Texas hat nächsten Mord begangen

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Raphael Deon Holiday

Raphael Deon Holiday hingerichtet.

Seine „Anwälte“ ließen ihn allein!

Texas hat wieder einen Menschen, im Namen des Volkes, hingerichtet. Wohl wissend, dass nicht unerhebliche Teile dieses Volkes gegen die Todesstrafe sind. Aber die Mehrheit in Texas ist nach wie vor für diese Rachejustiz.

Raphael Deon Holiday (36), ist gegen 20:30 Uhr (Ortszeit), für tot erklärt worden. Als ihm die tödliche Dosis Pentobarbital verabreicht wurde, nahm er zwei tiefe Atemzüge, dann blieb sein Mund geöffnet und er keuchte mehrmals. Sein Todeskampf dauerte 19 Minuten. In seinen letzten Worten sagte er: „Ich liebe euch alle. Ich möchte, dass ihr wisst, ich werde immer bei euch sein.“ 

Alle Bitten um Gnade, an den  Gouverneur Greg Abbott, wurden ignoriert, denn er ist, wie sein Vorgänger Rick Perry, ein leidenschaftlicher Anhänger dieser martialischen Strafe.

Holidays Anwälte ließen ihn allein!
Wie so oft, wurde auch Holiday nur von Pflichtanwälten verteidigt. Bekanntermaßen sind ja fast nur arme Menschen in den Todestrakten der USA. Und eben diese „Anwälte“ verweigerten Holiday jede weitere Unterstützung, als die Richter des Obersten Gerichtshof sich im Juni weigerten, seinen Fall zu überprüfen. Um es noch mal klar und deutlich zu sagen: SEINE PFLICHTANWÄLTE VERLIESSEN IHN – SIE SAHEN FÜR IHN KEINE CHANCE MEHR – SIE LIESSEN IHN ALLEIN!!!
Deutlicher kann kaum die katastrophale Lage der Todeskandidaten in den USA vorgeführt werden…

Holiday bestritt immer, dass er seine Kinder töten wollte. Holiday: „Ich liebte meine Kinder. Ich wollte nie einem von ihnen schaden“. Sie waren bei einem Hausbrand ums Leben gekommen, den er verursacht haben soll. Details siehe hier: http://wp.me/p2X1th-zW

Wir können es nicht oft genug betonen. In der BRD hätte er eine zweite Chance bekommen – Doch der Staat Texas scheint nur Rache zu kennen, die er meist an Menschen verübt, die eine dunkle Hautfarbe haben.

Verzweifelter Kampf von Lancelot Armstrong

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Lancelot Armstrong

Auch der von uns betreute Lancelot Armstrong, der seit 1991 in der Todeszelle von Florida sitzt, hat nur solche Pflichtanwälte, weil ihm das Geld für eine gute Verteidigung fehlt. So muss er sich von Menschen verteidigen lassen, die von denen bezahlt werden, die ihn umbringen wollen! – Verzweifelt schreibt er uns immer wieder über diese schlimme Lage. Auch dass sich seine Pflichtverteidiger weigern, ihm in vielen Angelegenheiten zu helfen, da sie als Pflichtverteidiger dazu nicht autorisiert wären. Dass bedeutet, sämtliche Angelegenheiten die seine Gesundheit betreffen, evtl. Misshandlungen und Beleidigungen durch Wärter, die Tatsache, dass man ihm koschere Nahrung verweigert usw., können von ihm nur per Privatklage gehandhabt werden. Der Staat misshandelt ihn und er darf sich nur mit privaten Anwälten wehren, die er nicht hat, weil er kein Geld hat und arbeiten dürfen die Todeskandidaten nicht, um Geld zu verdienen – Ein Teufelskreislauf Das ist die gnadenlose, rechtlose Situation der Todeskandidaten, deren Menschenrechte in den USA mit Füßen getreten werden! – Darum bitten wir inständig: Helft Lancelot Armstrong. Einfach auf das folgende Bild klicken:

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IHfL
Peter Koch

———————————————

„Das Verhalten der Anwälte ist einfach unglaublich.

Ende Juni wurden sie darüber informiert, dass der Supreme Court die “case review” abgelehnt hat – ein Rechtsweg war damit erledigt und ein Hinrichtungstermin konnte anberaumt werden.
Also eine sehr wichtige und folgenschwere Entscheidung, die ein Anwalt in der Regel dem Todeskandidaten persönlich mitteilt, wie wohl nachzuvollziehen ist.

In diesem Fall erledigte das Verteidiger-Team die unangenehme Aufgabe per Brief.
Um die Taktlosigkeit perfekt zu machen, kündigte man ihm im selben Brief an, (grob gesagt) nichts weiter für ihn tun zu wollen, weil es aussichtslos sei.

Ein Begnadigungsersuchen wäre wohl sicher abgelehnt worden, aber dass selbst ein so chancenloser, verzweifelter Schritt für den Todeskandidaten zumindest die Illusion von Hoffnung lässt und ihm die eigentlich unerträgliche Zeit bis zur Hinrichtung mit zumindest positiven Hoffnungen etwas leichter macht – das wollten die Anwälte nicht.

Weil es ihrer Auffassung nach eine sinnlose Hoffnung gewesen sei hätte es sogar im Interesse von Holiday gelegen, diese Hoffnungen erst gar nicht aufkommen zu lassen…
Man fragt sich, ob Anwälte das Recht haben, über die Hoffnungenihrer Mandanten so zu entscheiden.

Einer der Rechtsanwälte, , sagte in einem Telefoninterview
““We decided that it was inappropriate to file [a petition for clemency] and give false hope to a poor man on death row expecting clemency that we knew was never going to come”

Eine seltsame Form von Mitleid.
Und eine kleine Arbeitsersparnis für die Anwälte, die sich vielleicht bequemt hätten, um Gnade zu bitten, wenn es sich für sie gelohnt hätte.
Jedenfalls merkten sie in diesem taktlosen Brief an, Holiday könne sich ja einen Anwalt suchen, der den Fall “pro bono” bearbeite, also keine Gebühren verlange.

Holiday hat das versucht, ohne Erfolg. Seine Bittbriefe wurden nicht mal beantwortet.

Darauf wand er sich ans Gericht und erbat eine neue anwaltliche Vertretung, da seine alten Anwälte “have refused to help me and it is a disheartening conundrum I am not fit to comprehend”.

Erstaunlicherweise meldeten sich jetzt diese untätigen Anwälte beim Gericht und bestanden darauf, eben keineswegs untätig zu sein. Man würde trotz der “Hoffnungslosigkeit” des Falles schon noch was tun (was das genau sein könnte ist mir unbekannt und schleierhaft). Man habe auch nicht auf das (absolut übliche) Gnadengesuch aus Faulheit verzichtet oder weil man Holiday nicht leiden könne: Man erkenne schlichtweg die “politische Realität” in Texas an.

Das ist ein erstaunlicher Fall.
Anwälte nutzen vorhandene Rechtsmittel nicht bei einer Frage um Leben und Tod weil sie deren Aussichtslosigkeit “einsehen”.
Zu Ende gedacht bräuchte Texas dann auch gar keine Gnadenregelung, da man offenbar davon ausgeht. dass auf diesem Weg nichts erreichbar ist ausser einen Berg bedruckten Papiers zu produzieren.

Man fragt sich fast, ob die die extrem zynische Haltung von Todesstrafengegnern sein kann, die auf diese Weise vorführen wollen, dass ein guter Teil der “Möglichkeiten”, die ein zum Tode Verurteilter hat seinem Schicksal zu entrinnen, völlig sinnlos sind, eine Farce?

Die folgende Entwicklung zeigt, dass man nicht in diesen Bahnen gedacht hat.
Holiday gelang es nämlich jemanden zu finden, der zumindest draussen eine ordentliche Suche nach einer neuen anwaltlichen Vertretung organisieren konnte. So allein, in der Zelle, ist das nämlich gar nicht so einfach…

Für eine Neuverpflichtung musste man allerdings erst die alten Anwälte loswerden.
Kein Problem sollte man denken, die lassen schliesslich ihren Mandanten im Stich!
Man argumentierte also, das alte Anwaltsteam “abandoned Holiday in his hour of greatest need. The law under which the two were appointed says lawyers for death row clients “shall” represent them in “all available post-conviction proceedings.”
Man beantrage daher “the court to assign new lawyers who would do so”.

Offenbar in ihrer “Berufsehre” verletzt wehrten sich die beiden Anwälte dagegen!

Der Unterstützerin von Holiday, die selbst den Fall aus Mangel an Erfahrung nicht übernehmen konnte, solle sich gefälligst von “ihrem” Mandanten fern halten – schrieb man ihr.

“If you can propose a course of action that stands a reasonable chance … we will pursue it,” Volberding said in a letter to Sween. “Otherwise, we respectfully ask that you take no further action in this case. We will respond firmly if you do.”

Man mag es nicht glauben. Holiday muss sich vorgekommen haben wie im Irrenhaus.
Immerhin bemüssigten sich die Anwälte nun, eigentlich gegen die eigene Überzeugung, zumindest den Schriftsatz für die Begnadigung fertig zu machen.
Der ungeschickt formulierte und fehlerhafte Schriftsatz (man hatte nicht mal das Datum der geplanten Hinrichtung Holiday richtig eingesetzt) wurde eingereicht –
und mit diesem “Arbeitsnachweis” waren die Anwälte den Vorwurf der Untätigkeit los.
Das Gericht entpflichtete sie daher nicht um Platz für eine motivierteren Pflichtverteidiger zu machen.

Die Unterstützerin Holidays wendete sich darauf hin an den zuständigen “5th Circuit Court of Appeals” (in den USA sind bei Berufungen vor der Bundesebene noch solche “circuits” eingerichtet, wobei ein circuit gleich für mehrere Staaten gleichzeitig zuständig ist. Insgesamt gibt es 13).

Dort bat man um eine Aufschiebung der Hinrichtung, wies auf das schlechte Niveau des Begnadigungsantrags hin und erläuterte, dass die Anwälte von Holiday mit ihm im Konflikt liegen, der gerne eine Vertretung hätte die wenigstens die vorhandenen Möglichkeiten nutzt.

Damit blitzte man ab! Man warnte die Unterstützerin “that future attempts to dislodge Holiday’s lawyers would be viewed skeptically”.

Dass Pflichtverteidiger in Todesstrafen-Fällen selten Erfolg haben, wenig motiviert sind und darum oft genug (bzw. regelmässig) nicht alles tun, was getan werden kann, ist das eine.

Daran hat man sich gewissermassen fast gewöhnt.

Aber die Heftigkeit, mit der diese Anwälte hier verhinderten, dass Ihr Mandant eine Verteidigung erhält, die ihn … verteidigt … Das ist an dieser Geschichte ein unwillkommenes Alleinstellungsmerkmal.

Stephen Bright, Rechtsprofessor an der renommierten Yale-University und Menschenrechts-Aktivist kommentierte den Vorgang mit einer, wie man meint, selbstverständlichen Feststellung:

“Lawyers are often in a position of representing people for whom the legal issues are not particularly strong, but nevertheless they have a duty to make every legal argument they can”

In diesem Falle lief es anders.

Nochmal S. Bright:
““Most people don’t get executed for crimes they committed.
They get executed for mistakes their lawyers made.”

Immerhin hat wenige Stunden vor dem Hinrichtungstermin die Richterin eines (relativ niederrangigen) District Courts einen “halt” der execution verfügt, damit die Chance besteht wenigstens einen ordentlichen Begnadigungs-Antrag hinzubekommen.
Während dessen war bekannt geworden, dass der US Supreme Court, die allerhöchste Instanz, keinen Grund zum Aufschub erkennen will.
Dann kassierte der Texas Court of Criminal Appeals den Aufschub des District Court.

Etwa eine Stunde später begann die tödliche Dosis Pentobarbital durch Holidays Adern zu fliessen. Nach 19 Minuten wurde er für tot erklärt.

Seine Anwälte haben es vorgezogen, ihren Mandanten auch diesen letzten Weg alleine gehen zu lassen – auf der Liste der Zeugen seiner Hinrichtung tauchen ihre Namen jedenfalls nicht auf.

PS:
Wie man sieht gehe ich hier auf die Tat, die Umstände oder die Schuldfrage nicht ein.
Nach allem, was ich von dem Fall gesehen habe, hat Holiday die Tat begangen. Wie nüchtern er dabei war, ob er sich daran erinnern kann (oder muss um verantwortlich zu sein) – es kümmert mich nicht. Es sind drei Kinder hier umgekommen, und genau so wie ich im Täter einen Menschen sehe, sehe ich den auch in der Mutter dieser Kinder.
Ich möchte das Leiden des Täters gar nicht “besser verstehen” als das Leiden dieser Mutter, das er verursacht hat. Das ist auch nicht nötig, denn:

Nach meiner Überzeugung sind alle diese Fragen angesichts der Todesstrafe unbedeutend.
Es gibt schlichtweg keine Tat, für die ich einem Staat das Recht zugestehen würde, einem Menschen das Leben zu nehmen. Darum muss ich die Tat auch nicht diskutieren. Es geht nicht um die Tat (und da ist jede anders) sonder um die immer gleiche und immer falsche Strafe, meiner Meinung nach.
Ob es einen verurteilten Kindermörder trifft, wie in diesem Fall, oder einen Unschuldigen:
In meinen Augen hat kein Staat aufgrund einer nicht aberkennbaren Menschenwürde (eine Idee, die erstmals die vielgescholtenen USA überhaupt erst verfassungsmässig formuliert hat und zu den grössten zivilisatorischen Leistungen überhaupt gehört!), die auch für Mörder und Straftäter gilt, das Recht über Tod und Leben seiner Mitbürger zu entscheiden.
Ich muss aus einem Mörder keinen Unschuldigen machen, ich muss nichts mit Rausch versuchen weg zu erklären oder die berühmte “schwere Kindheit” bemühen.
Mir reicht es, dass es sich immer um einen Menschen handelt.

Die Idee der Menschenwürde prüft sich nämlich gerade daran, dass sie auch dem Täter und dem Mörder zusteht. Sie ist nichts, was man verdienen muss oder verlieren kann.
Andernfalls wäre es nur ein schales Wort.“

 

 

 

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3 Antworten zu Texas hat nächsten Mord begangen

  1. Also auch Du schreibt:

    Das Verhalten der Anwälte ist einfach unglaublich.

    Ende Juni wurden sie darüber informiert, dass der Supreme Court die „case review“ abgelehnt hat – ein Rechtsweg war damit erledigt und ein Hinrichtungstermin konnte anberaumt werden.
    Also eine sehr wichtige und folgenschwere Entscheidung, die ein Anwalt in der Regel dem Todeskandidaten persönlich mitteilt, wie wohl nachzuvollziehen ist.

    In diesem Fall erledigte das Verteidiger-Team die unangenehme Aufgabe per Brief.
    Um die Taktlosigkeit perfekt zu machen, kündigte man ihm im selben Brief an, (grob gesagt) nichts weiter für ihn tun zu wollen, weil es aussichtslos sei.

    Ein Begnadigungsersuchen wäre wohl sicher abgelehnt worden, aber dass selbst ein so chancenloser, verzweifelter Schritt für den Todeskandidaten zumindest die Illusion von Hoffnung lässt und ihm die eigentlich unerträgliche Zeit bis zur Hinrichtung mit zumindest positiven Hoffnungen etwas leichter macht – das wollten die Anwälte nicht.

    Weil es ihrer Auffassung nach eine sinnlose Hoffnung gewesen sei hätte es sogar im Interesse von Holiday gelegen, diese Hoffnungen erst gar nicht aufkommen zu lassen…
    Man fragt sich, ob Anwälte das Recht haben, über die Hoffnungen ihrer Mandanten so zu entscheiden.

    Einer der Rechtsanwälte, , sagte in einem Telefoninterview
    „“We decided that it was inappropriate to file [a petition for clemency] and give false hope to a poor man on death row expecting clemency that we knew was never going to come”

    Eine seltsame Form von Mitleid.
    Und eine kleine Arbeitsersparnis für die Anwälte, die sich vielleicht bequemt hätten, um Gnade zu bitten, wenn es sich für sie gelohnt hätte.
    Jedenfalls merkten sie in diesem taktlosen Brief an, Holiday könne sich ja einen Anwalt suchen, der den Fall „pro bono“ bearbeite, also keine Gebühren verlange.

    Holiday hat das versucht, ohne Erfolg. Seine Bittbriefe wurden nicht mal beantwortet.

    Darauf wand er sich ans Gericht und erbat eine neue anwaltliche Vertretung, da seine alten Anwälte „have refused to help me and it is a disheartening conundrum I am not fit to comprehend“.

    Erstaunlicherweise meldeten sich jetzt diese untätigen Anwälte beim Gericht und bestanden darauf, eben keineswegs untätig zu sein. Man würde trotz der „Hoffnungslosigkeit“ des Falles schon noch was tun (was das genau sein könnte ist mir unbekannt und schleierhaft). Man habe auch nicht auf das (absolut übliche) Gnadengesuch aus Faulheit verzichtet oder weil man Holiday nicht leiden könne: Man erkenne schlichtweg die „politische Realität“ in Texas an.

    Das ist ein erstaunlicher Fall.
    Anwälte nutzen vorhandene Rechtsmittel nicht bei einer Frage um Leben und Tod weil sie deren Aussichtslosigkeit „einsehen“.
    Zu Ende gedacht bräuchte Texas dann auch gar keine Gnadenregelung, da man offenbar davon ausgeht. dass auf diesem Weg nichts erreichbar ist ausser einen Berg bedruckten Papiers zu produzieren.

    Man fragt sich fast, ob die die extrem zynische Haltung von Todesstrafengegnern sein kann, die auf diese Weise vorführen wollen, dass ein guter Teil der „Möglichkeiten“, die ein zum Tode Verurteilter hat seinem Schicksal zu entrinnen, völlig sinnlos sind, eine Farce?

    Die folgende Entwicklung zeigt, dass man nicht in diesen Bahnen gedacht hat.
    Holiday gelang es nämlich jemanden zu finden, der zumindest draussen eine ordentliche Suche nach einer neuen anwaltlichen Vertretung organisieren konnte. So allein, in der Zelle, ist das nämlich gar nicht so einfach…

    Für eine Neuverpflichtung musste man allerdings erst die alten Anwälte loswerden.
    Kein Problem sollte man denken, die lassen schliesslich ihren Mandanten im Stich!
    Man argumentierte also, das alte Anwaltsteam „abandoned Holiday in his hour of greatest need. The law under which the two were appointed says lawyers for death row clients “shall” represent them in “all available post-conviction proceedings.”
    Man beantrage daher „the court to assign new lawyers who would do so“.

    Offenbar in ihrer „Berufsehre“ verletzt wehrten sich die beiden Anwälte dagegen!

    Der Unterstützerin von Holiday, die selbst den Fall aus Mangel an Erfahrung nicht übernehmen konnte, solle sich gefälligst von „ihrem“ Mandanten fern halten – schrieb man ihr.

    “If you can propose a course of action that stands a reasonable chance … we will pursue it,” Volberding said in a letter to Sween. “Otherwise, we respectfully ask that you take no further action in this case. We will respond firmly if you do.”

    Man mag es nicht glauben. Holiday muss sich vorgekommen haben wie im Irrenhaus.
    Immerhin bemüssigten sich die Anwälte nun, eigentlich gegen die eigene Überzeugung, zumindest den Schriftsatz für die Begnadigung fertig zu machen.
    Der ungeschickt formulierte und fehlerhafte Schriftsatz (man hatte nicht mal das Datum der geplanten Hinrichtung Holiday richtig eingesetzt) wurde eingereicht –
    und mit diesem „Arbeitsnachweis“ waren die Anwälte den Vorwurf der Untätigkeit los.
    Das Gericht entpflichtete sie daher nicht um Platz für eine motivierteren Pflichtverteidiger zu machen.

    Die Unterstützerin Holidays wendete sich darauf hin an den zuständigen „5th Circuit Court of Appeals“ (in den USA sind bei Berufungen vor der Bundesebene noch solche „circuits“ eingerichtet, wobei ein circuit gleich für mehrere Staaten gleichzeitig zuständig ist. Insgesamt gibt es 13).

    Dort bat man um eine Aufschiebung der Hinrichtung, wies auf das schlechte Niveau des Begnadigungsantrags hin und erläuterte, dass die Anwälte von Holiday mit ihm im Konflikt liegen, der gerne eine Vertretung hätte die wenigstens die vorhandenen Möglichkeiten nutzt.

    Damit blitzte man ab! Man warnte die Unterstützerin „that future attempts to dislodge Holiday’s lawyers would be viewed skeptically“.

    Dass Pflichtverteidiger in Todesstrafen-Fällen selten Erfolg haben, wenig motiviert sind und darum oft genug (bzw. regelmässig) nicht alles tun, was getan werden kann, ist das eine.

    Daran hat man sich gewissermassen fast gewöhnt.

    Aber die Heftigkeit, mit der diese Anwälte hier verhinderten, dass Ihr Mandant eine Verteidigung erhält, die ihn … verteidigt … Das ist an dieser Geschichte ein unwillkommenes Alleinstellungsmerkmal.

    Stephen Bright, Rechtsprofessor an der renommierten Yale-University und Menschenrechts-Aktivist kommentierte den Vorgang mit einer, wie man meint, selbstverständlichen Feststellung:

    „Lawyers are often in a position of representing people for whom the legal issues are not particularly strong, but nevertheless they have a duty to make every legal argument they can“

    In diesem Falle lief es anders.

    Nochmal S. Bright:
    „“Most people don’t get executed for crimes they committed.
    They get executed for mistakes their lawyers made.”

    Immerhin hat wenige Stunden vor dem Hinrichtungstermin die Richterin eines (relativ niederrangigen) District Courts einen „halt“ der execution verfügt, damit die Chance besteht wenigstens einen ordentlichen Begnadigungs-Antrag hinzubekommen.
    Während dessen war bekannt geworden, dass der US Supreme Court, die allerhöchste Instanz, keinen Grund zum Aufschub erkennen will.
    Dann kassierte der Texas Court of Criminal Appeals den Aufschub des District Court.

    Etwa eine Stunde später begann die tödliche Dosis Pentobarbital durch Holidays Adern zu fliessen. Nach 19 Minuten wurde er für tot erklärt.

    Seine Anwälte haben es vorgezogen, ihren Mandanten auch diesen letzten Weg alleine gehen zu lassen – auf der Liste der Zeugen seiner Hinrichtung tauchen ihre Namen jedenfalls nicht auf.

    PS:
    Wie man sieht gehe ich hier auf die Tat, die Umstände oder die Schuldfrage nicht ein.
    Nach allem, was ich von dem Fall gesehen habe, hat Holiday die Tat begangen. Wie nüchtern er dabei war, ob er sich daran erinnern kann (oder muss um verantwortlich zu sein) – es kümmert mich nicht. Es sind drei Kinder hier umgekommen, und genau so wie ich im Täter einen Menschen sehe, sehe ich den auch in der Mutter dieser Kinder.
    Ich möchte das Leiden des Täters gar nicht „besser verstehen“ als das Leiden dieser Mutter, das er verursacht hat. Das ist auch nicht nötig, denn:

    Nach meiner Überzeugung sind alle diese Fragen angesichts der Todesstrafe unbedeutend.
    Es gibt schlichtweg keine Tat, für die ich einem Staat das Recht zugestehen würde, einem Menschen das Leben zu nehmen. Darum muss ich die Tat auch nicht diskutieren. Es geht nicht um die Tat (und da ist jede anders) sonder um die immer gleiche und immer falsche Strafe, meiner Meinung nach.
    Ob es einen verurteilten Kindermörder trifft, wie in diesem Fall, oder einen Unschuldigen:
    In meinen Augen hat kein Staat aufgrund einer nicht aberkennbaren Menschenwürde (eine Idee, die erstmals die vielgescholtenen USA überhaupt erst verfassungsmässig formuliert hat und zu den grössten zivilisatorischen Leistungen überhaupt gehört!), die auch für Mörder und Straftäter gilt, das Recht über Tod und Leben seiner Mitbürger zu entscheiden.
    Ich muss aus einem Mörder keinen Unschuldigen machen, ich muss nichts mit Rausch versuchen weg zu erklären oder die berühmte „schwere Kindheit“ bemühen.
    Mir reicht es, dass es sich immer um einen Menschen handelt.

    Die Idee der Menschenwürde prüft sich nämlich gerade daran, dass sie auch dem Täter und dem Mörder zusteht. Sie ist nichts, was man verdienen muss oder verlieren kann.
    Andernfalls wäre es nur ein schales Wort.

  2. Also auch Du schreibt:

    Sehr nett von Euch!

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