Selbstmord mit staatlicher Hilfe um Folter zu beenden?

In den USA wurden am 15.03.2018 zwei Männer hingerichtet. Es handelt sich um Carlton Gary und Michael Eggers, die wegen Mordes zum Tode verurteilt waren. Über ihre Fälle berichteten wir bereits vor kurzem:  https://wp.me/p2X1th-3hk
usa_against_death_penalty2Carlton Gary ist durch den US-Bundesstaat Georgia ermordet worden. Er wurde 1986 wegen Raub, Vergewaltigung und Mord verurteilt und soll die Taten bereits 1977 begangen haben. Weitere Details siehe hier und hier (in englischer Sprache). Carlton Gary reagierte auf die Aufforderung letzte Worte zu sagen nicht. Zuletzt wurden alle Anträge seiner Verteidigung und auch das Gnadengesuch abgelehnt.

Michael Eggers wurde durch den US-Bundesstaat Alabama ermordet. Er soll gegen Ende des Jahres 2000 Bennie Francis Murray ermordet haben. Eggers hat eine Beschleunigung seines Verfahrens beantragt und verzichtete auf Berufung. Er forderte quasi seine möglichst schnelle Hinrichtung, da die Todesstrafe als eine „grausame und ungewöhnliche Bestrafung“ eindeutig gegen die US-Verfassung verstoße. Seine Konsequenz bedeutete jedoch quasi Selbstmord mit staatlicher Hilfe. Wobei die Freiwilligkeit mehr als in Frage gestellt ist, da der von ihm geäußerter Wille, wohl die Folge eben dieser staatlichen Folter ist. Ohne die Existenz der Todesstrafe und der daraus resultierenden foltergleichen Situation für die Gefangenen, hätte Eggers sicher nicht um seine Exekution gebeten!
Er versuchte also durch seine Hinrichtung der jahrzehntelangen Misshandlung im Todestrakt zu entkommen! – Dabei realisierte Eggers offensichtlich die unvorstellbare Grausamkeit, die der oft jahrzehntelange Kampf gegen das Urteil bedeutet. Viele Todeskandidaten müssen dies durchleben. Auch der von uns betreute Lancelot Armstrong ist seit 1991 im Todestrakt und erlebt diesen zermürbenden Kampf um sein Leben und die foltergleiche, schreckliche Situation in der Todeszelle. Einen Tag im Todestrakt beschreibt z.B. der im November 2017 in Florida hingerichtete Patrick Hannon hier auf unserem Blog. Wer nicht versteht, dass wir diese Situation der Gefangenen „Folter“ nennen, dem, sagen wir es mal wie uns der Mund gewachsen ist: „dem können wir auch nicht mehr helfen!“.

Im Übrigen hatten seine Anwälte, die er extra entlassen hatte, um seinen Selbstmord mittels staatlicher Hilfe durchzusetzen, Anträge an den obersten Gerichtshof der USA gestellt, gegen die Hinrichtung zu intervenieren, da ihr Mandant unter Schizophrenie leide. Diese Erkrankung allein wäre eigentlich ein Ausschlussgrund für seine Hinrichtung gewesen. Eggers glaubte an eine Verschwörung gegen ihn, lehnte die Arbeit seiner Verteidiger ab und stimmte ihren Anträgen nicht zu.

Es war also wohl keine freiwillige Entscheidung für seine Hinrichtung, sondern die Flucht vor seinen Peinigern in den Tod, als in seinen Augen einzige Möglichkeit, ihnen zu entkommen. Dabei vollzogen seine Peiniger den Selbstmord an ihm. Gerade dieses menschliche Drama zeigt uns die besondere Grausamkeit der Todesstrafe.

Es liegt an uns allen, weiter dagegen anzugehen, damit die Folter mit Hilfe der Todesstrafe endlich ein Ende hat.

IHfL
Peter K.

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