Feature zum ‚Internationalen Tag gegen die Todesstrafe‘ am 10. Okt.

Wer ohne Schuld ist der werfe den ersten Stein!

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Todesstrafe aus der Sicht eines sehr jungen Menschen (14)

Dieser Satz aus der Bibel trifft wie ein eben solcher Stein ins Schwarze. Ja, wer ist ohne Schuld… Wer hat nicht einen schweren Fehler in seinem Leben begangen? Ist nicht schon mal „ausgerastet“ oder hat seinem Gegenüber schlimmes gewünscht? Es ist diese zentrale Frage, die „uns“ von „denen“ im Todestrakt eben nicht trennt.

Ein jeder von uns hat in seinem Leben Schuld auf sich geladen. Nicht alles war wieder gut zu machen. Und doch manches konnten wir reparieren oder wenigstens den Schaden schmälern. Und ja, viele von uns haben schon gedacht: „Diesen Verbrecher sollte man töten!“. Die wenigsten von uns kennen dabei die genauen Hintergründe. Was für ein Mann oder eine Frau war das? Wie sah seine Kindheit aus? Wie kam es zu der Tat? Und vor allem, wie denkt der Täter in 20 Jahren darüber und welche Schlüsse und Konsequenzen wird er für sich daraus ziehen…

Die Todesstrafe scheint ein Reflex aus grauer Vorzeit zu sein

Über ihre Geschichte haben wir uns meist keine Gedanken gemacht. Damals wurden Menschen geopfert um die Götter gnädig zu stimmen. Um mit dem Opfer uns von unserer eigenen Schuld zu befreien. Indem wir „den da“ töten, grenzen wir uns von ihm ab. Machen ihn zum Unmenschen, der nicht mehr zu uns, zu denen die ohne Schuld sind, gehört. Wir betrachten sein Verbrechen isoliert von uns. Es ist etwas „womit wir nichts zu tun haben“. Und indem wir uns dem Täter entledigen, entledigen wir uns unserem eigenen Anteil, an seiner Tat.

Denn, was haben wir denn „damit“ zu tun! – „Wir sind keine Monster! Wir sind Menschen! – Er ist das „Monster!“ – Und wir übersehen dabei, dass wir selbst zu Mördern werden, wenn wir ihn töten. Das gelingt uns nur, weil wir dem Täter alles Menschliche absprechen. Ihn zur Bestie erklären und ihn somit aus der menschlichen Gemeinschaft ausstoßen…

Der Täter ist in unserer Gesellschaft aufgewachsen

Er wurde von unserer Gesellschaft geformt. War eingebunden in „unsere“ Vorstellung davon, was richtig und falsch ist, was gut und schlecht ist. Wir erzogen ihn mit unserer Moral und unseren Werten. Dabei scheinen diese Werte und Moral für uns so selbstverständlich, als wären sie schon immer da gewesen… Wir hinterfragen sie kaum…

Was würde wohl ein Ureinwohner Papuas zu unseren Lebensvorstellungen sagen. Vieles aus unserem Leben erscheint anderen Kulturen nicht nur absurd, sondern oft sogar als Verbrechen… Und so lösen sich vielleicht unsere heiligen Werte in Luft auf, wenn wir es zulassen würden sie zu hinterfragen.

Irgendwo wissen wir alle, dass unser Leben falsch ist

DETLEF - Death Penalty for the fucking Death Penalty002Dass es das Gegenteil von dem ist, was die Natur für uns vorgesehen hat, mal vorausgesetzt sie könnte denken. Wir vernichten unseren Planeten. Blasen mit unseren Autos Abgase in die Luft und tun eben solches mit unseren Fabriken. Wir fliegen in Massen um die Welt und nennen das Urlaub, dabei wissen wir genau, dass wir mit diesem Verhalten unseren Kindern eine kranke Welt hinterlassen.

Wir produzieren Unmassen von überflüssigen Konsumartikeln und lassen es zu, dass unsere Kinder durch die allgegenwärtige Werbung verführt, ja vergewaltigt werden, all diesen Müll zu kaufen… Ein jeder kann sich hier seine eigenen Gedanken machen und sie hinzufügen, zu viel fällt dem Autor dazu ein, als das es hier Platz finden könnte.

Ja! – Wir sind schuldig!
Und irgendwo in unserem Hinterkopf wissen wir es auch. Und darum muss „der da“ sterben. Wir fesseln ihn ans Kreuz und lassen ihn elend verrecken… In der unbewussten Hoffnung damit frei von unserer eigenen Schuld zu werden.

Mörder sind meist ganz normale Menschen

Mir stellte sich die Frage der Todesstrafe gegen Ende der 1970er Jahren, als ich beruflich Kontakt mit zwei Mördern hatte. Ganz anders, als ich es mir damals vorstellte, erlebte ich sie als Menschen. Ja als ganz normale Menschen. Es waren keine Bestien. Es waren Menschen die durch gewisse Umstände in eine Situation hineingeraten waren, in der sie einen schwerwiegenden Fehler begingen. Und sie litten furchtbar unter ihrer Tat.

In der Bundesrepublik ist die Todesstrafe abgeschafft und so erhielten sie Lebenslänglich, was hier die Höchststrafe für Mord darstellt. Nach 15 Jahren Haft, kann dann ein erstes Gnadengesuch gestellt werden. Und so hatten beide die Chance einen Neuanfang zu machen und in ihrem weiteren Leben noch viel Gutes zu tun, was beiden ein starkes Bedürfnis war, auch weil ihre Schuld auf ihrer Seele drückte.

Jahre Später wurde ich mit einem schlimmen Schicksal konfrontiert

Im Fernsehen lief Anfang der 1990er Jahre eine Dokumentation über einen Todestraktinsassen. Edward Earl Johnson war ein Mann, der sehr viel bewegt hat, indem er seine letzten 14 Tage mit einem TV-Team teilte. Das Fernsehteam begleitete ihn bis kurz vor seine Hinrichtung in der Gaskammer am 20. Mai 1987… (Filmtitel: Fourteen Days in May / 14 Tage im Mai) Ich sah diese Dokumentation im Fernsehen und war tief betroffen von Edward Earl Johnson, wie er bereit war seine Hoffnung, sein Leid, seine Ängste mit uns zu teilen, um damit ein Zeichen zu setzen gegen diese unmenschliche Todesmaschinerie.

Am Ende des Berichts, als sich das TV-Team von ihm verabschiedete, kurz bevor sie ihn umbrachten, brach ich in Tränen aus und konnte kaum aufhören zu weinen… Irgend ein Impuls lies mich in diesem Zustand in mein Tonstudio gehen, zu einer Gitarre greifen und so schrieb ich das Lied “Freund”, das auf meiner Solidaritäts-CD für Lancelot Armstrong zu hören ist. Der Text dieses Liedes handelt von einer Freundschaft und dem Gefühl alles tun zu wollen um einen Freund zu retten, ihn wiederzusehen.

Dieses Lied begleitet mich nun seit Jahrzehnten. Das Musikstück ist durch Edward Earl Johnson entstanden und führte mich letztendlich zu meinem heutigen Brieffreund Lancelot Armstrong, für den ich mit meinem Mitstreiter Kai Friedrich kämpfe… Durch Edward hat mich das Thema Todesstrafe nicht mehr los gelassen und neben vielen Briefen, in denen ich um Gnade bat für Todeskandidaten, reifte in mir der Wunsch mehr tun zu wollen.

Lancelot Armstrong seit 1991 im Todestrakt von Florida

Lancelot Armstrong

Lancelot Armstrong

Lancelot Armstrong wurde 1963 in Jamaika geboren und ist in den 1980′er Jahren in die USA übergesiedelt. 1990 soll er einen Polizisten erschossen und einen weiteren schwer verletzt haben. Für diesen Mord wurde er 1991 zum Tode verurteilt. Er selbst bestreitet die Tat! Die Hauptzeugin, Kay Allen, wurde durch die Untersuchungsbeamten unter Druck gesetzt und belastete ihn, zog jedoch später ihre Aussage wieder zurück und entlastete so Lancelot Armstrong! – Laut ihrer Aussage vor Gericht soll Wayne Coleman der Täter sein.Auf der Suche nach einem Brieffreund, der im Todestrakt ist, lernte ich Lancelot Armstrong durch eine Organisation kennen, die sich gegen die Todesstrafe einsetzte. Diesen Verein gibt es nicht mehr, aber meine Freundschaft zu Lancelot ist geblieben.

Und tatsächlich sagte die Freundin Colemans in einem Interview mit der Zeitung SunSentinel, am 30. April 1990, dass ihr Freund Wayne Coleman ihr gestanden hat: Er müsse abhauen, denn er habe eine großen Fehler gemacht. Er habe zwei Polizisten erschossen.

Es würde hier zu weit führen, die ganzen Details zu erklären, ich gehe jedoch davon aus, dass Lancelot Armstrong unschuldig hingerichtet werden soll. Und dies ist nichts ungewöhnliches, denn immer wieder werden Fälle bekannt, in denen Menschen unschuldig im Todestrakt in den USA waren.

Hier einige Beispiele dafür:

Lancelot Armstrong hatte kein faires Verfahren

Auch im Fall von Lancelot wird deutlich, was in vielen Teilen der USA, so auch in Florida wo Lancelot Armstrong verurteilt wurde, Rechtsprechung bedeutet. Denn selbst wenn Lancelot Armstrong die ihm vorgeworfenen Tat begangen hätte, so hat er kein faires Verfahren bekommen. Sieht man allein die Gutachten, die teils vom Gericht nicht mal zur Kenntnis genommen wurden, wäre eins auf jeden Fall klar. Er hätte niemals zur Höchststrafe verurteilt werden dürfen.

Lancelot wuchs in der Armen-Siedlung „Martha Brea“ mit vier Geschwistern in Jamaika auf. Das Leben dort war hart. Wasser mussten die Kinder von einem Standrohr auf der Straße holen und in Öl-Trommeln lagern. Die Ernährung der Kinder bestand im wesentlichen aus Obst, Bananen, der Frucht des Brotfruchtbaumes und Fisch aus dem Fluss unter dem Haus. Gekocht wurde auf einem primitiven Kohle-Herd mit Hilfe von Lack-Dosen.

Als Lancelot noch ein kleiner Junge war, heiratete seine Mutter einen Alkoholiker, der fortan gegenüber den Kindern sehr gewalttätig war. Für die Züchtigung der Kinder hatte er eine spezielle Schlaufe, die er immer bei sich trug. Körperliche Züchtigung war zu dieser Zeit normal in Jamaika, aber die Brutalität die Lancelot ertragen musste ging extrem weit über das „übliche“ hinaus.
Mit fünf Jahren hatte Lancelot bereits mehrere Traumata am Kopf durch Verletzungen. Sein Vater kam oft völlig betrunken nach Hause, erbrach sich und wurde ohnmächtig.

  • Lancelot wurde auch von seiner Mutter, Tante und Großmutter
    „diszipliniert“, welche mit ihm im selben Haus wohnten. Dabei haben sie ihn
    mit Gürtel und Peitsche geschlagen.
  • Lancelot blieb mit seinem gewalttätigen Vater, der Tante und der
    Großmutter allein zurück, als seine Mutter sich entschloss in die Hauptstadt
    Kingston zu gehen, um dort als Krankenschwester zu arbeiten, in der
    Hoffnung, dass es der Familie dadurch besser gehe.
  • Durch die Mangelernährung und die ständigen Misshandlungen entwickelte
    der kleine Lancelot die seltene Krankheit „Pica“. Eine Krankheit die meist
    vernachlässigte und misshandelte Kinder betrifft. An Pica erkrankte essen
    Dinge die nicht als Nahrung geeignet sind. Lancelot aß Lehm, Schmutz, Kalk
    und Sand, aber auch Farbreste und Hühnerkot. Er begann seinen Kopf gegen die
    Wand zu schlagen, bis er zu bluten anfing. Dies tat er meist nachdem er
    verprügelt wurde. Dadurch hatte er häufig Kopfschmerzen und Nasenbluten, was
    ihn jedoch nicht dazu veranlasste mit diesen Selbstverletzungen aufzuhören.
  • Die Schule war reine Folter für das Kind. Aufgrund der Misshandlungen
    hatte Lancelot eine schwere Lernbehinderung entwickelt und Stotterte beim
    Sprechen. Auch in der Schule hatte er häufig Nasenbluten und „Ausfälle“ in
    der Form, dass er auf den Boden fiel und sich hin und her rollte, wobei sich
    sein Körper unkontrolliert schüttelte. Dies alles trug dazu bei, dass die
    anderen Kinder sich von ihm abwandten und er vollkommen isoliert war.
  • Er litt unter häufigem Erbrechen, Durchfall und Magenschmerzen, was ihn
    oft daran hinderte die Schule zu besuchen, wodurch er zusätzlich Probleme
    hatte in der Schule noch mitzukommen.
  • In den 1960er Jahren wurden die Schulen in Jamaika gnadenloser und
    grausamer. Kinder mit Lernproblemen wie Lancelot, wurden „Dummköpfe“ genannt
    und mussten in der Ecke sitzen, wurden aber auch auf andere Weise
    gedemütigt. Körperliche Züchtigung von Kindern mit Lernproblemen durch die
    Lehrer war an der Tagesordnung. Lancelot wurde in der Schule mit Peitsche
    und Gürtel geschlagen. Dabei hielten die Lehrer ihn meist an einem seiner
    Arme fest und schlugen auf ihn ein. Kinder wurden damals für jede ihrer
    „Behinderungen“ geschlagen. Für Lancelot der an Krampfanfällen, Nasenbluten,
    Stottern litt und der für sein Alter sehr klein war, gab es da keine Chance.
  • Lancelot wurde in der Schule als „Dummkopf“ geschlagen und danach zu
    Hause für seine angebliche „Faulheit“, weil er in der Schule nicht mitkam.
  • Lancelots Bruder Harlo, versuchte ihm teilweise beim Lernen zu helfen,
    dennoch war auch diese Beziehung nicht konfliktfrei. So versuchte Harlo ihn
    einmal mit einem Messer zu erstechen, wodurch Lancelot mehrere Monate im
    Krankenhaus verbringen musste. Sein Onkel und sein älterer Bruder Danny
    ertränkten Lancelot fast in einem Wasserfass. Als ihn seine Großmutter aus
    dem Wasser zog war er bewusstlos und blutete aus den Ohren. Auch verlor
    Lancelot zwei seiner Finger, als sein Bruder Danny Zuckerrohr mit einer
    Machete schnitt, wobei er Lancelots Finger amputierte.
  • Trotz allem war Lancelot ein guter Schwimmer. Und obwohl er so klein
    war, wurde er immer wieder damit beauftragt Leichen von Ertrunkenen aus dem
    Fluss „Martha Brae“ zu bergen, der hinter dem Haus seiner Familie
    vorbeifloss. Der Fluss war recht wild und so ertranken damals mehrere
    Menschen, meist Kinder, die Lancelot bergen musste. Manche lagen schon seit
    Tagen im Wasser und waren entsprechend aufgebläht und geschwollen. Dies war
    für Lancelot sicher ebenfalls traumatisierend, denn zu dieser Zeit war er
    noch ein Teenager.
  • 1977, als Lancelot 15 Jahre alt war, gab es in Jamaika einen gewaltsamen
    politischen Aufstand in der Stadt Falmouth, ca. 6 Meilen von seinem Wohnort
    entfernt. Es gab Ausschreitungen und Schießereien. Es wurde eine
    Ausgangssperre verhängt, aber der Umbruch ließ sich nicht aufhalten.
  • Als Lancelot 16 Jahre wurde, wanderte seine Mutter allein in die USA aus
    und ließ ihn bei seiner Großmutter zurück.
  • 1980, als Lancelot 17 Jahre alt war, wurde in Jamaika neu gewählt und
    diese Wahlen waren recht gewaltsam und turbulent. Die beiden politischen
    Parteien stahlen Wahlurnen, in denen sie viele Stimmen der Gegenpartei
    vermuteten. Lancelot wurde dazu verpflichtet Wahlurnen zu schützen und er
    war sehr erschrocken von der Tatsache, dass er auch dabei getötet werden
    könnte.

Zu dieser Zeit, lebten die Menschen in ständiger Angst vor der Polizei. Mit 19 Jahren verhaftete die Polizei ihn wegen eines angeblichen Raubes, den er aber nicht begangen hatte. Dennoch wurde er mehrere Monate in Untersuchungshaft gesteckt und von der Polizei gefoltert. Sie schlugen ihn mit einem Hammer auf seine Zehen und auf die Unterseite seiner Füße. Auch schlugen sie auf seine Genitalien ein, an die sie Gewichte gebunden hatten. Sie fügten ihm Elektroschocks mit Kabeln zu und schlugen ihm einen seiner Zähne aus. Er wurde jedoch nie verurteilt und schließlich aus der Haft entlassen.

Es gab viele Zeugen, die über Lancelots elende Kindheit und Jugend ausgesagt haben. Darunter auch mehrere Gutachter, die über Lancelots Kopfverletzungen, seine kognitiven Defizite und Dysfunktionen von Teilen seines Gehirns berichteten. Keiner dieser wichtigen Zeugen wurde jemals von seinen Verteidigern oder dem Gericht in den Zeugenstand gerufen. Noch wurden diese Fakten den Geschworenen mitgeteilt!

Dr. Antoinette Appel, forensische Neurospychologin, bezeugte, dass Lancelot eine bedeutende Geschichte von Hirntraumata und schweren Anfällen hat, einschließlich einem Trauma das bei seiner Geburt entstanden ist. Sie bescheinigte ihm Hämatome im Gehirn und Hirnblutungen im Alter von fünf Monaten, als auch bei seinem fast Ertrinken im Altern von 9 Jahren im Wasserfass und als er im Alter von elf Jahren mit einem Stein auf den Kopf geschlagen wurde, sowie bei einem Fahrradunfall im Alter von 16 und bei mehreren Autounfällen mit Bewusstlosigkeit. Weiter wies Frau Dr. Appel darauf hin, dass die letzte schwere Kopfverletzung im November 1989, also kurz vor dem ihm vorgeworfenen Mord, bei einem Autounfall stattgefunden hatte. In diesem Zeitraum hatte Lancelot Hypo-Stoffwechsel, was bedeutet, dass sein Gehirn nicht richtig durchblutet wurde und dadurch nicht richtig arbeiten konnte. Auch bezeugte sie Lancelots verminderte neurokognitiven Fähigkeiten, die durch seinen Konsum von bleihaltiger Farbe in seiner Kindheit, durch seine Erkrankung an Pica, noch verschärft wurden.

Die Untersuchung durch den Psychiater Richard Dudley ergab, das Lancelot unter mehreren neuropsychiatrischen Problemen litt, einschließlich langanhaltender kognitiver Defizite infolge von traumatischen und genetischen Faktoren. Auch bezeugte er, dass Lancelot von seinen Betreuern wiederholt vernachlässigt und körperlich misshandelt wurde, wodurch viele seiner Symptome entstanden sein könnten. So leide er unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und chronischen Depressionen, aber auch Pica sei dadurch bei ihm dadurch entstanden. Dr. Dudley erklärte, dass der Schaden in Lancelots Frontallappen kognitive Beeinträchtigungen verursacht, die ihn bei der Fähigkeit Entscheidungen zu treffen behindern. Dudley führt weiter aus, dass diese „Behinderung“ ihn nicht befähigte sich immer im Rahmen der Gesetze zu verhalten. Darüber hinaus litt Lancelot unter einer extremen emotionalen Störung zum Zeitpunkt des ihm vorgeworfenen Verbrechens.

Die Neuropsychologin Dr. Terry Goldberg führte an Lancelot eine Reihe von neuropsychologischen Tests durch, sowie einen Intelligenztest. Die Testergebnisse bestätigten, dass Lancelot an einer schweren Beeinträchtigung seines Frontallappens leidet, wodurch er grundlegende Defizite bei der Informationsverarbeitung hat. Weiter bestätigten die Tests eine kognitive Dysfunktion und Probleme mit seinem Arbeitsgedächtnis und begrenzte Sprachkenntnisse. Der IQ-Test ergab lediglich einen IQ von 77. Sie meinte, dass eine Person mit solch großen Schwierigkeiten in Stress-Situationen, wie sie bei Kriminalität vorkommen, schwere Beeinträchtigungen bei ihren Impulsreaktionen hat. Sie bestätigte, dass diese Beeinträchtigungen ursächlich an seinen Hirnschäden liegen, wenn sie auch nicht auf dem EEG auftauchen würden.

Dr. Thomas Hyde, verhaltensbezogener Neurologe, bezeugte ebenfalls erhebliche organische Hirnfunktionsstörungen bei Lancelot, einschließlich Frontallappen, Scheitellappen und Temporallappen-Dysfunktion. Nach Dr. Hyde ist der Frontallappen der wichtigste Teil des Gehirns für die Regulierung des Verhaltens. Menschen mit einer Frontallappendysfunktion leiden häufig an Urteilsbeeinträchtigungen, Argumentationsproblemen und neigen zu unangemessenen emotionalen Reaktionen in schwierigen Situationen. In Kombination mit einer Temporallappendysfunktion wird der Argumentationsprozess und die Impulsivität behindert, was zu einer Abwesenheit von Rechtsempfinden führt, sowie Vernunft und Einsicht in Stress-Situationen vermindert.

Dr. Gunst, die einen Bachelor-Abluss in Geschichte und einen Master in lateinamerikanischer Geschichte hat, kennt sich speziell in Sachen Jamaika aus und lebte von 1984-1986 in dort. Sie bezeugte, dass Lancelot schweren seelischen Schaden erlitten hat, durch seine Kindheit in dem Inselstaat. Auch bestätigte sie die Polizeigewalt, Armut und körperlichen Misshandlungen die Lancelot zu Hause und in der Schule erlitten hat. Vor ihrem Zeugnis hatte sie Datensätze studiert, mit Familienmitgliedern von Lancelot gesprochen und Lancelot selbst interviewt. Sie bestätigte die bittere Armut in der Lancelot aufwuchs und dass seine Schulausbildung reine Folter war, weil seine Lernbehinderung nicht erkannt und er dort regelmäßig körperlich gezüchtigt wurde, auch dass er zu Hause immer wieder geschlagen wurde, in einer Art und Weise, die weit über das hinaus ging was damals in Jamaika üblich war.
Dr. Gunst bezeugte ebenfalls die politische Gewalt in Jamaika zu jener Zeit, der gerade auch die Jugend ausgesetzt war, denn sie mussten oft die Wahlurnen bewachen und viele von ihnen wurden dabei erschossen. Ebenfalls bestätigt sie die enorme Brutalität der Jamaikanischen Polizei. Die Polizei war damals berüchtigt für Mord und andere Gewalttaten. Lancelot selbst war Opfer dieser Polizeigewalt und wurde in deren Gewahrsam gefoltert, dabei waren seine Erfahrungen übermäßig, selbst nach den Maßstäben dieser Tage.

Einen solchen Menschen zu Tode zu verurteilen hat mit Rechtsprechung nichts zu tun. Vielmehr scheint bei dem Urteil die Tatsache, dass es sich bei dem Opfer um einen weißen Polizisten gehandelt hat und Lancelot Armstrong ein Schwarzer ist, eine wesentliche Rolle gespielt zu haben. Dabei verurteilte die Jury ihn nicht einstimmig, sondern mit 9 gegen 3 Stimmen, was allein schon in anderen Bundesstaaten der USA automatisch die Todesstrafe ausgeschlossen hätte, nicht jedoch in Florida.

Die Initiative ‘Hilfe für Lancelot“

ihfl_logo_pditIm Frühjahr 2012 gründeten mein Mitstreiter Kai Friedrich und ich die IHfL, ‘Initiative ‘Hilfe für Lancelot’. Wir setzen uns für die Abschaffung der Todesstrafe ein, unabhängig von der Schuldfrage, da eine Hinrichtung weder die Opfer des Täters wieder lebendig macht, noch, wie Statistiken zeigen, die Zahl der Gewaltverbrechen vermindert. Eine Hinrichtung bedeutet aber wieder neues Leid, in diesem Fall für die Angehörigen und nahestehenden Personen des Exekutierten und den Gefangenen selbst. Besonderen Fokus setzen wir dabei auf die Todesstrafe in den USA. Bereits in der frühen Phase wurde unsere Arbeit vom Verein GFS-Kassel unterstützt).

Unser Arbeitsschwerpunkt liegt bei Lancelot Armstrong, der seit 1991 in der Todeszelle in Raiford/Florida auf seine Hinrichtung wartet muss. Wir stehen im regelmäßigen Kontakt mit Lancelot Armstrong und seiner Mutter. In möglichst regelmäßigen Abständen schicken wir ihm Geld, das wir als Spenden gesammelt haben, damit er sich davon besseres Essen kaufen kann, denn die Nahrung im Todestrakt ist mehr als minderwertig und macht viele Gefangene krank ( siehe Lancelots Bericht aus der Todeszelle: www.lancelot-armstrong.de/stf-insight.htm ). Aber er kauft sich davon auch Materialien für seine Gemälde die er malt. Seiner verarmten und schwer kranken Mutter konnten wir in den letzten zwei Jahren die teure Reise dank unserer Spendensonderaktionen finanzieren, so dass Lancelot Armstrong seine Mutter nach vier Jahren endlich wieder in die Arme nehmen konnte. Auf unserer Webseite lancelot-armstrong.de haben wir viele Möglichkeiten für Spenden geschaffen, um Lancelot zu helfen.

Neben Infoständen in der Innenstadt von Kassel, wobei wir Spenden und Unterschriften sammeln, sind wir umfangreich im Internet aktiv, um auf seine schreckliche Situation aufmerksam zu machen und letztendlich eine Wiederaufnahme seines Verfahrens zu erreichen.

Mittlerweile betreiben wir auch ein Nachrichten-Blog zum Thema Todesstrafe. Dort berichten wir über aktuelle Fälle und Entwicklungen und versuchen immer wieder Menschen dazu zu bewegen sich für Todeskandidaten einzusetzen, deren Hinrichtungstermin feststeht. Natürlich schreiben wir im Blog auch immer wieder über Lancelot Armstrong und er selbst kommt dort persönlich zu Wort.

In folgenden Bereichen des Internets ist die IHfL aktiv:

Webseite : www.lancelot-armstrong.de

Kunstgalerie: armstrongkunst.wordpress.com

Nachrichten-Blog: lancelotarmstrong.wordpress.com

Facebook: www.facebook.com/lancelot.armstrong.5

YouTube: www.youtube.com/channel/UCcPYFzSYGOwUxe6rmMV-0mQ

Twitter: https://twitter.com/IHfLpeter

Seit einiger Zeit haben wir auch ein Kunstblog online gestellt, in dem Lancelot Armstrongs Gemälde ausgestellt sind. Sie können gegen Spende für ihn erworben werden, denn hunderte seiner Werke hat Lancelot Armstrong uns mittlerweile nach Deutschland geschickt.

Niemand hat den Tod verdient, zur Not gäbe es normale Haftstrafen, und Lancelot sowie viele andere Todeskandidaten in den USA wären, selbst wenn sie schuldig sind, in Deutschland schon längst wieder frei!

Die IHfL stellt sich auf die Seite aller zum Tode Verurteilten, egal ob schuldig oder nicht, denn es sind Menschen. Wenn es um die Todesstrafe geht, werden wir immer klar Partei ergreifen…

IHfL
Peter Koch

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Über www.lancelot-armstrong.de

Nachrichtenblog der Initiative 'Hilfe für Lancelot (IHfL) www.lancelot-armstrong.de
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