Hinrichtung in Missouri – Verurteilter Unschuldig?

arkie

Walter Barton

Am 19. Mai 2020 soll Walter „Arkie“ Barton für den Mord an Gladys Kuehler, durch den US-Bundesstaat Missouri, hingerichtet werden. Es ist möglich dass Barton das ihm vorgeworfene Verbrechen nicht begangen hat.

Barton wurde für die Tötung einer Wohnmobilparkbetreiberin im Jahr 1991 in der Stadt Ozark zum Tode verurteilt. Im Laufe der 25-jährigen Geschichte des Falles gab es zwei Fehlprozesse, einen Prozess und eine Verurteilung, gefolgt von einer Rücknahme und einer Untersuchungshaft durch den Obersten Gerichtshof von Missouri. Der zweite Prozess endete mit einem Schuldspruch, der vom Obersten Gerichtshof bestätigt, aber später von einem niedrigeren Gericht wieder verworfen wurde. Bartons fünfter und letzter Prozess fand im Bezirk Cass statt, wo die Geschworenen ihn ebenfalls für schuldig befanden und die Todesstrafe für ihn forderten. Während seiner letzten Berufung im Jahr 2006 entschied der Oberste Gerichtshof von Missouri 4 zu 3, um sein Todesurteil aufrechtzuerhalten. In einem Dissens schrieb Richter Wolff: „Selbst wenn die Beweise stark genug wären, um eine Verurteilung zu unterstützen, hätten sie möglicherweise nicht ausgereicht, um die Todesstrafe zu rechtfertigen“.

Sein Anwalt stützt das Gnadengesuch für Walter Barton auf zwei Gründe: Die Behauptung, dass Barton unschuldig ist und auf die Tatsache, dass er geistig und seelisch nicht in der Lage ist hingerichtet zu werden. Laut seinem Anwalt, Fred Duchardt, war Barton bei Frau Kuehler, dem späteren Opfer, sehr beliebt. Als die Polizei und die Familie von Frau Kuehler am Tatort eintrafen, war auch Barton anwesend und half bei der Identifizierung der Leiche. Dabei sei ein kleiner Blutspritzer auf die Vorderseite seines Hemdes gelangt. Ein sogenannter Blutspritzerexperte sagte im Prozess aus, dieser kleine Blutspritzer reiche um Barton für Schuldig zu erklären. Dies erscheint schon sehr fraglich, wenn man bedenkt, dass Frau Kühler mit über 50 Messerstichen getötet wurde und man eigentlich davon ausgehen müsse, dass bei Barton dann wesentlich mehr entsprechende Blutspuren hätten gefunden werden müssen. Zudem haben drei von vier Zeugen, die zunächst gegen Barton ausgesagt hatten, ihre Aussage widerrufen. Der Zeuge, der seine Aussage nicht zurückgezogen hat, ging einen Deal ein und erhielt als Gegenleistung für seine Aussage die Einstellung eines Verfahrens gegen ihn selbst.

Seit 2015 befindet sich Barton zudem in psychiatrischer Behandlung. Sein Anwalt argumentiert, dass er aufgrund einer Hirnverletzung nie kompetent war, und sein Fall erfülle die Standards für eine Nicht-Exekutionskompetenz. Geistig Behinderte dürfen eigentlich nicht hingerichtet werden, wenn sie nicht kompetent genug sind den Vorgang zu verstehen. Walter befindet sich derzeit in Einzelhaft und ist an einen Rollstuhl gefesselt.

In einer Erklärung sagte sein Anwalt: „Der Staat Missouri ist im Begriff zu beweisen, warum die Todesstrafe nicht angewendet werden sollte, weil sie im Begriff sind, einen Unschuldigen hinzurichten“. 

Wieder so ein erschreckender Fall von „Justiz“ die wohl kaum als Rechtsprechung bezeichnet werden kann. Es sieht so aus, als wenn Missouri sich dieses „Schandflecks“ auf der Weste der Justiz endlich entledigen will. Offenbart die ganze Vorgehensweise des Staates in diesem Fall doch auf welch brüchigen Füßen die Rechtsprechung in Missouri zu stehen scheint.

IHfL
Peter K.

Quellen:
https://www.kmbc.com/article/missouri-supreme-court-lets-inmates-execution-date-stand-walter-barton/32302024
https://www.news-leader.com/story/news/crime/2020/02/18/execution-date-set-ozark-man-walter-barton-1991-murder/4799475002/
https://www.change.org/p/governor-mike-parson-clemency-for-walter-arkie-barton-savearkie
https://actionnetwork.org/petitions/stop-the-execution-of-walter-arkie-barton-in-missouri

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