Tracy Lee – Folter im Todestrakt von Louisiana

Heute möchten wir einen Gastbeitrag unserer Leserin Monika K. veröffentlichen. In ihrem ergreifenden Statement nimmt sie klar Stellung gegen die schrecklichen Bedingungen denen Gefangene im Todestrakt ausgesetzt sind. Sie schreibt über ihren Brieffreund Tracy Lee, der seit 31 Jahren im Todestrakt von Louisiana gefoltert wird:

tracy-leeMonika K:  „Ich möchte meinen Brieffreund, Tracy Lee vorstellen. Er ist 54 Jahre alt und erhält seit 31 Jahren im Staatsgefängnis von Louisiana, Angola eine Art der Behandlungsfolter, die nichts mit „Menschenwürde“ zu tun hat. Lassen Sie sich nicht von dem abgebildeten Foto täuschen, das ist schon fast 10 Jahre alt. Ja, Tracy malt sehr gern und dabei kann er, wie er sagt, für eine kurze Zeit in eine andere Welt eintauchen. 23 Stunden ist er in einer kleinen Zelle eingesperrt und alle 15 Minuten machen die Wärter ihren Rundgang, ob alle auch noch am Leben sind. Sie wollen nicht, dass einer Suizid begeht, weil das ja „ihre Aufgabe“ sei, die Hinrichtung.
Das Geld, was er braucht, um sich ganz alltägliche Dinge, wie Toilettenpapier, Seife, Zahnpaste und auch Essen kaufen zu können, verdiente er sich bis vor 4 Jahren mit seiner Malerei. Dann wurden alle Malutensilien im gesamten Todestrakt entfernt. Was für eine Situation und spezielle Folterung das ist, kann man sich nicht vorstellen. Er darf an 4 Tagen unter der Woche für 1 Stunde nach draußen auf eine Fläche, die 1x10m ist. Dann kommt eine hohe Mauer. Kein Kontakt zu anderen Gefangenen. Und selbst diese Stunde im Freien, bestimmen die Wärter jedes mal aufs Neue. So kommt es natürlich vor, dass er gerade mitten in der Nacht dran ist.
Er hat in seiner Zelle etwas Platz gemacht, damit er auf dem Fußboden trainieren kann. Er meint, er müsse etwas in Form bleiben, sonst wird man schnell träge und krank. Es gibt in diesem Gefängnis eine 11 ha große Plantage, wo fast nur Bohnen angebaut werden. Diese gibt es dann 5-6x in der Woche. Das Wasser ist weder frisch noch kalt. In der Kantine gibt es sehr wenig Obst und Säfte, weil alle anderen Häftlinge auch Verlangen danach haben. Menschliches Verlangen nach einfachem Essen. Gesundes und abwechslungsreiches Essen wird hier verwehrt.

In Deutschland hätte er seine Strafe längst abgesessen, aber das amerikanische System oder wie sich das nennt, ist anders – will anders sein.

Amerika – das große freie Land, so hatte ich das in meinem Gedächtnis verankert, doch das änderte sich seit dem 11. September 2001. Nachdem die USA den Verantwortlichen des Terroranschlages auf das World-Trade-Center Vergeltung versprachen, verschlug es mir total die Sprache.
Sind wir Menschen so erzogen worden, dass wir einen Anschlag nicht auf andere Weise klären können, als wieder dasselbe zu tun? Gleiches mit Gleichem vergelten?? Nicht mal das heute, wo weitaus mehr amerikanische Soldaten dabei zu Tode gekommen sind, als damals bei dem Anschlag starben, weckt die amerikanische Regierung auf. „Nein, wozu auch, der Feind ist ja noch nicht besiegt!“ Wer weiß denn genau, wann der letzte der Attentäter besiegt wäre? Es werden deren Kinder doch schon von klein auf mit derartigen Waffen großgezogen. Ich weiß nicht, was das alles für einen Sinn macht und ich glaube nicht, dass der amerikanische Präsident mir den Sinn dafür erklären könnte. Auch ER stellt sich damit auf die gleiche Stufe, wie diese Terroristen. Er lässt wieder morden und sogar seine eigenen Landsleute. Eines Tages gibt es keine Menschen mehr auf dieser Erde, weil sie sich gegenseitig alle umgebracht haben.

Im Gefängnis von Tracy wäre das dann „Mord auf Raten“, denn so ein bisschen stirbt jedes Jahr ein kleiner Teil seiner Seele. Er war auch im „Camp J“ für 18 Monate, da gibt es keine Betten, Deckzeug, Toiletten, nichts ist da vorhanden, nur tägliche Prügel. Sie bekamen dort nur ganz wenig zu essen und jede zweite Mahlzeit fiel ganz aus. -ein elendes Dahinvegetieren-

Selbst die Wärter bereichern sich an ihren Gefangenen. Sie schleusen Handys und sogar Drogen ins Gefängnis. Danach haben sie keine Skrupel, denjenigen zu verpfeiffen und ihn nach „Camp J“ ins Straflager zu senden.

Tracy hat mir ein paar Sätze in seinen Briefen geschrieben, die mir sehr ans Herz gehen.

1. Ich wollte Jemanden als Briefkontakt, der mir erlauben würde, ein kleiner Teil seiner Welt zu sein.
2. Wenn ein Brief von dir kommt, lächle ich und in meinem Herz geht eine kleine Sonne auf.
3. Erzähl mir von der Welt, so schließe ich meine Augen und kann es mir in Gedanken vorstellen.
4. Ohne deinen Briefkontakt ist mein Dasein hier banal, einfach, einsam und sehr langweilig.

Und ein Satz machte mich so traurig, dass sich diese täglichen Folterungen über viele Jahre, Jahrzehnte in seiner Ausdrucksweise bemerkbar machen. Er meinte, „Bist du dir sicher, dass ich dir in meiner Lage wirklich eine Freundschaft wert bin?“

Ich habe das Foto mit einem Buchrahmen versehen, denn eines Tages wird dieses Buch einfach zugeklappt und vorn auf dem Einband sieht man dann nur noch ein Kreuz und seine ID #111680.

Ich möchte zum Schluss noch auf einen jungen Mann zu sprechen kommen, der seine Tochter verloren hat und jetzt unschuldig dafür zum Tode verurteilt wurde. Auch er sitzt in Louisiana im Todestrakt und trauert um sein kleines Baby. Als wenn das nicht schon reichen würde!!! Bitte schaut auf diese Petition und gebt eure Unterschrift, damit er nicht hingerichtet wird.
https://www.change.org/p/caddo-parish-louisiana-louisiana-grant-rodricus-crawford-s-appeal?source_location=petitions_share_skip

vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Monika K.“


Wir möchten noch einen weiteren Text von Monika K. hier hinzufügen:

Monika K: „Es gibt tatsächlich etwas, was ich mir für Tracy wünschen würde. Durch die eine Stunde am Tag, wo sie die Zelle verlassen dürfen, hat er zu wenig Bewegung, so dass er vor ca. 6 Wochen einen Arzt bestellte, der sich mal sein angeschwollenes und stark schmerzendes Bein ansehen sollte. Der Arzt kam nach geschlagenen 10 Tagen, das muss man sich mal vorstellen!! Bis dahin nahmen die Schmerzen zu, er konnte auch nicht mehr schlafen, weil er keine Position fand und ununterbrochen Schmerzen hatte.

Der Arzt stellte Thrombose fest und er hat im Bein ein Blutgerinnsel. Man hatte es ihm nicht mal mitgeteilt, erst dann, als er die Medikamente verweigerte. Er musste für eine Woche in ein Behandlungszentrum, dort lag er die ersten drei Nächte auf einer Matraze (kein Bettlaken, keine Decke, kein Kissen). Er hatte gar nichts. Nicht mal eine Zahnbürste gab man ihm. Zum Glück arbeitet dort ein ehemaliger Freund, der auch im Todestrakt saß. Er kümmerte sich dann um Tracy und gab ihm vor allem erst mal was zu essen, dass bekam er nämlich auch nicht. Ist das nicht schlimm? Selbst die Tiere im Stall bekommen täglich frisches Wasser und Futter. Ich kann es nicht begreifen.
Er ist jetzt wieder auf seiner Zelle, aber er hat schon wieder Schmerzen. Medikamente bekommt er für die Thrombose, aber nicht gegen Schmerzen. Er müsste sich mehr bewegen dürfen, sonst wandert das Blutgerinnsel oder platzt und dann geht sein Licht für immer aus.  Ich würde mich sehr freuen, wenn für Tracy gebetet wird, damit er mehr Bewegung erhalten darf.  Aber in der Zelle umherlaufen ist ja gar nicht möglich.  Hoffen und Beten, das wäre sehr nett. Dankeschön“

Was für ein Zynismus herrscht in solchen Staaten wie Louisiana. Zum einem wird dort auf Rechtsstaatlichkeit gepocht und die Fahne der Menschenrechte dem Rest der Welt von den USA vorgehalten. Zum anderen werden Menschen wie Tracy Lee diesen menschenverachtenden Bedingungen jahrzehntelang ausgesetzt, nur mit dem Ziel, sie zum Schluss zu töten. Damit Tracy zunächst nicht stirbt, wird er zwar sporadisch behandelt gegen seine Thrombose, aber die Qualen soll er ertragen, ohne Schmerzmittel… Denn sie wollen ihn ja nur am Leben erhalten, um ihn selbst töten zu können. Dabei spielt seine jetzige Pein keine Rolle… So töten sie ihn jeden Tag ein kleines Stück, indem sie ihm seine Hoffnung und letztendlich jede Würde rauben…

Und folgendes mag den Befürwortern der Todesstrafe ins Handbuch geschrieben werden: Auch die Verwandten und Freunde von Menschen wie Tracy werden gefoltert, indem sie die ganzen Jahre sein Leid seelisch mit ertragen müssen. Sie hoffen, bangen und weinen um und mit dem Gefangenen, wie so viele Menschen die Todeskandidaten nahe stehen… Und zum Schluss stirbt auch von ihnen ein wichtiger Teil, wenn es zum Äußersten kommt. Auch DAS haben die Damen und Herren, die immer wieder nach der Todesstrafe schreien, mit zu verantworten! Unendliches Leid, in ihrem Namen…

Für Ihren Einsatz und natürlich auch für diesen wichtigen Beitrag hier, möchten wir uns bei Monika K. herzlich bedanken.

IHfL
Peter K.

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