Alabama: Willie Smiths geplante Hinrichtung

Udate 11.02.2021:
Willie Smith wurde ein Hinrichtungsaufenthalt bis zum Dienstag, den 16.02.2021 durch das Bundegericht gewährt um seine anhängigen Anträge zu prüfen.
Es ist davon auszugehen, dass der Bundesstaat Alabama versuchen wird gegen diese Entscheidung vorzugehen.

Quelle:
https://www.cbsnews.com/news/willie-b-smith-alabama-trying-first-state-execution-federal-court-blocking/

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Willie Smith

Ursprünglicher Artikel:

Der US-Bundesstaat Alabama beabsichtigt am 11. Februar 2021 den wegen Mordes vor fast 30 Jahren verurteilten Willie Smith (51) hinzurichten. Im hier veröffentlichten Gastbeitrag äußert sich eine Brieffreundin über Willie und was der Exekutionstermin für sie bedeutet.

Im Jahr 1992 wurde Willie Smith wegen Mordes an Sharma Ruth Johnson (22) verurteilt. Gemeinsam mit zwei anderen Männern haben sie die Bankkarte ihres Opfers gestohlen und Geld an einem Geldautomaten abgehoben. Smith leugnet nicht, die Tat begangen zu haben.

Im Folgenden ein Gastbeitrag seiner Brieffreundin Sabine (der vollständige Name ist der Redaktion bekannt):

2007 habe ich Willie Smith das erste Mal geschrieben. Er suchte damals über die ‚Initiative gegen die Todesstrafe‘ eine Brieffreundschaft. Ich schrieb zu diesem Zeitpunkt bereits mit Anthony aus Texas, konnte mir eine weitere Freundschaft zu jemandem im Todestrakt vorstellen. Es wurde ein intensiver Austausch. Willie leugnete nie seine Schuld an dem Raubmord, dessen er angeklagt wurde. Er bereute zutiefst, empfand jedoch auch, dass er inzwischen ein anderer Mensch geworden war. Er kam im Gefängnis zum Glauben, wurde Christ, empfand das Todesurteil als Weigerung der Justiz, diese Veränderung wahrzunehmen und anzuerkennen. Immer wieder schrieb er, Gott werde seine Hinrichtung nicht zulassen. Ja, er rechnete sogar damit, noch einmal frei zu kommen. Vorsichtig versuchte ich ihm zu vermitteln, dass es auch möglich wäre, dass Gott eine Hinrichtung zulassen würde. Unsere Korrespondenz beschäftigte sich immer wieder mit der Frage, inwieweit Gott seine Kinder vor Leid bewahrt oder auch nicht. Willie wollte unbedingt an ein Happy End glauben.
Während der Jahre unserer Brieffreundschaft gab es zwei Frauen in Willies Leben: Dunja, eine Deutsche, die ihn für eine gewisse Zeit einmal im Monat besuchte. Schließlich endete diese Liebe. Eine amerikanische Frau kam in Willies Leben, heiratete ihn, lebte aber mit einem anderen Mann zusammen. Das verletzte Willie, der sich so sehr eine ’normale‘ Ehe wünschte. Es war immer wieder der Wunsch, dass alles gut werden sollte, der in Willies Briefen deutlich wurde. Ich versuchte immer wieder ihn in die Realität zurückzuholen. Er bezeichnete mich als ‚seine kleine Schwester‘. Im Sommer 2014 hatten mein Mann und ich die Möglichkeit Willie im Todestrakt von Alabama zu besuchen. Das Personal war unfreundlich, aber wir durften uns umarmen. Wir saßen an einem Tisch im Besucherraum, umstellt von Wärtern mit Maschinengewehren. Ein paar andere Gefangene saßen mit ihrem Besuch ebenfalls in diesem Raum. Es war besonders, Willie persönlich gegenüber zu sitzen. Ich erinnere mich, dass Willie uns beim Abschied bat, ihm Fotos von Essen zu schicken.
Seit etwa einem Jahr hat Willie nun nicht mehr geschrieben. Vielleicht waren ihm meine Versuche, ihn damit zu konfrontieren, dass Gott auch für Christen (leider) nicht das Leid aus der Welt räumt und nicht alles nach Wunsch löst, zu anstrengend. Trotzdem habe ich beinahe täglich an Willie gedacht und es war ein Schock, im Internet zu sehen, dass Willie einen Hinrichtungstermin hat. Noch einmal habe ich einen Brief losgeschickt und würde mir sehr wünschen, dass er antwortet.
Obwohl ich so lange nichts von Willie gehört habe, und der Termin auch nicht überraschend kommt, trifft mich das Ganze tief. Willie bedeutet mir noch immer sehr viel. Die Vorstellung, dass er umgebracht werden soll, ich dies weiß, aber nichts tun kann, löst bei mir ein Gefühlschaos aus.
Sabine

Seit fast 30 Jahren wartet Willie Smith nun schon auf seine Hinrichtung.
Typisch für die USA ist, dass diese Verurteilten jahrzehntelang misshandelt werden, mit dem Wissen um ihre Hinrichtung und den Umständen in den Todestrakten. Dabei wird oft das schwere Leid vergessen, dass dies auch für die Menschen bedeutet die den Gefangenen nahestehen. Welchen Sinn macht es, Menschen so leiden zu lassen? – Das Opfer wird dadurch nicht mehr lebendig. Aber durch das staatliche Verbrechen der Todesstrafe werden neue Opfer produziert. Menschen die teils schwer traumatisiert werden, weil der von ihnen geliebte Mensch hingerichtet wird. Jahrzehntelang bangen diese Menschen um das Leben des Verurteilten um am Ende seine Hinrichtung zu erleben… Dies ist eine Form von Grausamkeit, die nur durch die konsequente Abschaffung der Todesstrafe verhindert werden kann.

Wir danken Sabine für ihren Gastbeitrag und bitten die Leser dieses Artikels die folgende Petition für Willie zu unterschreiben.

IHfL
Peter K.

Quelle:
https://www.al.com/news/birmingham/2020/12/alabama-death-row-inmate-willie-b-smith-iiis-execution-set-for-feb-11.html

Die Unterstützung der von uns betreuten Gefangenen, sowie unsere Arbeit gegen die Todesstrafe ist auf ehrenamtlicher Basis. Darum erbitten wir für unsere Arbeit Spenden. Unterstützt unseren Kampf gegen die Todesstrafe und unsere Betreuung von Lancelot Armstrong, der über 30 Jahre von der Todesstrafe bedroht wurde, sowie weitere Gefangene in anderen Todestrakten der USA.
Wer helfen möchte, klickt bitte einfach auf das folgende Bild:

Hier die direkte URL: https://www.ihfl.de/st-konto.htm


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