Todestrakt 1. und 2. Klasse

kl_haende-gitter-todesstrafeSo makaber einem auch diese Überschrift erscheint, so traurig ist die Realität die hinter diesen Worten steht. Insofern ist das, was wir heute über den Todestrakt von Florida zu berichten haben eine Katastrophe für die meisten Gefangenen, deren Leben eh schon aus laufender Misshandlung und seelischer Folter besteht.

Wir sind über mehrere Wege auf folgenden Misstand aufmerksam gemacht worden.
Im UCI (Union Correctional Institution) sollte es ein Projekt geben, nachdem alle Gefangenen des Todestraktes einen Aufenthaltsraum erhalten. Das ganze sollte nach unseren Informationen wie folgt realisiert werden: In jedem Flur des Todestraktes sollten sich die Gefangenen einen Aufenthaltsraum einrichten. Dort dürften sie sich dann treffen. Uns wurde auch übermittelt, dass in diesen Fluren die Gefangenen dann nicht mehr 23 Stunden am Tag in Ihren Zellen eingesperrt werden sollen, sondern jeden Tag 5 Stunden lang die Zellentüren geöffnet sein sollen und dies an 5 Tagen in der Woche. Man stelle sich vor, was für ein riesiger Unterschied das für die Gefangenen wäre. 5 Stunden offene Zellentüren!
Im Jahr 2019 stimmten das Strafvollzugsministerium und die Gewerkschaft C.I. zu, dieses Pilotprogramm für Todestraktinsassen zu starten, das es den Insassen ermöglicht, 5 Tage pro Woche in den Tagesraum zu kommen und Zugang zu Duschen, Telefon und Kiosk-Tagesraum zu haben.

Uns wurden auch folgende konkrete Details übermittelt:
Das/die Fernsehgerät(e) wurden von der „Death Row Advocacy Group (F.D.R.A.G.)“ gespendet, und die Umgestaltung bzw.der Aufbau wurde durch Häftlingsarbeit kostenlos durchgeführt. Der Gesetzgeber stellte bereits vor 2 Jahren umfangreiche Mittel für die Einstellung von Personal zur Verfügung.
Tatsächlich soll das Wartungs- und Verwaltungspersonal aber erklärt haben, dass „die Tagesräume erst 2022 gebaut oder eröffnet werden sollen.“

Nur in einem einzigen Flur des Todestraktes lies das UCI die Realisierung eines solchen Aufenthaltsraumes allerdings zu. Seitdem haben 13 Gefangene tatsächlich 5 Stunden am Tag offene Türen und eben diesen Raum um sich zu treffen. Alle anderen Gefangenen des Todestraktes bleiben weiterhin 23 Stunden in ihren Zellen eingesperrt. Es gibt aktuell in Florida 336 Gefangene im Todestrakt!

Aber auch im Zusammenhang mit Covid-19 gibt es Ungerechtigkeiten.
So haben wir erfahren, dass wegen der Pandemie jegliche Besuchsmöglichkeiten ausgesetzt wurden. Das bedeutet auch für die Gefangenen im Todestrakt, dass sie niemand mehr besuchen kann. Als Ersatz wurden deshalb die Video-Besuche und auch Videogramme (damit kann man dem Gefangenen eine kurze Videobotschaft schicken) verbilligt. Auch die Insassen des Todestraktes erhielten ein Memo aus dem diese Möglichkeiten für sie hervorgehen. Dennoch hat die Leitung des UCI sich dazu entschlossen den Gefangenen im Todestrakt diese Erleichterungen nicht zu gestatten. Damit scheint sich die Leitung des UCI den Anweisungen der Strafvollstreckungsbehörde zu widersetzen.

Aus diesem Grund haben wir gestern folgenden Brief an den zuständigen Sekretär geschickt:

Department of Corrections
Mr. Mark S. Inch,
(Secretary of the F.D. of Corrections)
501 South Calhoun Street
Tallahassee, FL 32399-2500
USA

– Situation im UCI in Raiford

Sehr geehrter Herr Mark S. Inch,
ich wende mich in Sorge um die Situation der Gefangenen im Todestrakt des UCI an Sie.
Sie haben wegen der Covid-19 Krise sinnvolle Maßnahmen ergriffen, um die Gefangenen zu schützen und ihnen gleichzeitig Erleichterung zu ermöglichen. Erleichterungen, die auch im Besonderen deren Familien und Freunden die Möglichkeit bieten, weiter in Kontakt mit ihren Lieben zu bleiben. Für die Entscheidung zu diesen Maßnahmen möchte ich mich ausdrücklich bei Ihnen bedanken. Viele Gefangene profitieren davon!
Allerdings, und dies macht mir Sorgen, gelten die Erleichterungen nicht für die Gefangenen im Todestrakt des UCI in Raiford. So wurde es mir berichtet. Tatsächlich hat die Leitung des UCI sich dazu entschlossen den Gefangenen im Todestrakt keine Videobesuche zu erlauben und auch keine vergünstigten Videogramme anzubieten. Aus einem Memo für die betreffenden Gefangenen geht hervor, dass sie eigentlich die beschriebenen Erleichterungen erhalten sollen. Dies ist aber definitiv nicht so!
Ich möchte Sie höflichst darum bitten, sich dafür einzusetzen, dass auch die Gefangenen im Todestrakt von den Erleichterungen profitieren und somit auch ihre Familien und Freunde.

Ich habe auch davon erfahren, dass das Sonderprogramm für die Gefangenen, wonach sie auf jedem Flur einen Tagesraum bekommen sollen, gestoppt wurde. Lediglich für 13 Gefangene des Todestraktes wurde ein solcher Tagesraum im UCI ermöglicht. Für die anderen Gefangenen ist dies eine schier unerträgliche Situation, denn sie müssen weiter 23 Stunden am Tag, allein in ihren Zellen verweilen. Um auch für diese Gefangenen Tagesräume zu realisieren, wird sicher kaum Geld nötig sein, weil die Gefangenen die nötigen Arbeiten selbst erledigen könnten.
Ich möchte Sie also auch herzlich darum bitten, sich dafür einzusetzen, dass alle Insassen des Todestraktes einen Tagesraum bekommen.

Ich würde mich über eine Antwort von Ihnen freuen.

In Erwarten Ihrer Antwort, sende ich Ihnen
freundliche Grüße

Wir haben dies natürlich mit privater Adresse gemacht. Wer möchte, kann sich gerne diesem Schreiben anschließen. Einfach den Text kopieren oder einen eigenen Text verfassen, dabei bitte immer freundlich bleiben und den Brief versenden. Ob Ihr das Schreiben auf Englisch verfasst oder in Deutsch versendet… tja da scheiden sich die Geister. Manche Leute sagen ja tatsächlich, wenn es nicht in Englisch ist, müssen die sich ja erst die Mühe machen es übersetzen zu lassen und das Schreiben wird dadurch vielleicht eher zur Kenntnis genommen… Aber da können wir leider keine definitive Entscheidungshilfe geben.

IHfL
Peter K.

Über www.lancelot-armstrong.de

Nachrichtenblog der Initiative 'Hilfe für Lancelot (IHfL) www.lancelot-armstrong.de
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