Willie Smith 30 Jahre nach der Tat hingerichtet

Willie Smith

Der US-Bundesstaat Alabama hat Willie Smith, rund 30 Jahre nach dem ihm vorgeworfenen Verbrechen, hingerichtet. Obwohl das Gesetz die Exekution von geistig Behinderten eigentlich verbietet. Smith hat Sharma Ruth Johnson beraubt, und erschossen. Willie Smith hat die Tat gestanden.

Laut seinen Anwälten hatte Willie einen IQ von 64-72.
Im Jahr 2018 wurde in Alabama ein Gesetz verabschiedet, welches die Exekution Stickstoffhypoxie erlaubt. Jedoch füllte Willie Smith das Formular, in dem er sich die Hinrichtungsmethode „aussuchen“ konnte nicht aus, da er offensichtlich geistig nicht in der Lage war, den Sinn des Formulars zu verstehen. Da derzeit keine Hinrichtungen in der Gaskammer in Alabama stattfinden, wäre er nicht mit der Giftspritze hingerichtet worden, wenn er die Gaskammer „gewählt“ hätte.

In einem zynischen Kommentar sagte der Generalstaatsanwalt Steve Mershall: „Die Familie von Sharma Johnson musste 29 Jahre, 11 Monate und 25 Tage warten, bis die Verurteilung von Sharmas Mörder vollstreckt wurde… Endlich ist die grausame und ungewöhnliche Bestrafung, die ihnen auferlegt wurde – eine jahrzehntelange Verweigerung von Gerechtigkeit – zu Ende.“ – Als wenn die Exektion von Willie Smith der Familie die Verstorbene zurückgebracht hätte. Wir bezweifeln, dass die Hinrichtung, eines zumal geistig Behinderten Mannes, nach so langer Zeit, der Familie wirklich Erleichterung bringt. Rache schmeckt meist sehr bitter. Aber wir wissen, dass mit der Exekution von Willie Smith vielen Menschen schlimmes Leid angetan wurde. Nach 30 Jahren des Bangens und Hoffens, hat seine Familie und seine Freunde erleben müssen, wie der Staat mittels seiner martialischen Justiz, ihnen diesen geliebten Menschen genommen hat. Für viele ein schlimmes Trauma. Und sicher eine grausame Bestrafung für all diese unschuldigen Menschen.

Ebenso zynisch, zumindest den Angehörigen und Freunden von Willie Smith gegenüber, äußerte sich der Gouverneur Kay Ivey in einer Erklärung nach der Hinrichtung: „Die Beweise in diesem Fall waren überwältigend, und der Gerechtigkeit wurde zu Recht gedient . Ich bete, dass die Lieben von Frau Johnson dem Frieden näher sein können.“ – Vermutlich betet dieser Gouverneur zu seinem Herrn, der in den 10 Geboten schreibt: „Du sollst nicht töten!“ – Aber dies muss er mit seinem Gott ausmachen…

Die letzten ca. 30 Jahre verbrachte Willie Smith im Todestrakt. Dort veränderte er sich zusehends und wurde zu einem wunderbaren Menschen. Dies berichteten mehrere Freunde und Freundinnen von ihm, während der über fünfstündigen Onlinemahnwache von Death Penalty Action (https://fb.watch/8NY7ALM0E-/), an der auch die deutsche IHfL teilnahm. Dabei bestand eine direkte Verbindung zu Menschen, die vor Ort gegen die Hinrichtung protestierten. Während dieser Mahnwache kam zunächst Hoffnung auf, als ein Gericht einen temporären Aufschub verkündete. Dieser wurde jedoch später wieder aufgehoben und die Hinrichtung vollzogen. Alle Teilnehmer der Mahnwache legten eine Schweigeminute ein. Begleitet wurde die Mahnwache auch von Musik von Peter K., einem Mitbegründer der IHfL. Gegen Ende waren sich alle Teilnehmer der Onlinemahnwache einige, dass der Kampf gegen die Todesstrafe weitergehen muss. Death Penalty Action hatte 61,557 Unterschriften gegen die Hinrichtung von Willie Smith gesammelt.

In einem Gastbeitrag schrieb seine Brieffreundin Sabine, als Willie Smith einen Hinrichtungstermin am 21.02.2021 hatte, der jedoch aufgehoben wurde:

2007 habe ich Willie Smith das erste Mal geschrieben. Er suchte damals über die ‚Initiative gegen die Todesstrafe‘ eine Brieffreundschaft. Ich schrieb zu diesem Zeitpunkt bereits mit Anthony aus Texas, konnte mir eine weitere Freundschaft zu jemandem im Todestrakt vorstellen. Es wurde ein intensiver Austausch. Willie leugnete nie seine Schuld an dem Raubmord, dessen er angeklagt wurde. Er bereute zutiefst, empfand jedoch auch, dass er inzwischen ein anderer Mensch geworden war. Er kam im Gefängnis zum Glauben, wurde Christ, empfand das Todesurteil als Weigerung der Justiz, diese Veränderung wahrzunehmen und anzuerkennen. Immer wieder schrieb er, Gott werde seine Hinrichtung nicht zulassen. Ja, er rechnete sogar damit, noch einmal frei zu kommen. Vorsichtig versuchte ich ihm zu vermitteln, dass es auch möglich wäre, dass Gott eine Hinrichtung zulassen würde. Unsere Korrespondenz beschäftigte sich immer wieder mit der Frage, inwieweit Gott seine Kinder vor Leid bewahrt oder auch nicht. Willie wollte unbedingt an ein Happy End glauben.
Während der Jahre unserer Brieffreundschaft gab es zwei Frauen in Willies Leben: Dunja, eine Deutsche, die ihn für eine gewisse Zeit einmal im Monat besuchte. Schließlich endete diese Liebe. Eine amerikanische Frau kam in Willies Leben, heiratete ihn, lebte aber mit einem anderen Mann zusammen. Das verletzte Willie, der sich so sehr eine ’normale‘ Ehe wünschte. Es war immer wieder der Wunsch, dass alles gut werden sollte, der in Willies Briefen deutlich wurde. Ich versuchte immer wieder ihn in die Realität zurückzuholen. Er bezeichnete mich als ‚seine kleine Schwester‘. Im Sommer 2014 hatten mein Mann und ich die Möglichkeit Willie im Todestrakt von Alabama zu besuchen. Das Personal war unfreundlich, aber wir durften uns umarmen. Wir saßen an einem Tisch im Besucherraum, umstellt von Wärtern mit Maschinengewehren. Ein paar andere Gefangene saßen mit ihrem Besuch ebenfalls in diesem Raum. Es war besonders, Willie persönlich gegenüber zu sitzen. Ich erinnere mich, dass Willie uns beim Abschied bat, ihm Fotos von Essen zu schicken.
Seit etwa einem Jahr hat Willie nun nicht mehr geschrieben. Vielleicht waren ihm meine Versuche, ihn damit zu konfrontieren, dass Gott auch für Christen (leider) nicht das Leid aus der Welt räumt und nicht alles nach Wunsch löst, zu anstrengend. Trotzdem habe ich beinahe täglich an Willie gedacht und es war ein Schock, im Internet zu sehen, dass Willie einen Hinrichtungstermin hat. Noch einmal habe ich einen Brief losgeschickt und würde mir sehr wünschen, dass er antwortet.
Obwohl ich so lange nichts von Willie gehört habe, und der Termin auch nicht überraschend kommt, trifft mich das Ganze tief. Willie bedeutet mir noch immer sehr viel. Die Vorstellung, dass er umgebracht werden soll, ich dies weiß, aber nichts tun kann, löst bei mir ein Gefühlschaos aus.
Sabine

Die Art und Weise wie immer wieder in den USA sogar geltendes Recht umgangen wird, um Menschen hinrichten zu können, muss für alle Gegner dieser grausamen und Sinnlosen Strafe Antrieb sein, weiter dafür zu kämpfen, dass die Todesstrafe endgültig abgeschafft wird.

IHfL
Peter K.

Quellen:
https://edition.cnn.com/2021/10/22/us/alabama-death-row-inmate-willie-smith-executed/index.html
https://fb.watch/8NY7ALM0E-/
https://lancelotarmstrong.wordpress.com/2020/12/28/alabama-willie-smiths-geplante-hinrichtung/

Die Unterstützung der von uns betreuten Gefangenen, sowie unsere Arbeit gegen die Todesstrafe ist auf ehrenamtlicher Basis. Darum erbitten wir für unsere Arbeit Spenden. Unterstützt unseren Kampf gegen die Todesstrafe und unsere Betreuung von Lancelot Armstrong, der über 30 Jahre von der Todesstrafe bedroht wurde, sowie weitere Gefangene in anderen Todestrakten der USA.
Wer helfen möchte, klickt bitte einfach auf das folgende Bild:

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