Alabama will geistig Behinderten hinrichten

Update 08.01.2022

Die für den 7. Januar vorgesehene Hinrichtung von Matthew Reeves wurde ausgesetzt.

Ein US-Bundesbezirksgericht ordnete an, dass der US-Bundesstaat Alabama ihn nicht mittels tödlicher Injektion am 27.01.2022 exekutieren darf. In der Begründung entschied das Gericht, dass Reeves eine zu starke geistige Behinderung habe um das Formular zu verstehen, das ihm ausgehändigt wurde. In diesem Formular sollte er sich zwischen zwei Hinrichtungsmethoden entscheiden (siehe weiter unten).

PDF des Urteils:
https://documents.deathpenaltyinfo.org/Reeves-v-Dunn-AL-MD-ADA-Lethal-Injection-Injunction-22-01-07.pdf

Derzeit ist nicht bekannt, ob der Bundesstaat gegen diese Entscheidung Berufung einlegen wird. Insofern ist nicht sicher, ob dieser Hinrichtungsstopp halten wird.

Unser ursprünglicher Artikel:

Matthew Reeves soll am 27.01.2022 im US-Bundesstaat Alabama hingerichtet werden. Er war an einem Überfall auf Willie Johnson im November 1996 beteiligt und soll ihn erschossen haben.

Reeves war zum Zeitpunkt des ihm vorgeworfenen Verbrechens 18 Jahre alt. Alle an dem Überfall Beteiligten sagten gegen ihn aus und erhielten lebenslängliche Haftstrafen. Er allein wurde zum Tode verurteilt.

IQ von 60
Reeves Anwälte argumentieren, ihr Mandat habe einen IQ von 60 und sein früherer Prozessanwalt hätte zu wenig getan, um dem Gericht die geistige Behinderung Reeves zu beweisen, denn dann wäre ihm die Todesstrafe evtl. erspart geblieben.

Tödliche Injektion oder Ersticken
Eine Besonderheit in Alabama führt dazu, dass gerade Menschen mit einem niedrigen IQ jetzt exekutiert werden. Im Juni 2018 stellte Alabama die Verurteilten im Todestrakt vor die Wahl, sich entweder mittels einer tödlichen Injektion hinrichten zu lassen oder durch Stickstoffhypoxie (dem Verurteilten wird der Sauerstoff entzogen, indem dieser durch Stickstoff ersetzt wird). Für diese „Entscheidung“ wurden den Gefangenen 30 Tage Zeit gelassen. Aus „taktischen“ Gründen war es von Vorteil, sich für die letztgenannte Methode zu „entscheiden“, da die dafür nötigen Ausführungsprotokolle nicht fertiggestellt waren und es auch heute noch nicht sind und dadurch derzeit niemand dort hingerichtet werden kann, der sich für die Stickstoffhypoxie „entschieden“ hat. Jedoch versteht ein geistig behinderter Mensch einen solchen Zusammenhang eher nicht und entscheidet sich falsch oder gar nicht.

So ähnlich erging es auch Willie B. Smith III, der im Oktober in Alabama exekutiert wurde.
Wir schrieben damals: „Im Jahr 2018 wurde in Alabama ein Gesetz verabschiedet, welches die Exekution durch Stickstoffhypoxie erlaubt. Jedoch füllte Willie Smith das Formular, in dem er sich die Hinrichtungsmethode „aussuchen“ konnte nicht aus, da er offensichtlich geistig nicht in der Lage war, den Sinn des Formulars zu verstehen. Da derzeit keine Hinrichtungen in der Gaskammer in Alabama stattfinden, wäre er nicht mit der Giftspritze hingerichtet worden, wenn er die Gaskammer „gewählt“ hätte.“

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Was für eine zynische Justiz! – „Welche Exekution hätten sie denn gerne? – Ist Ihnen eine Vergiftung angenehm oder möchten sie doch lieber den Erstickungstod erleiden?“
Verbrechen im Namen der Justiz, begangen in den USA, dem Land der anscheinend unbegrenzten Grausamkeiten…

IHfL
Peter K.

Quellen:
https://apnews.com/article/health-alabama-executions-state-courts-477d4bac31cccb8afb2dc1a9511dad12
https://www.wsfa.com/2021/11/19/january-execution-date-alabama-man-convicted-slaying/
https://lancelotarmstrong.wordpress.com/2021/10/23/willie-smith-30-jahre-nach-der-tat-hingerichtet/

Die Unterstützung der von uns betreuten Gefangenen, sowie unsere Arbeit gegen die Todesstrafe ist auf ehrenamtlicher Basis. Darum erbitten wir für unsere Arbeit Spenden.
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