Nach 45 Jahren Todesurteil aufgehoben

Raymond Riles

Raymond Riles ist der am längsten in der Todeszelle Inhaftierte der USA. Nach 45 Jahren Todestrakt hat nun das Berufungsgericht von Texas sein Todesurteil aufgehoben. Riles (70) wurde wegen Mordes an John Thomas Henry 1974 verurteilt.

In der Vergangenheit wurden mehrere Hinrichtungstermine festgesetzt, doch Riles wurde immer wieder als zu geistig inkompetent eingestuft, um exekutiert zu werden. Er setzte sich sogar einmal selbst in Brand und wurde dann monatelang in einem Krankenhaus behandelt.

Jetzt stellte das Berufungsgericht fest, dass Riles Anspruch auf eine neue Anhörung hat. Das Gericht entschied, dass er verfassungswidrig zum Tode verurteilt worden war, weil das damalige Gericht die Geschworenen nicht anwies Beweise bezüglich Riles‘ Hintergrund, seiner Erziehung und psychischen Gesundheit zu berücksichtigen. Damals legte seine Verteidigung Beweise vor, die ihm eine schwere geistige Krankheit attestierten. Psychologen und Psychiater kamen zu dem Ergebnis, dass Riles psychotisch sei und an Schizophrenie leide. Auch Verwandte bezeugten, dass er seltsames und gewalttätiges Verhalten zeigte.

Seine Anwälte, Thea Posel und Jim Marcus, sagten, sie seien „sehr zufrieden“ mit der Entscheidung des Gerichts. Dabei bezeichneten sie Riles‘ Todesurteil als „ein verfassungswidriges Relikt eines seit langem ungültigen Verurteilungssystems“. Weiter sagten sie: „Weil er zu psychisch krank ist, um hingerichtet zu werden, hat Herr Riles Jahrzehnte – darunter mehrere in Einzelhaft – in einer rechtlichen Schwebe zwischen Leben und Tod verbracht… Die heutige Entscheidung wird hoffentlich eine Lösung des Falls erleichtern.“

Hintergrund:
In einem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA (Ford gegen Wainwright) kann eine schwere psychische Erkrankung, aufgrund derer die geistige Kompetenz einer Person beeinträchtigt ist, die Exekution eines Verurteilten blockieren. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf sein Todesurteil, das weiter bestehen bleibt. Aus diesem Grund verleiben solche Gefangene oft jahrzehntelang in der Todeszelle.

Unrechtssystem von der schlimmsten Sorte.
Einen psychisch schwer kranken Menschen, der an einer Psychose leidet, ja Schizophren ist, einen solchen Menschen 45 Jahre in der Hölle von Texas (wie viele Gefangene den Todestrakt nennen) einzusperren, immer wieder von Hinrichtungsterminen bedroht, die dann abgesagt werden… Exakt das ist Folter – schrecklichste Folter gegen einen kranken Mann, der in anderen Staaten vielleicht freigesprochen worden wäre, weil er Unzurechnungsfähig war, bei der Tat die er begangen hat.
Anstatt diesem Menschen eine adäquate medizinische Behandlung zu ermöglichen, misshandelten sie ihn 45 Jahre lang…

IHfL
Peter K.

Quellen:
https://www.texastribune.org/2021/04/14/raymond-riles-texas-death-penalty/
https://deathpenaltyinfo.org/news/texas-appeals-court-overturns-death-sentence-of-nations-longest-serving-death-row-prisoner

Die Unterstützung der von uns betreuten Gefangenen, sowie unsere Arbeit gegen die Todesstrafe ist auf ehrenamtlicher Basis. Darum erbitten wir für unsere Arbeit Spenden. Unterstützt unseren Kampf gegen die Todesstrafe und unsere Betreuung von Lancelot Armstrong, der seit 1991 im Todestrakt von Florida einsitzt, sowie weitere Gefangene in anderen Todestrakten. Wer helfen möchte, klickt bitte einfach auf das folgende Bild:

Hier die direkte URL: https://www.ihfl.de/st-konto.htm

Über www.lancelot-armstrong.de

Nachrichtenblog der Initiative 'Hilfe für Lancelot (IHfL) www.lancelot-armstrong.de
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.