„Keine Todesstrafe: KEINE AUSNAHMEN!“

Eine Perspektive von L’chaim! Juden gegen die Todesstrafe
von Kantor/Kaplan Michael Zoosman

Mit jeder Zelle meines Wesens und mit jeder Faser meines Gedächtnisses lehne ich die Todesstrafe in jeder Form ab. Ich glaube nicht, dass eine zivilisierte Gesellschaft dem Tod zu Diensten sein sollte. Ich glaube nicht, dass es menschlich ist, ein Agent des Engels des Todes zu werden.

Im Namen aller internationalen Mitglieder von „L’chaim! Juden gegen die Todesstrafe“ ist es mir eine große Ehre, einen Gastbeitrag für den „IHfL – Blog: Todesstrafe-Nachrichten“ schreiben zu dürfen

Ein Wort darüber, wer wir sind. Wir, die Mitglieder von „L’chaim! Juden gegen die Todesstrafe“, stehen vereint gegen die Todesstrafe in JEDEM EINZELNEN Fall – sowohl für Unschuldige als auch für Schuldige – ohne Ausnahmen. Wir schließen uns dem Holocaust-Überlebenden und Nobelpreisträger Elie Wiesel (1928-2016) und unzähligen anderen Überlebenden und Kindern von Überlebenden an, die nach dem Holocaust erkannt haben, dass ein Staat, der die Macht hat, seine eigenen wehrlosen Bürger zu ermorden, KEINEN PLATZ in der zivilisierten Welt hat. Dies gilt auch für die Vereinigten Staaten, die das Nazi-Erbe T4, also die „tödliche Injektion“, sowie Gaskammern – darunter eine mit Zyklon B, wie sie in Auschwitz verwendet wurde, Elektroschocks und Erschießungskommandos einsetzen. Die Todesstrafe ist ein rassistischer, menschenrechtswidriger BARBARISMUS, der die Vereinigten Staaten zu einer Schande macht, während wir uns anmaßen, für den Fortschritt der menschlichen Zivilisation einzutreten. Um Elie Wiesel zu zitieren: „Der Tod ist nicht die Antwort“. Professor Wiesel hat auch folgendes gesagt: „Mit jeder Zelle meines Wesens und mit jeder Faser meines Gedächtnisses bin ich gegen die Todesstrafe in jeder Form. Ich glaube nicht, dass eine zivilisierte Gesellschaft in den Dienst des Todes gestellt werden sollte. Ich glaube nicht, dass es menschlich ist, ein Agent des Todesengels zu werden.“ DIES ist unsere Hymne.

Sie können mehr über unsere Ansichten zu diesem Thema in unserem Blog bei der Times of Israel hier lesen: https://blogs.timesofisrael.com/author/michael-zoosman/
Sie können auch Quellen aus der gesamten jüdischen Welt zu diesem Thema auf der Website unserer Partner von Death Penalty Action lesen: http://deathpenaltyaction.org/jewish-action

Sicherlich sind nicht alle in der jüdischen Welt Abolitionisten (Gegner Anm. d. Red.). Viele Menschen sind sich der Hinterlassenschaften der Nazis und der oben beschriebenen Hinrichtungsmethoden nicht bewusst. Unsere Aufgabe ist es, sie zu informieren und die jüdische Welt gegen diesen Horror zu mobilisieren. Wenn wir andere über diese historische Tatsache aufklären, schließen sich viele von ihnen unseren Reihen an. Dennoch bleiben einige standhaft und unterstützen den Tod, indem sie sich auf die antiquierte und rabbinisch redigierte Idee des „Auge um Auge“ berufen, eine Idee, die im Talmud praktisch abgeschafft worden war. (Siehe hierzu die zahlreichen Schriften und Quellen: http://deathpenaltyaction.org/jewish-action) Andere wiederum erwidern mit der Frage: „Aber was hättet ihr mit gefangenen Nazis wie Eichmann … oder Hitler gemacht?!

Unsere Antwort auf diese Frage ist so klar wie der Ruf des Schofars/Ramshorns, den wir bald zu Rosch Haschana/dem jüdischen Neujahr blasen werden: Wir sind gegen die Todesstrafe in ALLEN Fällen. Dies schließt die Mitglieder des Dritten Reiches ein. Wir stehen an der Seite von Martin Buber und den zahllosen jüdischen Führern, die über die Hinrichtung von Adolf Eichmann durch die israelische Regierung entsetzt waren und bis zuletzt dagegen protestierten. (Hier ist einer von vielen Artikeln darüber: https://blog.nli.org.il/en/hoi_eichmann_opposition/) Tatsächlich begannen im Laufe der Zeit immer mehr Überlebende des Holocaust wie Eva Mosez Kor (https://candlesholocaustmuseum.org/our-survivors/eva-kor/her-story/her-story.html) und ihre Nachkommen, sich für Ideen der Wiedergutmachungsjustiz anstelle der Hinrichtung einzusetzen. Ein sehr eindrucksvolles Beispiel dafür ist dieser aufrüttelnde Beitrag des bekannten jüdischen Abolitionisten und Holocaust-Überlebenden der dritten Generation Stephen Cooper mit dem Titel „A Life Without Parole Sentence – not the Death Penalty – for Hitler“ https://www.citywatchla.com/index.php/important-reads/13385-a-life-without-parole-sentence-not-the-death-penalty-for-hitler

In der Tat bin ich selbst ein Beispiel dafür, wie sich die Einstellung zu diesem Thema in den letzten Generationen entwickelt hat. Auch ich gehöre zur dritten Generation der Holocaust-Überlebenden. Als ich aufwuchs, befürwortete ich die Idee, die Menschen zu töten, die meine zahlreichen Familienmitglieder ermordet hatten. Dann wurde ich Kantor und Gefängnisseelsorger und erkannte, dass Menschen, die schreckliche Dinge getan haben, sich ändern können und dies auch tun.

(Meinen eigenen Weg können Sie hier nachlesen: https://docs.google.com/document/d/1IWRihovxhBVMbU0G6WvLnKWLzpWMvWRu-TEvAoCBq8A/edit?usp=sharing)

Ich sah das sprichwörtliche Licht, als ich erkannte, dass ich mich selbst auf dieses Niveau herablassen würde, wenn ich diejenigen tötete, die meine Familienmitglieder ermordet hatten, anstatt dazu beizutragen, uns alle aufzurichten. Ich lernte die Wahrheit des Gedankens kennen, den Mahatma Gandhi, seligen Angedenkens, am kraftvollsten ausdrückte, als er sagte: „Auge um Auge macht die ganze Welt blind.“

Als ich begann mich mehr in der Welt der Abolitionisten zu engagieren und so begegnete ich vielen anderen jüdischen Todesstrafengegnern…

…wie Abe Bonowitz, Direktor von Death Penalty Action (http://deathpenaltyaction.org/),
…wie die Israelin Karine Omry vom Death Row Soul Collective (https://www.deathrowsoulcollective.com/ ),
…wie Elyse Max, Geschäftsführerin von Missourians for Alternatives to the Death Penalty (https://www.madpmo.org/)
… wie Rabbi Shmuly Yanklowitz und Eddie Chavez Calderon von der inspirierenden orthodoxen Organisation für soziale Gerechtigkeit Uri L’Tzedek (https://utzedek.org) und Arizona Jews for Justice, http://www.arizonajewsforjustice.org/
… wie die Filmregisseurin Sabrina van Tassel, die den lebensrettenden Dokumentarfilm „The State of Texas vs. Melissa“ gedreht hat
(mehr über diese Initiative erfahren Sie hier: https://blogs.timesofisrael.com/pikuach-nefesh-jewish-abolitionists-help-save-the-life-of-melissa-lucio/)

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Und tatsächlich sprechen sich immer mehr Dachverbände jüdischer Institutionen aus der gesamten jüdischen Welt gegen die Todesstrafe aus.

Was uns bei „L’chaim!“ betrifft, so werden wir niemals zurückblicken. Unsere Reihen wachsen TÄGLICH weiter, da wir immer mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung von wunderbaren jüdischen Organisationen wie T’ruah erhalten haben: The Rabbinic Call for Human Rights, (https://truah.org/resources/parshat-shoftim-michael-zoosman-moraltorah/), die unser Kol Nidrei, das vollendete Gebet mit der Bitte um Vergebung für die nationale Sünde der Todesstrafe, unterstützt haben. In den letzten beiden Jahren haben wir diesen feierlichen Akt vor dem Obersten Gerichtshof der USA als Teil des jährlichen Fastens und der Mahnwache zur Abschaffung der Todesstrafe durchgeführt. (https://momentmag.com/death-penalty-kol-nidre/)

Und dennoch: der Kampf geht weiter. Wir wurden öffentlich von antisemitischen, die Todesstrafe befürwortenden Gruppen in unserem Land angegriffen und mussten solche Gruppen bei der Anti-Defamation League und dem FBI anzeigen. NIE WIEDER werden wir solchen Kräften erlauben, uns zum Schweigen zu bringen!

Und das ist noch nicht alles. Während ich diese Zeilen schreibe, sehen wir uns mit der Aussicht auf neue amerikanische Gaskammern konfrontiert, in denen Menschen in unserem Land getötet werden (siehe hier: https://actionnetwork.org/petitions/say-no-to-the-gas-chamber). Man sollte meinen, dass dies den Amerikanern ein Gräuel wäre, denn sie müssten erkennen, dass dies im Gefolge der Ereignisse des 20 Jahrhunderts steht. Und doch sind hier einige Kommentare, die wir in den sozialen Medien erhalten haben, als wir die Menschen erst letzte Woche auf diese Entwicklung aufmerksam gemacht haben:

Übersetzung der Kommentare:
Ja, das klingt einfach zu einfach für sie! / Bitte stimmt dafür, dass das überall gemacht wird / Ja!!! Und bringt es ins Fernsehen / Es sollte in jedem Bundesland eins geben / Das ist perfekt, preiswert und sicher für alle, nehmt die Verurteilten an / Nutzt es mehr / Schön, dass es klappt / Zwei Stimmen für Ja! / Ich liebe das, wir brauchen eins in jedem Staat / Nein, das ist ein gutes System / Es würde den Klimawandel aufhalten / Tut es! / Freon würde besser funktionieren / Wenigstens wären sie glücklich, wenn sie gehen / !!!!! / Was auch immer funktioniert / Früher war ich gegen die Todesstrafe, bis ich einen Monat im Gefängnis saß und nicht wusste, ob ich jemals wieder rauskommen würde. Als ich entlassen wurde, beschloss ich, lieber zu sterben als / Zeit dafür / sage „Ja“

DAS ist es, was passiert, wenn wir die Tür öffnen und Malakh HaMavet – den Engel des Todes – einladen. Das Ergebnis ist, dass alle Wetten bald nicht mehr gültig sind, wenn es um das Versprechen des grundlegenden menschlichen Anstands geht. Die Welt hat dies auf die harte Tour von den Nazis gelernt. Wir KÖNNEN nicht zulassen, dass dies unter unserer Aufsicht geschieht.

Der staatlich geförderte Mord muss BEENDET werden.
Elie Wiesel wusste es.
Martin Buber wusste es.
Der PAPST weiß es. (https://deathpenaltyinfo.org/stories/news-brief-pope-francis-calls-for-prayer-to-abolish-the-death-penalty)
Die Mitglieder von L’chaim wissen es.
wie steht es mit IHNEN?

Wenn ja, dann schließen Sie sich bitte unserer Sache und unserem lauten Ruf an, wenn wir lauthals rufen…

„L’chaim – Auf das Leben!“

Kantor Michael Zoosman, MSM,
Zertifizierter Seelsorger, Neshama: Vereinigung jüdischer Seelsorger
Begründer: „L’chaim: Juden gegen die Todesstrafe“ https://www.facebook.com/groups/996205437512710/ (wir heißen ALLE Verbündeten willkommen)
Beiratsmitglied, Death Penalty Action
http://deathpenaltyaction.org/jewish-action




Wir, die IHfL, möchten uns bei Kantor Michael Zoosman herzlich für seinen informativen und wichtigen Beitrag, sowie seinen mutigen Einsatz gegen die Todesstrafe bedanken!
IHfL
Peter K.


Die Unterstützung der von uns betreuten Gefangenen, sowie unsere Arbeit gegen die Todesstrafe ist auf ehrenamtlicher Basis. Darum erbitten wir für unsere Arbeit Spenden.
Wer helfen möchte, klickt bitte einfach auf das folgend Bild:

Hier die direkte URL: https://ihfl.de/st-konto.htm

Über www.lancelot-armstrong.de

Nachrichtenblog der Initiative Hoffnung fürs Leben (IHfL) * www.ihfl.de * www.todesstrafe-info.de * www.lancelot-armstrong.de
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