der Nacht geschah, als er zum Church’s Chicken kam?

Allen: In dieser Nacht kam er zu meiner Arbeitsstelle, überraschend hatte ich ihn gefragt ob er mich fahren kann, er kam mit einem anderen Mann bevor ich das Restaurant komplett geschlossen hatte.
Ich ließ den anderen Mann, es war Coleman, im Speisesaal und ging nach draußen, setzte mich ins Auto und sprach mit Lance…

Stacy: Worüber sprachen sie mit Lance ?

Allen: Über die Vaterschaft bei den Zwillingen… Wir sprachen über die Verschiedensten Dinge, hauptsächlich über die Kinder… und er bat mich, für ihn etwas zu tun, das seine Meinung ändern würde…

Stacy: Er forderte sie auf ?

Allen: Er bat mich ins Restaurant zu gehen, als wenn nichts besonderes wäre, das Geld zu nehmen und es nach draußen zu bringen. Ich sagte nein und ich würde nicht alles gefährden für ein paar Cent, für das wenige Geld das wir in der Kasse hatten. Er änderte seine Meinung dann wirklich schnell.

Stacy: Sie erklärten ihm, dass es das nicht wert sei, sie sprachen also nur darüber.

Allen: Nichts, für nichts lohnt es sich das eigene Leben zu riskieren.

Stacy: Und er war der gleichen Meinung ?

Allan: Ja… – Coleman kam aus dem Restaurant und ich erklärte ihm, das ich mit so was nichts zu tun haben will. Herr Coleman fasste eine Waffe von seinem Bund, sagte ihm er solle warten oder verschwinden oder was auch immer und sagte „Bitch“ zu mir.

Stacy: Als also Lance zu Coleman sagte, das wir das lieber lassen mit dem Raub. Gehen wir zurück zum Auto… Was sagte Lance, als er die Waffe auf ihn richtete ?

Allan: Bitte nicht auf mich schießen

Stacy: Nicht auf sie schießen

Allan: Nicht auf mich schießen, verstehen sie, als ich Coleman in die Augen sah, war mir klar, dass es für ihn kein Zurück mehr gab.

Stacy: Wie schaute er…

Allan: Er hatte einen sehr aggressiven Gesichtsausdruck, er schaute aus wie als wenn es nicht möglich war ihn zu überzeugen… es war nicht möglich seine Meinung zu ändern.

Stacy: Meinen sie er könnte unter Drogen- oder Alkoholeinfluss gestanden haben oder…

Allan: Coleman sah so aus als wenn er unter dem Einfluss von irgend so etwas stand… …er forderte mich auf den Safe zu öffnen, ich glaubte ich müsste diese Nacht sterben.
Als er das Geld hatte, verlangte er von mir, aus dem Büro zu gehen und mich auf den Boden zu legen… Ich denke Coleman war in dieser Nacht bereit jedermann zu töten, absolut jeden…
Dann forderte er mich auf aufzustehen, also ging ich vor ihm her mit erhobenen Händen… Coleman gab einen Schuß ab, der mit dem Geräusch einer Pfeife an meinen Kopf vorbeiflog.

Stacy: Polizist Sallustio ging in eure Richtung.

Allan: Er ging in Richtung des Fensters.

Stacy: Und dann nahm Coleman die Waffe und feuerte ?

Allan: Er hatte sie die ganze Zeit in der Hand, er hatte die Waffe nicht einmal weggesteckt… Ich fing an zu schreien und versteckte mich unter dem Tisch… ich hörte Schüsse die von draußen reinkamen und Schüsse die nach draußen gingen…

Stacy: Haben sie während dieser Geschehnisse gesehen das Lance einen Schuß abgab ?

Allan: Nein, ich habe ihn nicht schießen gesehen, er trug eine Waffe nur zu seinem Schutz… Ich habe nicht gesehen das er geschossen hat, aber er hatte eine Waffe unter seinem Sitz.

Stacy: Wie lange dauerte die Schießerei ?

Allan: Es dürften so 5 – 10 Minuten gewesen sein…

Stacy: …Okay, sie meinen also definitiv das Coleman der Aggressor war bei diesem Zwischenfall.

Allan: Ich weiß, dass der Aggressor Coleman war…

Stacy: …können sie beschreiben was Herr Armstrong für einen Charakter hatte…

Allan: In den meisten Fällen war er bescheiden, großzügig, er hatte halt nur Kontakt mit den falschen Leuten, ich weiß nicht, einmal war er eifersüchtig… Ich mag es überrascht zu werden, aber das er diesen Rückzieher gemacht hat, das hat mich bei ihm nicht überrascht.

Stacy: Insofern war es typisch für seinen Charakter, das er die ganze Sache stoppen wollte ?

Allan: Ja

Stacy: Können sie etwas dazu sagen, was sie in der Vergangenheit vor Gericht aussagten…

Allan: Ich ging in Broward County durch die Hölle. Da sie meinten ich würde ihnen den Fall versauen, zeigten sie mir Bilder von Greeny im Leichenhaus. Bilder die ich bis heute noch vor mir sehe.

Stacy: Als sie sagten, sie versauten den ganzen Fall, was meinten sie damit ?

Allan: Wenn ich sagte, das Lance keinen Schuß abgegeben hat, dann sagten sie, es würde nicht stimmen was ich sage… wie hätte es sonst passieren können. Was ich glauben würde wie es hätte sonst passieren können usw… Und das während sie mir die Bilder von Greeny in der Leichenhalle zeigten… Wenn ich durch Broward gehe, dann sehr schnell, denn diese Bilder werden mich bis zu meinem Tod verfolgen.
…Nichts schien sie umzustimmen, dieser Kerl hat das nicht getan, aber dieser Kerl hat es getan, das war die Grundlage dessen was ich zu sagen hatte, ich will damit sagen, sie wollten einfach nichts anderes hören. Und sie wollten hören, das er es getan hat und das war es was sie wollten… Sie wollten einen Schuldigen für den Tod ihres Kollegens, das hatte ich verstanden und ich würde mit dem Blut dieses Kerls auf mir leben müssen bis ich sterbe…

Stacy: …sie sagten die Broward County Sherrif’s setzten sie massiv unter Druck, wenn sie ihnen sagten, dass Coleman der Aggressor war, was waren ihre Reaktionen.

Allan: Das wollten sie einfach nicht von mir hören, das war ihre Reaktion… es war so wie, als wollten sie einfach nicht, das er es gewesen ist, sie wollten alle Schuld auf Lance abladen…

Stacy: Nun erheben sie Meineidanklage gegen sie ?

Allan: Ich widerrief alles, das ich ausgesagt hatte, ich widerrief es. Ich erkannte, dass ich ihre Sau war, unabhängig davon wie ich damit klar käme, für den Rest meines Lebens, mit all dieser Schuld, in diesem Prozess andere Leben zu zerstören, ich konnte das einfach nicht weiter mitmachen, ich konnte einfach nicht weiter tun was sie verlangten.

Stacy: Und was verlangten sie ?

Allan: …das einzige was sie verlangten war, das ich sagte, dass Lance der Aggressor war…

Stacy: Und ich schätze, ihre Aussage endete damit, das zu sagen und dann kamen sie ins Gericht und sagten, das dies nicht die Wahrheit war, weil sie Angst hatten vor den Broward County Sherrif’s…

Allan: Das habe ich immer noch, das habe ich immer noch. Wie ich vorher gesagt habe, ich fahre nur noch sehr selten durch Broward… sie machten mein Leben zu eine lebendigen Hölle. Niemand kümmerte sich mehr um mich und niemand wollte mit mir noch was zu tun haben. Das einzige was sie brauchten war jemand der für den Tod von Greeny bezahlen muss und sie benutzten mich dafür…

Stacy: Ist da irgendetwas das sie über Lance sagen wollen, im Angesicht seiner Verurteilung… ?

Allan: Ich meine, dass er die Todesstrafe nicht verdient hat.

Stacy: Denken sie er hat in dieser Nacht einen Polizisten erschossen ?

Allan: Ich weiß das er es nicht getan hat, er hat eine Waffe immer nur zu seiner Sicherheit getragen… Wie ich gesagt habe, Lance war einfach am falschen Ort mit der falschen Person in dieser Nacht.

Stacy: Es liefen seine Geschäfte recht gut und er konnte für sich selbst sorgen ?

Allan: So habe ich es gesehen, ich habe nie gesehen das es ihm (Lancelot) schlecht ging. Nie… Er sorgte für seine Familie, tat verschiedene Dinge für mich…

Stacy: Ich danke ihnen, für ihre Aussage…

Den vollständigen Text des englischen Originals bitte hier als PDF laden:
kay_allen_aussage_lancelot_armstrong.pdf


Dazu dann folgende Meldung aus der Sun-Sentinel:

Dort berichtet die Freundin Colemans darüber, dass Coleman klar und deutlich sagt, er selbst habe die beiden Polizisten erschossen. (Zu diesem Zeitpunkt ging er wohl davon aus, dass beide Polizisten gestorben sind.) Hier nun der original Wortlaut:

Originaltext aus dem Artikel von 1990: „Sometime around 8 a.m., Coleman and Armstrong appeared at Coleman`s girlfriend`s apartment. Laing said they came in and Coleman said he had to leave, „he had to go because he did something wrong. … He killed two cops.„“

Dieser Artikel ist über folgende Links erreichbar:
Seite 1: http://articles.sun-sentinel.com/1990-04-30/news/9001050759_1_armstrong-show-broward-county-gunfire

Auf Seite 2 ist das Zitat zu finden, das Lancelot klar entlastet:
Seite 2: http://articles.sun-sentinel.com/1990-04-30/news/9001050759_1_armstrong-show-broward-county-gunfire/2

Wir möchten an dieser Stelle nicht vorenthalten, dass in dem Artikel ein Drogenhändler behauptet, Lancelot Armstrong hätte gesagt, es wäre auf ihn geschossen worden und dann hätte er auch geschossen. Im Anbetracht der Aussage von Kay Allen und der Freundin Colemans, ist dies jedoch ziemlich unwahrscheinlich. Lancelot Armstrong selbst bestreitet von Anfang an, geschossen zu haben.


Wichtig ist zu wissen, dass mit Coleman ein Deal gemacht wurde. Ihm wurde angeboten, er bekomme keine Todesstrafe, wenn er gegen Lancelot Armstrong aussagt. Und genau das hat er dann auch getan! – Coleman wurde daraufhin nicht zum Tode verurteilt und Lancelot Armstrong bekam die Todesstrafe.

Wir bedanken uns bei allen, die Lancelot unterstützen, denn ohne sie hätte er es vielleicht nicht bis hierher geschafft. Dem schließt sich auch Lancelots Mutter an, mit der wir in Kontakt stehen. Eure Unterstützung gibt Lancelot die Kraft weiterzukämpfen, für die Anerkennung seiner Unschuld und gegen die Todesstrafe. Dabei gebt ihr ihm auch die Kraft und die Möglichkeit weiterhin andere Gefangene zu unterstützen.

Wer Lancelot Armstrong helfen möchte finden auf der Webseite
www.lancelot-armstrong.de
viele Möglichkeiten dazu.

IHfL
Peter K.

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