Statement der Anwältin der hingerichteten Lisa Montgomery

Die Anwältin von Lisa Montgomery hat sich mit einer erschütternden Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt. Sie zeichnet ein Bild einer sich im Blutrausch befindenden Administration. Wir dokumentieren den kompletten Wortlaut ihrer Stellungnahme.

Im Folgenden die Erklärung von Lisa Montgomerys Anwältin, die sie letzte Nacht veröffentlicht hat:

„Der feige Blutrausch einer gescheiterten Verwaltung war heute Abend in vollem Umfang zu sehen. Jeder, der an der Hinrichtung von Lisa Montgomery teilnahm, sollte sich schämen. Niemand bestreitet, dass Mrs. Montgomery das Opfer von unsäglicher Folter und Sexhandel war. Niemand kann glaubhaft bestreiten, dass Mrs. Montgomery seit langem an einer schwächenden Geisteskrankheit leidet – diagnostiziert und erstmals behandelt von den eigenen Ärzten des Bureau of Prisons. Unsere Verfassung verbietet die Hinrichtung einer Person, die nicht in der Lage ist, ihre Hinrichtung rational zu verstehen. Die derzeitige Verwaltung weiß das. Und sie haben sie trotzdem getötet. Sie verletzte dabei die Verfassung, Bundesgesetze, ihre eigenen Vorschriften und langjährige Normen.

Die Regierung machte in ihrem Eifer, diese geschädigte und unter Wahnvorstellungen leidende Frau zu töten, vor nichts Halt. Nachdem wir, ihre Anwälte, uns auf unseren Reisen, um sie, nachdem ihre Hinrichtung geplant wurde, zu besuchen, mit COVID-19 angesteckt hatten, kämpfte die Regierung mit Zähnen und Klauen gegen jede Verzögerung, die uns erlauben würde uns zu erholen, damit wir sie effektiv vertreten konnten. Dann verletzten sie das Gesetz auf mehrfache Weise, indem sie ihre Hinrichtung für die letzten Tage der Trump-Administration neu ansetzten. Während die Gerichte sich einig waren, dass Lisas Fall wichtige rechtliche Fragen aufwarf, die ernsthaft geprüft werden sollten – einschließlich der Frage, ob sie für eine Hinrichtung geeignet war – hämmerte die Regierung mit Berufungen weiter.

Indem sie auf einer Hinrichtung während einer Pandemie bestand, demonstrierte diese Administration ihre rücksichtslose Missachtung des menschlichen Lebens unschuldiger Bürger. Exekutionen sind Superspreader-Events. Die Regierung weiß das. Dennoch setzen sie das Leben jeder einzelnen Person, die an diesen „Ereignissen“ teilnehmen muss, sowie das von Freunden, Familien, Nachbarn, Mitarbeitern und wer weiß wie vielen anderen Menschen dieser Personen aufs Spiel. Weil diese Administration so viel Angst hatte, dass die nächste das Leben über den Tod stellen könnte, haben sie das Leben und die Gesundheit der US-Bürger in große Gefahr gebracht. Inmitten all dieser Rechtsstreitigkeiten blieb Lisas Gnadengesuch vor Präsident Trump bestehen. Es wurde von Tausenden von Organisationen und Einzelpersonen unterstützt – von Glaubensführern, Anti-Gewalt-Befürwortern, konservativen Führern, internationalen Organisationen und vielen mehr. Aber der Präsident tat nichts. Er hatte nicht einmal den Anstand, Lisas Gnadengesuch formell abzulehnen – oder auch nur zur Kenntnis zu nehmen -, obwohl es schwer vorstellbar ist, dass es einen Fall gibt, der ein Eingreifen der Exekutive mehr verdient hätte als dieser.

Die Hinrichtung von Lisa Montgomery war weit entfernt von Gerechtigkeit. Sie hätte von vornherein nicht zum Tode verurteilt werden dürfen, da keine andere Frau für ein ähnliches Verbrechen hingerichtet worden ist. Und Lisa war viel mehr als das tragische Verbrechen, das sie begangen hat, ein Verbrechen, für das sie tiefe Reue empfand, bevor sie in den Tagen vor ihrer Hinrichtung jeden Bezug zur Realität verlor. Lisa war auch viel mehr als die Schrecken, die ihr zugefügt wurden, die sexuelle Gewalt und der Missbrauch, den sie durch die Hände derer erlitt, die sie eigentlich lieben, pflegen und beschützen sollten.

Lisa war eine liebevolle Mutter, Großmutter und Schwester, die ihre Familie anbetete. Sie war eine gläubige Christin, die Weihnachten liebte und wunderschöne Engel für diejenigen schuf, die das Glück hatten, ihre Geschenke zu bekommen. Lisa war oft im Gefängnis ihres Verstandes gefangen und verlor für einige Zeit den Bezug zur Realität. Aber wenn sie nicht von der Psychose gepackt wurde, war sie eine sanfte und fürsorgliche Person, die zu kennen und zu vertreten mir eine Ehre war.

Lisa Nouri, Amy Harwell und ich vertraten Mrs. Montgomery acht Jahre lang. Wir liebten sie sehr und sie liebte uns. Sie ehrte uns mit ihrer Wahrheit und vertraute uns, sie auf eine Weise zu teilen, die nicht nur ihre Geschichte erzählte, sondern die auch anderen Frauen helfen konnte.

Auch wenn Präsident Trump nicht der Held sein konnte, um den wir ihn gebeten haben, sind wir hier, um jeder Frau und jedem Mädchen zu sagen, die Opfer von Gewalt und Erniedrigung geworden sind: Du bist wichtig. Dein Schmerz zählt. Du bist mehr als ein Opfer. Du hast überlebt. Lass dich von niemandem demütigen oder beschämen. Sie verdienen es, geliebt zu werden.

In der vergangenen Woche haben wir gesehen, wie weit Präsident Trump und seine Regierung in ihrer Verachtung für Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit gehen werden. Diese gescheiterte Regierung reiht sich in die lange Liste von Menschen und Institutionen ein, die Lisa im Stich gelassen haben.

Wir sollten die Hinrichtung von Lisa Montgomery als das erkennen, was sie war: die bösartige, unrechtmäßige und unnötige Ausübung autoritärer Macht. Wir dürfen nicht zulassen, dass dies noch einmal geschieht.

-Kelley Henry, Anwalt von Lisa Montgomery
-Januar 13, 2021

Übersetzung: Peter K.
Weiter unten geben wir den Originaltext in Englischer Sprache wieder…

Bösartige, unrechtmäßige und unnötige Ausübung autoritärer Macht.
Genau das ist es, wenn ein System die Todesstrafe ausführt. Wobei sich hinter dem Wort „System“ real existierende Menschen verstecken. Jeder trägt mit seinem Handeln dazu bei das System der Todesstrafe am laufen zu halten. Legaler, blutrünstiger Mord, dem meist Jahrzehnte der Folter vorausgehen. Im Bewusstsein getötet zu werden müssen die Opfer dieser archaischen Justiz und Politik Jahrzehnte in kleinen Einzelzellen ausharren. Erkranken zunehmend durch die mangelnde Bewegung, Kommunikation und extrem schlechte Ernährung und dies bei minimalster medizinischer Versorgung. Ihre einzige Aufgabe ist, sich für den Tag ihrer Ermordung bereit zu halten und sich unterzuordnen… Wir können für dieses unmenschliche System der Todesstrafe in den USA nur ein Wort finden: Sadismus! – Das ganze Prozedere dient der Befriedigung niederster Bedürfnisse und der Ausübung von Macht.
Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass selbst die angekündigte Einstellung der Hinrichtungen durch den neuen Präsidenten am 20. Januar nur die Hinrichtungen durch die Bundesjustiz betreffen wird.
Und so macht sich bereits der US-Bundesstaat Texas bereits am 21. Januar bereit Blaine Milam hinzurichten.

Der Kampf geht weiter – gegen Unterdrückung und Todesstrafe!

IHfL
Peter K.

Originaltext der Erklärung von Lisa Montgomerys Anwältin:

„The craven bloodlust of a failed administration was on full display tonight. Everyone who participated in the execution of Lisa Montgomery should feel shame. No one disagrees that Mrs. Montgomery was the victim of unspeakable torture and sex trafficking. No one can credibly dispute Mrs. Montgomery’s longstanding debilitating mental disease – diagnosed and treated for the first time by the Bureau of Prisons‘ own doctors. Our Constitution forbids the execution of a person who is unable to rationally understand her execution. The current administration knows this. And they killed her anyway. Violating the Constitution, federal law, its own regulations, and longstanding norms along the way.

The government stopped at nothing in its zeal to kill this damaged and delusional woman. After we, her attorneys, contracted COVID-19 during our travels to visit her after her execution was scheduled, the government fought tooth and nail against any delay to allow us to recover so we could represent her effectively. Then they violated the law in multiple ways in rescheduling her execution for the final days of the Trump Administration. As courts agreed Lisa’s case presented important legal issues warranting serious consideration – including whether she was competent to execute – the government hammered onward with appeals.

By insisting on an execution during a pandemic, this administration demonstrated its reckless disregard for human life of innocent citizens. Executions are super-spreader events. The government knows this. Yet, they put the lives of every single person who must participate in these “events” as well as every one of those persons‘ friends, families, neighbors, co-workers, and who knows how many other people. Because this administration was so afraid that the next one might choose Life over Death, they put the lives and health of US citizens in grave danger. In the midst of all this litigation, Lisa’s request for clemency remained before President Trump. It was supported by thousands of organizations and individuals – faith leaders, anti-violence advocates, conservative leaders, international organizations, and many more. But the President did nothing. He had not even the decency to formally deny – or even acknowledge – Lisa’s clemency application, though it is hard to imagine a case more deserving of executive intervention than this one.

Lisa Montgomery’s execution was far from justice. She should never have faced a death sentence in the first place, as no other woman has faced execution for a similar crime. And Lisa was much more than the tragic crime she committed, a crime for which she felt deep remorse before she lost all touch with reality in the days before her execution. Lisa was also much more than the horrors inflicted upon her, the sexual violence and abuse she endured at the hands of those who were supposed to love, nurture, and protect her.

Lisa was a loving mother, grandmother, and sister who adored her family. She was a devout Christian who loved Christmas and created beautiful angels for those lucky enough to receive her gifts. Lisa often became trapped in the prison of her mind, losing touch with reality for periods of time. But when not gripped by psychosis, she was a gentle and caring person whom I was honored to know and to represent.

Lisa Nouri, Amy Harwell and I represented Mrs. Montgomery for eight years. We loved her very much and she loved us. She honored us with her truth and trusted us to share it in a way that not only told her story, but that could help other women.

Even though President Trump could not be the hero we asked him to be, we are here to say to every woman and girl who has been the victim of violence and degradation: You matter. Your pain matters. You are more than a victim. You are a survivor. Do not let anyone humiliate or shame you. You deserve to be loved.

In the past week, we have seen just how far President Trump and his administration will go in their disdain for justice and the rule of law. This failed government adds itself to the long list of people and institutions who failed Lisa.

We should recognize Lisa Montgomery’s execution for what it was: the vicious, unlawful, and unnecessary exercise of authoritarian power. We cannot let this happen again.

-Kelley Henry, attorney for Lisa Montgomery
-January 13, 2021″

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