Vom Todesstrafenbefürworter zum Todesstrafengegner

Gastbeitrag von Markus Spintig-Wehning, 47807 Krefeld-Fischeln

Vom Todesstrafenbefürworter zum Todesstrafengegner

Against the Death Penalty - Todestrafe - Zeichnung - Drawing - Statue of Liberty - Freiheitsstatue (Kaivel_Comics) - www.ihfl.de - 005Ich war Jahrelang ein Befürworter der Todesstrafe, ich sah in dieser Strafe die einzig gerechte Strafe für Mörder und Totschläger.
Die Düsseldorfer Apelt-Brüder, die Ende der 80er in den USA zum Tode verurteilt worden, hatten in meinen Augen diese Strafe verdient. Wer wohlwissend in die USA reist und dort einen Mord begeht, obwohl hinter der nächsten Tür der Henker wartet, hatte in meinen Augen nichts besseres verdient, als die Hinrichtung.
Als die Le Grand Brüder 1999 hingerichtet wurden, wurde ich das erste Mal wach.
2001, lief im deutschen Fernsehen ein Film mit Jan-Josef-Liefers: Todestrafe – Ein Deutscher hinter Gittern (2001), weckte meine Interesse mich mit dem Thema mehr auseinander zusetzen.
Dann wurden im Iran 2005, 2 16jährige Teenager aufgrund ihrer sexuellen Identität hingerichtet. Jetzt wurde ich Mann, mit der gleichen sexuellen Identität richtig wach. Ich begann mich zu belesen und landete schließlich bei Alive (Koalition gegen Todesstrafe) e.V. Dort übernahm ich dann nacheinander 4 bzw. 5 Brieffreunde. Ich schrieb meinen Jungs, ohne mich mit dem Grund der zum Todesurteil geführt hat zu befassen.
Auf der folgenden JHV in Schmitten (Taunuskreis) lernte ich Gabi Uhl kennen. Kurze Zeit bekam ich mit Paul aus Kalifornien, meinen 5.Brieffreund. Sofort machte mich ein Vereinsmitglied von Alive auf die Tat, die beim Paul zum Todesurteil geführt aufmerksam.
Paul hatte als Aufnahmeritual für die Quartiers-Gang einen Homosexuellen Nachbarn erst ausgeraubt und anschließend ermordet.
Obwohl mir bewusst war, dass ich mit schlimmen Jungs und nicht mit Eierdieben zu tun habe, war ich geschockt und Hin und Her gerissen. Ich bekam jede Erdenkliche Unterstützung in dieser Zeit.
Mein nächster Brief an Paul, war sehr direkt. Ich fragte nach der Tat.
Paul schrieb mir offen über die Tat und entschuldigte sich auch für diese.
4 Jahre später heiratete ich meinen Mann Ludger und es stand eine Namensänderung an. Bisher hatte ich, aus Eigenschutz , meinen Jungs meine Queere Identität verschwiegen, nun musste ich Farbe bekennen.
Es kamen wunderschön gebastelte Glückwunschkarten und in jeder stand in etwa:
„Bruder! Ich wusste, dass du Homosexuell bist, denn du schreibst nicht wie ein Mann, sondern wie eine liebe Frau“.
Inzwischen wurden bei 4 meiner Jungs in Lebenslänglich, einer verstarb in dieser Zeit an einer Krankheit. Dadurch stellte ich meine Arbeit etwa 2013 mit Auflösung von Alive ein.
Anfang 2017 gab es in unserer Zeitung ein Interview mit Gabi Uhl, als Vorsitzende der Initiative gegen die Todesstrafe. Ich nahm zu Gabi Uhl Kontakt auf und wurde Mitglied der IgT. Im September 2017 fand in Düsseldorf die JHV der IgT statt, hier übernahm ich die Funktion des Schriftführers im Vorstand.

Ich bin inzwischen ein 100% Gegner der Todesstrafe, dafür gibt es zu viele Fehlurteile, und die Todesstrafe macht die Familien der Täter zu neuen Opfern.
Bei nachgewiesener schwerer Straftat würde ich als Richter zu Lebenslänglich mit Auflage, der Gesellschaft durch Arbeit etwas zurück zugeben, verurteilen.


Wir bedanken uns herzlich bei Markus für seinen Beitrag.
IHfL
Peter K.

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