Henker berichtet

Späte Einsicht nach 1/4 Jahrhundert

Henker gegen Todesstrafe

hkslJerry Givens hat im Namen des Volkes getötet. So zumindest lauten die Todesurteile, als wenn jeder einzelne des Volkes zugestimmt hätte. Das ist in den USA aber längst nicht mehr so. In den 80er Jahren gab es noch eine Breite Zustimmung für die Todesstrafe von 80 Prozent in den USA, diese Bejahung der Hinrichtung durch den Staat hat bis heute auf 60 Prozent abgenommen, so das Ergebnis der Gallup-Untersuchungen.

In seinen Träumen besuchen Jerry Givens (61) heute die 63 Menschen, die er als Henker exekutiert hat. Am Tage wird der Henker von dem Gedanken verfolgt, er könnte einen Unschuldigen getötet haben. So unschuldig wie z.B. Earl Washington Jr., er saß wegen Mord und Vergewaltigung 17 Jahre in der Todeszelle und wurde 2001 aufgrund eines DNA-Tests wieder in Freiheit entlassen.

Givens sagt, er wäre kein bisschen besser als die Leute im Todesstrakt, wenn er eine unschuldige Person hingerichtet hätte. Und dies ist nicht weit hergeholt, denn nach einer Studie der Universität Michigan wird der Anteil der unschuldig Verurteilten auf ca. 4 Prozent geschätzt, bei 7482 Todersurteilen. DNA-Tests wurden 1989 zugelassen und 316 Verurteilte  seit dem auf freien Fuß gesetzt. Davon waren ungefähr die Hälfte Todestraktinsassen.

Offensichtlich haben diese Fehlurteile zu einem Stimmungswandel bei einigen bisherigen Todesstrafenbeführwortern geführt.

Dies ist auch bei dem ehemaligen Henker von Virginia der Fall. Zunächst arbeitete er als Gefängniswärter und meldete sich dann freiwillig als Henker. Es sagt, er wäre davon ausgegangen, dass diese Leute den Tod verdient hätten, denn er hatte in der Jugend erlebt, wie ein Bewaffneter auf eine Party stürmte und dort das Mädchen tötete, mit der er tanzen wollte.

Als er das erste mal eine Exekution durchführte, im Jahr 1984, erinnerte er sich an die damalige Bluttat. Sein damaliges Opfer Linwood Briley, ein Mann der wegen mehrfachem Mord verurteilt war, bat darum noch kurz vor der Hinrichtung getauft zu werden. Briley kniete neben seinem Henker nieder und empfing die Taufe. Dann schnallte Givens ihn auf dem elektrischen Stuhl fest und verließ den Raum. Er erzählt, dass das Schwierigste der Rollenwechsel war, vom Wärter zum Vollstrecker. Es wäre eine absurde Situation gewesen, den Menschen zu töten, für den er gerade eben noch gebetet hatte. Doch der Henker versuchte den Mann zu vergessen und konzentrierte sich auf sein „Handwerk“. Er erzählt, dass bei einer so starken Elektrizität Rauch und Flammen austreten können und er absolut sicher sein wollte, dass die Strommenge ausreiche. Dann beobachtet er durch ein Fenster, dass der Körper Brileys sich verkrampft und zuckt… 1990 wurde in Virginia die Elektrokution abgeschafft. Seitdem werden in den gesamten USA die Todeskandidaten meist mit der Giftspritze hingerichtet. Aber auch diese Hinrichtungsmethode zeigt immer wieder, dass sie zur schrecklichen Qual für die Verurteilten werden kann. Siehe z.B.: http://wp.me/p2X1th-aa

Grausame Menschenexperimente

Die für die Hinrichtung durch Injektion nötigen Medikamente werden aber immer knapper, denn diese Medikamente wurde ja eigentlich dafür entwickelt um Leben zu schützen. Aus diesem Grund hat der US-Hersteller Hospira 2011 die Produktion in den USA eingestellt. Die EU verhängte zur gleichen Zeit ein Ausfuhrverbot. Dies führt wiederum dazu, dass die US-Staaten grausame Menschenexperimente an den Todeskandidaten vollziehen, zu menschenverachtenden Hinrichtungen, in denen die Verurteilten zu Tode gequält werden, da mit nicht erprobten Drogen experimentiert wird. Ein weiteres Beispiel: http://wp.me/p2X1th-72

Wieder Erschiessung und Elekrokution ?

Nun überlegen einige Bundesstaaten wieder zu älteren Hinrichtungsmethoden zurückzukehren. Missouri, Utah und Wyoming ziehen Erschießungen wieder in Betracht und Tennessee setzt wieder auf den elektrischen Stuhl. Der ehemalige Henker Jerry Givens meint, dies sei keine gute Idee und fügt leidenschaftlich hinzu, dass man sich vorstellen solle, was die Augenzeugen ertragen müssten, wenn aus dem Körper des Verurteilten Rauch und Feuer komme. Dies äußerte er in einem leidenschaftlichen Appell bei einer Anhörung, in der Hoffnung die Gesetzgeber damit zu einem Umdenken zu bewegen.

Seit 2007 haben sechs Bundesstaaten die Todesstrafe abgeschafft. Es ist zu hoffen, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Falschen Beruf ergriffen…

Auch Givens hofft dies, denn er selbst wurde zum Gegner der Todesstrafe, als ihn selbst ein Fehlurteil traf. Er hatte mit einem Freund ein Auto gekauft. Das Auto wurde mit Geld bezahlt, das aus Drogengeschäften stammte. Givens beteuert, dass er da von nicht gewusst habe. Dennoch wurde er für 4 Jahre dafür ins Gefängnis gesperrt. So habe ihn Gott, zur Einsicht gebracht, dass sein Tun falsch war. Auf die Frage hin, was er ändern würde, wenn er könne, sagte Givens, dass er bedauere, den falschen Beruf ergriffen zu haben.

Peter Koch

 

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Eine Antwort zu Henker berichtet

  1. freiedenkerin schreibt:

    Hat dies auf Freidenkerin's Weblog rebloggt und kommentierte:
    Ein ehemaliger Henker in den USA spricht. Ich empfehle die Lektüre dieses Posts all jenen, die so wild darauf sind, hier in Deutschland wieder die Todesstrafe einzuführen.

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