USA: Erste Hinrichtung durch den Bund seit 17 Jahren im Juli

usa_death_penalty3Die USA wollen am 13. Juli 2020 einen Gefangenen des Bundes hinrichten. Seit dem Jahr 2003 wurde niemand mehr durch die Bundesregierung exekutiert. Bei dem Verurteilten handelt es sich um Daniel Lewis Lee, der für die Ermordung einer dreiköpfigen Familie, darunter ein 8 jähriges Kind, im Jahr 1996 zum Tode verurteilt wurde.

Gemeinsam mit einem Komplizen, Chevie Kehoe, soll Lee in das Haus ihrer Opfer eingedrungen sein. Nachdem sie die Opfer ausgeraubt und mit einem Elektroschocker betäubt hatten, bedeckten sie ihre Köpfe mit Plastiktüten, versiegelten die Tüten mit Klebeband, beschwerten jedes Opfer mit Steinen und warfen die dreiköpfige Familie in den Bayou von Illinois. Kehoe und Lee wurden im September 1997 verhaftet. Die Geschworenen empfahlen für Lee die Todesstrafe und für Kehoe lebenslängliche Haft.

In einer Mitteilung an die Medien schrieb Generalstaatsanwalt William P. Barr: „Das amerikanische Volk, das durch den Kongress…handelt, hat seit langem angeordnet, dass Angeklagte, die für die abscheulichsten Verbrechen schuldig befunden wurden, zum Tode verurteilt werden sollen… Wir sind es den Opfern dieser schrecklichen Verbrechen und den zurückgelassenen Familien schuldig, das von unserem Justizsystem verhängte Urteil auszuführen.“

Laut einem Bericht auf DEATH PENALTY INFORMATION CENTER bitten Familienangehörige der Opfer um Gnade für Daniel Lewis Lee. Insofern begründet der Generalstaatsanwalt die bevorstehende Hinrichtung mit dem Willen von Opferangehörigen, die diesen Willen ausdrücklich NICHT haben!

In einer Erklärung am Montag teilte Lees Verteidigerin Ruth Friedman mit: „Die Regierung hat Herrn Lee als einen weißen Rassisten und Kindermörder dargestellt. Beides ist nicht wahr. Er hat den Skinhead-Gruppen, denen er als Jugendlicher beigetreten war, schon lange abgeschworen, und die Regierung hat ihren Fall gegen Herrn Lee jetzt dramatisch umgestaltet; tatsächlich war ihr eigener Beweis bei der Verhandlung, dass er das Kind nicht ermordet hat. Es wäre von der Regierung skrupellos, Danny Lee hinzurichten.“

Jetzt hat der Supreme Court der USA eine entsprechende Berufung der Gefangenen abgelehnt, mit deren Hilfe die Bundeshinrichtungen gestoppt werden sollten.
Der Oberste Gerichtshof sagte am Montag, dass er sich nicht mit einer Berufung befassen werde, die von vier Todestraktinsassen eingereicht wurde, die versuchen, einen Beschluss des Untergerichts zu blockieren, der es der Trump-Administration erlaubt, mit den Hinrichtungen fortzufahren.

    • Dieses Jahr geplante Hinrichtungen durch die Bundesregierung der USA:
      13. Juli – Daniel Lewis Lee
      15. Juli – Wesley Ira Purkey
      17. Juli – Dustin Lee Honken
      28. August – Keith Dwayne Nelson

Wenn selbst Angehörige der Opfer sich für das Leben von Daniel Lewis Lee wird das Ziel der US-Regierung ihn zu töten zu einem reinen Racheakt des Staates. Anstatt der grausamen und sinnlosen Todesstrafe endlich ein Ende zu setzen, suhlen sich die Verantwortlichen im archaischen Prinzip von „Auge um Auge“… Und sind dabei blind dafür, dass Hinrichtungen eines zivilisierten Staates nicht würdig sind.

IHfL
Peter K.

Die Unterstützung der von uns betreuten Gefangenen, sowie unsere Arbeit gegen die Todesstrafe ist auf ehrenamtlicher Basis. Darum erbitten wir für unsere Arbeit Spenden. Unterstützt unseren Kampf gegen die Todesstrafe und unsere Betreuung von Lancelot Armstrong, der seit 1991 im Todestrakt von Florida einsitzt, sowie weitere Gefangene in anderen Todestrakten. Wer helfen möchte, klickt bitte einfach auf das folgende Bild:

Hier die direkte URL: https://www.ihfl.de/st-konto.htm

Quellen:
https://www.thv11.com/article/news/crime/execution-date-set-for-white-supremacist-convicted-of-killing-arkansas-family/91-3987ce65-2f8b-4235-9c56-226efb9a78a5
https://www.arkansasonline.com/news/2020/jun/16/federal-execution-set-in-96-slayings/?news
https://www.cnbc.com/2020/06/29/supreme-court-rejects-death-row-inmates-appeal-to-stop-federal-executions.html
https://deathpenaltyinfo.org/news/victims-family-members-ask-for-clemency-for-federal-death-row-prisoner-daniel-lewis-lee

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Verzeihen und Gnade – Eine Alternative zur Todesstrafe?

Ein Beitrag von Kai Friedrich

Einige Leute die für die Todesstrafe sind fordern zumindest bei „Schuldigen“ das Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“… Ihnen ist der Rachegedanke so wichtig, das sie oft einen alternativen Weg komplett übersehen… Den Weg des Verzeihens und der Gnade…

KLEIN - Against the Death Penalty - Todestrafe - Zeichnung - Drawing - Statue of Liberty - Freiheitsstatue (Kaivel_Comics) - www.lancelot-armstrong.de

Darum möchte ich euch heute einfach mal 2 Beispiele zeigen, das dieser Weg tatsächlich möglich ist.

Beispiel 1:
Opfer-Mutter verzeiht dem Mörder ihres Sohnes.


Eine Mutter vergibt dem Mörder ihres Sohnes… Ja, diese Frau beeindruckt uns total.. Obwohl ihr Erwachsener Sohn auf offener Strasse erschossen und ausgeraubt wurde von einen 14 Jährigen, geht diese Mutter einen Weg, der ungewöhnlicher kaum sein könnte… Sie verzeiht ihm, sieht ihm ins Gesicht und umarmt ihn und dann seine Mutter.

Rache ist nicht ihr weg. Im Gegenteil! Sie nimmt den Mörder ihres Sohnes in ihre Familie auf…  Respekt für diese tolle Geste!

VIDEO: „Mom Comes Face-To-Face With Her Son’s Killer“
„Mutter steht dem Mörder ihres Sohnes von Angesicht zu Angesicht gegenüber“
https://youtu.be/0Z5SGI5Jdns

Beispiel 2:
Opferfamillie will keine Todesstrafe für Frederick Baer…

Frederick Baer hat ein ziemlich heftiges Verbrechen begangenen, damals im Drogenrausch… Dennoch hat die Opferfamilie ihm nicht die Todesstrafe gewünscht !
Er fühlt sich bis heute Schuldig dafür, wie man auch in 3 wirklich guten Dokumentionen sehen kann…

ARTIKEL:
„Lebenslänglich für Frederick Baer“
https://lancelotarmstrong.wordpress.com/2019/08/13/lebenslaenglich-fuer-frederick-baer/

Artikel Bild

VIDEO 1: „Höchststrafe – Leben in der Todeszelle“
https://youtu.be/CYpZeYV8xEI

VIDEO 2: „Die Verurteilten – Warten auf dem Henker:
die_verurteilten-bild(selbst-erstellt)
https://www.welt.de/mediathek/dokumentation/video179570586/WELT-Doku-Die-Verurteilten-Warten-auf-den-Henker.html

VIDEO 3: „Fredrick Baer speaks from Death Row“ (leider nur in Englisch verfügbar)
https://youtu.be/1L4Zry4PmP0

Um wenigstens etwas wieder Gut zu machen, bei einer Sache wo man kaum etwas wieder gut machen kann, spendete er seine Haare für Krebskranke Kinder, wie wir erfuhren… Er schrieb sogar die Opferfamillie an und teilte ihnen mit das er die tat Aufrichtig bereue usw… Das Resultat: Die Opferfamille sorgte dafür das Frederick Baer nicht mehr hingerichtet wird, sondern nach vielen Jahren im Todestrakt Lebenslänglich erhielt… (siehe hier)

FAZIT:
Es gibt Menschen die in der Lage sind einen anderen Weg zu gehen, als den der Rache…
Den des Verzeihens, oder zumindest den Weg der Erkenntnis, dass man einen Mord nicht wiederum mit einem Mord sühnen sollte…

Somit verneige ich mich vor Menschen die dazu in der Lage sind… Dies zeigt aber auch, das ein anderer Weg möglich ist…. Und wenn man den Täter oder die Täterin hinrichten lässt, schafft man nur wieder neues Leid… Ob das wirklich sinnvoll ist? Zu was das „Auge um Auge, Zahn um Zahn“-Prinzip führt, kann man leider immer wieder an Beispielen der Blutrache sehen.

Ich denke Versöhnung, Verzeihen oder die Gnade ist der bessere Weg…

IHfL
Kai Friedrich…

PS: Eines noch, wir dürfen nicht vergessen das auch viele Unschuldige hingerichtet werden.
Siehe hier: https://lancelotarmstrong.wordpress.com/unschuldig/
Artikel 2


Wir bitten für unsere Arbeit um Spenden. Unterstützt unseren Kampf gegen die Todesstrafe und unsere Betreuung von Lancelot Armstrong, der seit 1991 im Todestrakt von Florida einsitzt, sowie weitere Gefangene in anderen Todestrakten. Wer helfen möchte, klickt bitte einfach auf das folgende Bild:

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Menschenrechtsverletzung: Mindestens 1300 Gefangene länger als 20 Jahre im Todestrakt

human-rights-violations-e28094-20-years-on-death-rowIn den USA sind mehr als 1300 Gefangene seit über 20 Jahren im Todestrakt. Wie das Death Penalty Information Center (DPIC) in einem Bericht mitteilt, verstoßen die USA damit gegen ihre eigenen Menschenrechtsverpflichtungen.(Stand 1. Januar 2020)

Fast ein Drittel der Todeskandidaten, deren Menschenrechte wegen einem solch langen Aufenthalt verletzt werden, befinden sich in  den Todeszellen von Kalifornien.

Laut DPIC wurden 191 Gefangene 20 Jahre oder länger nach dem Todesurteil hingerichtet. 13 Männer und Frauen waren über 20 Jahre in der Todeszelle, bevor sie wegen Unschuld entlassen wurden, was ebenfalls ihre Menschenrechte schwer verletzte. Insgesamt belegt der Bericht des DPIC mehr als 1.500 Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Todesstrafe durch US-Bundesstaaten und die Bundesregierung.

Kalifornien hat mit 429 Gefangene die meisten Menschenrechtsverletzungen, wegen der Inhaftierung seit über 20 Jahren, gefolgt von Florida, wo 192 Gefangene 20 Jahre und mehr im Todestrakt sind.
lance_armstrongEiner dieser Gefangenen, der seit 1991 in der Todeszelle von Florida eingesperrt wird, ist Lancelot Armstrong, der von der IHfL seit 2012 betreut wird. Wir möchten an dieser Stelle um Spenden für Lancelot Armstrong bitten, denn die Versorgung im Todestrakt von Florida ist vollkommen unzureichend. Wenn er sich nicht von Spenden Nahrung kaufen kann, ist seine Gesundheit stark gefährdet. Wir empfehlen dazu unsere kostenlose Broschüre „Eine ganz normale Nacht“. In dieser Broschüre ist u.a. auch ein sogenannter „Speiseplan“ aus dem Todestrakt von Florida abgebildet.
Achtung! – Wegen der teilweise grausamen Schilderungen, können wir die Lektüre dieses Heftes empfindlichen Menschen ausdrücklich NICHT empfehlen!

Die PDF kann < hier > geladen werden:

Das Heft im DinA5 Format kann bei uns, gegen eine kleine Kostenbeteiligung, bestellt werden – gerne auch mehrere Exemplare um sie weiterzugeben. Dazu sendet bitte einfach eine Nachricht an uns: info@ihfl.de

Es ist unglaublich wie schlecht die Gefangenen dort ernährt werden. Da Lancelot Armstrong nicht mal diesen vollen Speiseplan erhält, aufgrund seiner Glaubensrichtung, wurde das Wenige, das man ihm gibt, auf dem Speiseplan farbig gekennzeichnet. Jeder der sich DAS anschaut, wird begreifen, warum wir von Gesundheitsgefährdung sprechen.

Florida hatte mit 34 die meisten Menschenrechtsverletzungen bei der Hinrichtung von Gefangenen, die seit mindestens 20 Jahren in der Todeszelle saßen. Es folgt Texas mit 31, Georgia mit 28 und Alabama mit 20 Exekutionen.

Drei der Entlassenen – Paul Browning in Nevada, Henry McCollum in North Carolina und Glenn Ford in Louisiana – waren 30 Jahre oder länger in der Todeszelle, bevor sie freigelassen wurden.

Im Jahr 2018 erklärte die Interamerikanischen Menschenrechtskommission (IACHR) im Fall des Missouri Gefangenen, Russell Bucklew, der in der Todeszelle saß, dass „allein die Tatsache, 20 Jahre in der Todeszelle zu verbringen, … eine exzessive und unmenschliche“ Strafe ist. Im April 2020 stellte die IACHR zu diesem Thema fest, dass die 27-jährige Inhaftierung von Nvwtohiyada Idehesdi Sequoyah (ehemals Billy Ray Waldon) im Todestrakt von Kalifornien gegen die Menschenrechtsverpflichtungen der USA verstößt.

Die IACHR sagt, dass eine so lange Inhaftierung unter Todesdrohung eine „grausame, berüchtigte oder ungewöhnliche Bestrafung“ im Sinne der Amerikanischen Erklärung darstellt. Sie entschied, dass eine Hinrichtung nach einem so langen Zeitraum in der Todeszelle eine zusätzliche Menschenrechtsverletzung ist.

Das DPIC überprüfte das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen der USA, die sich aus der langen Haft in den Todeszellen ergeben. In ihrem Bericht stellt die DPIC fest, dass 1344 derzeitige Gefangene in 26 Todestrakten der US-Bundesstaaten, des Bundes oder des US-Militärs seit mehr als 20 Jahren inhaftiert sind und ihnen die Exekution droht. Mit den 191 Hinrichtungen, die von 20 Staaten mehr als 20 Jahre nach der ersten Verurteilung der Gefangenen zum Tode vollstreckt wurden, ergeben diese beiden Kategorien von Gefangenen in den Todestrakten insgesamt 1535 Menschenrechtsverletzungen durch die USA.

Leider sind diese Verletzungen der Menschenrechte durch die USA nichts neues. Offensichtlich halten sie sich schon lange nicht an ihre eigenen Gesetze. Ja, sie treten das US-Recht mit Füßen. Hoffnung macht die wachsende Anti-Todesstrafen-Bewegung in den USA – Geführt von kritischen US-Amerikanern die hoffentlich immer mehr werden…

IHfL
Peter K.

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Quellen:
https://deathpenaltyinfo.org/news/dpic-report-at-least-1-300-prisoners-are-on-u-s-death-rows-in-violation-of-u-s-human-rights-obligations
https://ihfl.de/Eine_ganz_normale_Nacht.pdf
https://en.wikipedia.org/wiki/Billy_Ray_Waldon
https://lancelotarmstrong.wordpress.com/2019/09/26/usa-kein-recht-auf-eine-schmerzfreie-hinrichtung/

https://ihfl.de/la/index.html
https://todesstrafe-info.de

 

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Todesurteil mit 18 Jahren – Hinrichtung am 8. Juli

Billy Joe WardlowTexas: Bereits am 29. April 2020 hatte Billy Joe Wardlow einen Hinrichtungstermin, der jedoch auf  Antrag des Staates auf den 8. Juli 2020 / 18 Uhr (Ortszeit) verlegt wurde, wegen den Problemen bezüglich der Covid-19 Pandemie.
Wardlow war 1995 wegen Mordes an dem 82-jährigen Carl Cole zum Tode verurteilt worden.

Billy Joe Wardlow war erst 18 Jahre alt, als er bei dem Versuch einen Wagen zu stehlen, den 82-jährigen Carl Cole tötete. Sein Anwalt versäumte wohl auf wichtige mildernde Umstände hinzu weisen und so lautete das Urteil: Todesstrafe.

Im November 2019 reichte Wardlow beim Texas Court of Criminal Appeals eine Berufung ein, die die Frage aufwirft, ob eine Jury eine verlässliche Entscheidung über die zukünftige Gefährlichkeit einer Person treffen kann, die zum Zeitpunkt des Verbrechens 18 Jahre alt ist. Im Jahr 2005 entschied der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in der Rechtssache Roper v. Simmons, dass es verfassungswidrig ist, ein Todesurteil gegen Personen zu verhängen, die zum Zeitpunkt der Straftat unter 18 Jahre alt waren.

Die moderne neurowissenschaftliche Forschung hat herausgefunden, dass die Gehirnbereiche für rationale Entscheidungen, Impulskontrolle und Urteilsvermögen erst ab Mitte 20 voll entwickelt sind. So ist es wohl kaum möglich vorherzusagen, inwieweit ein junger Mensch in Zukunft gefährlich ist.
In einem vom Austin American-Statesman veröffentlichten Meinungsartikel „Jugend verdient eine zweite Chance“, nicht die Todesstrafe“, schreibt Linda White: „Meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, dass Menschen, die als Jugendliche abscheuliche Taten begehen, zu Veränderungen fähig sind. Whites 26-jährige Tochter Cathy wurde von zwei 15-jährigen Jungen brutal vergewaltigt und ermordet“.

In einem Artikel, der im vergangenen Dezember in der Zeitschrift American Scholar veröffentlicht wurde, schreibt Lincoln Caplan, dass Wardlow in den 25 Jahren, die er in der Todeszelle verbracht hat, „im mittleren Alter zu einem vertrauenswürdigen, friedensstiftenden und in vielerlei Hinsicht vorbildlichen Häftling geworden ist“. Für Caplan „zeichnet sich Wardlow als jemand aus, dem das Rechtssystem wiederholt Unrecht zugefügt hat, insbesondere bei der Festlegung seiner Strafe“.

Seit 25 Jahren sitzt nun Billy Wardlow in seiner 1,83 x 2,44 Meter kleinen Zelle. Meist 23 Stunden lang. Ohne Sonnenlicht und ohne menschlichen Kontakt. Er hat damals den Mord gestanden. Und bereut seine Tat. In dieser Zeit ist er gereift und hat sich zum positiven entwickelt. Wenn sie ihn am 8. Juli in die Hinrichtungskammer führen, werden sie einen anderen Menschen ermorden, als er damals war mit 18 Jahren. – Einen Mann, der zudem seit 25 Jahren für seine Tat bezahlt hat, mit den schlimmsten Umständen, die man in den USA ertragen muss, mit dem Todestrakt. Welche Gerechtigkeit soll es bringen, wenn ein junger Mensch einen schweren Fehler begeht, diesen bereut und sich zu einem verantwortungsvollen Mann wandelt – welchen Sinn macht es, diesen Menschen nach 25 Jahren zu ermorden? – KEINEN!

Im Folgenden die Möglichkeiten sich für Billy Wardlow zu engagieren:

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Peter K.

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Quellen:
https://tcadp.org/2020/04/06/trial-court-postpones-execution-date-for-billy-joe-wardlow/
https://theamericanscholar.org/this-man-should-not-be-executed/#.XoTqoy2ZNgs
https://de.wikipedia.org/wiki/Roper_v._Simmons

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Wieder Hinrichtungsaufschub für Ruben Gutierrez

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Ruben Gutierrez

Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Dienstag die geplante Exekution von Ruben Gutierez, ca. eine Stunde vor dem Vollzug, gestoppt. Dies ist das vorläufige Ende des Tauziehens um das Leben des Verurteilten, der immer auf seiner Unschuld bestanden hat. Er wurde wegen Mordes an der 85-jährigen Escolastica Harrison, im Jahr 1998, zum Tode verurteilt.

Gutierrez versucht seit vielen Jahren DNA-Untersuchungen durchzusetzen, da er davon überzeugt ist, dass diese seine Unschuld beweisen können. Bis heute wurden die entsprechenden DNA-Analysen jedoch verweigert.
Dies ist aber nicht einmal der Grund für den jetzigen Aufschub. Vielmehr hat das Oberste Gericht der USA die Verschiebung der Exekution wegen eines anderen Antrags der Verteidigung beschlossen. Es handelt sich um einen Antrag seiner Verteidiger bezüglich eines Geistlichen Beistands. Gutierrez wird tatsächlich ein entsprechender Beistand während der Exekution verweigert.
Seitdem Patrick Murphy darauf bestand von einem buddhistischen Berater in die Todeskammer begleitet zu werden, hat das texanische Gefängnissysstem eine solche spirituelle Begleitung grundsätzlich untersagt. (Wir berichteten)

„Als gläubiger Katholik benötigt Herr Gutierrez die Unterstützung eines Geistlichen, um ihm beim Übergang vom Leben ins Jenseits zu helfen. Das texanische Strafjustizministerium änderte seine Politik zu seiner eigenen Bequemlichkeit, aber spiritueller Trost zum Zeitpunkt des Todes ist keine Bequemlichkeit; es handelt sich um ein geschütztes Rechtsgut“, so sein Anwalt Schawn Nolan.

Der Oberste Gerichtshof hat mitgeteilt, dass er die Hinrichtung aussetzt bis der Oberste Gerichtshof über die Frage nach einem geistlichen Beistand in der Todeskammer entschieden hat.

Die katholische Bischofskonferenz von Texas hat beim Obersten Gerichtshof eine Unterstützungsschrift für Gutierrez eingereicht. „Einem Gefangenen, der kurz vor seiner Hinrichtung steht, den Zugang zu spiritueller und religiöser Führung und Begleitung zu verweigern, ist grausam und unmenschlich“, sagte Bischof Daniel Flores von Brownsville.

Der Bezirksstaatsanwalt von Comeran County, Luis Saenz, äußerte sich enttäuscht darüber, dass der Oberste Gerichtshof die Hinrichtung verzögert, da seiner Ansicht nach der Familie der Ermordeten „wieder einmal Gerechtigkeit versagt wurde. Als Staatsanwalt ändert das nichts. Es verzögert nur sein endgültiges Schicksal“, sagte er in einer Erklärung.

Was sollen wir dazu noch sagen… DNA-Untersuchungen verweigern und bei der Exekution eines evtl. Unschuldigen auch noch den geistlichen Beistand verbieten… Hinrichtungsstopp nun ca. 1 Stunde vor der Exekution… Wir wollen uns gar nicht vorstellen, was in dem Verurteilten vorging und geht… Und demnächst wieder ein Hinrichtungstermin für ihn?…
Uns fehlen die Worte…

  • Weitere Infos über Ruben Guiterez in unseren vorangegangenen Artikeln:
  1. Hinrichtung am 30.10.19 in Texas

  2. Hinrichtung von Ruben Gutierrez am 16. Juni 2020

  3. Hinrichtung in Texas: Aufschub für Ruben Gutierrez
  4. Mörderstaat Texas kämpft um sein „Recht“ Ruben Gutierrez zu töten

IHfL
Peter K.

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Quellen:
https://dfw.cbslocal.com/2020/06/16/us-supreme-court-halts-texas-execution-ruben-gutierrez-clergy-question/
https://lancelotarmstrong.wordpress.com/2019/03/23/texas-hinrichtung-eines-unschuldigen/

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Land der Folter und Grausamkeiten

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Romell Broom nach dem Exekutionsversuch

Wie wir erst heute erfahren haben, hat sich der Gouverneur von Ohio (USA), Mike DeWine, bereits im April diesen Jahres dazu entschlossen, den durch den Staat schwer misshandelten Todeskandidaten Romell Broom, weiter zu quälen…

Das Ganze nennt sich dann „Begnadigung“!

Diese „Gnade“ wird jedoch nur bis zum 16.03.2022 – 10 Uhr gewährt…

Dann soll die Hinrichtung doch stattfinden…

Die Genaue Formulierung dieser eigentümlichen Begnadigung bedeutet, dass Romell Broom nicht, wie vorgesehen, am 17. Juni hingerichtet wird, sondern ihm „Gnade“ gewährt wird bis zum 16. März 2022. Bis dahin soll Broom weiter im Todestrakt auf seine Exekution warten. Es sei denn er würde dann wieder „Begnadigt“ werden, was das auch immer bedeuten soll…
(Mit einem Klick auf das folgende Bild geht es zum Original Dokument)
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Wir berichteten bereits im Jahr 2016 über die furchtbaren Vorgänge bei der „nicht geglückten“ Hinrichtung von Romell Broom in unserem Artikel:
Land der unbegrenzten Grausamkeiten

Damals versuchte der Staat Ohio den Häftling Romell Broom durch tödliche Injektion  hinzurichten. Sie versuchten ihn 18 mal zu töten!Mehr als zwei Stunden stocherten sie in seinem Körper herum, bis sie aufgaben, da sie keine Vene fanden. Broom war 1985 wegen Mordes verurteilt worden.

Wir empfehlen dazu den Film:
Die zweite Hinrichtung – Amerika und die Todesstrafe 

Der oberste Gerichtshof entschied, dass ein weiterer Exekutionsversuch an ihm durchgeführt werden darf. Eigentlich verbietet die US-Verfassung grausame und ungewöhnliche Strafen, jedoch die Richterin Judith Lanzinger meinte ihre Entscheidung würde nicht gegen diesen Verfassungsgrundsatz verstoßen. Sie führte aus, es wäre gar keine „verpfuschte“ Hinrichtung gewesen, da während der ganzen Zeit, dem Verurteilten kein Gift injiziert werden konnte. Insofern wäre es auch keine Doppelbestrafung.

Ja bitte, was ist denn dann eine Doppelbestrafung? Was bitte ist denn dann eine grausame Strafe? Wie pervertiert sind bitte solche Richter die meinen in solch einer weise „Recht“ sprechen zu dürfen. Was für ein System ist das, das so etwas zu lässt?

Was für ein pervertierter Vorgang ist das bitte, wenn nun auch noch der Gouverneur eins draufsetzt und anstatt Romell Broom endlich richtig zu begnadigen, ihm weitere seelische Folter antut, indem er ihm schon jetzt seinen neuen Hinrichtungstermin in knapp zwei Jahren mitteilt. Was geht in einem solchen Kerl vor? – DAS ist also der höchste Politiker von Ohio!? – Wir können uns nur mit Abscheu abwenden…

Und wieso kann kein Gericht in den USA die Grausamkeit des Verbrechens feststellen, dass der Staat an ihm begangen hat, indem er ihn rund 2 Stunden misshandelte, mit dem Ziel ihn zu ermorden?! – Nicht mal ein Bundesgericht scheint dazu in der Lage. Die US-Rechtsprechung, wenn man sie denn so nennen will, scheint vollkommen krank, rassistisch und von Kälte dominiert zu sein.

Die USA, ein System in dem Leute Richter, Gouverneure, Staatsanwälte und Polizisten sein können, die offensichtlich ihre niederen Triebe nicht mehr unter Kontrolle haben…
…und leider scheint auch der gewaltsame Tod von Georg Floyd ein trauriges Ausrufezeichen hinter diese Aussage zu setzen.

IHfL
Peter K.

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Hier die direkte URL: https://www.ihfl.de/st-konto.htm

Quellen:
https://files.deathpenaltyinfo.org/documents/Broom-Reprieve.pdf
https://de.wikipedia.org/wiki/Romell_Broom
https://www.fr.de/politik/usa-rassismus-george-floyd-polizeigewalt-fox-news-proteste-demonstrationen-zr-13777080.html

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Mörderstaat Texas kämpft um sein „Recht“ Ruben Gutierrez zu töten

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Ruben Gutierrez

Es ist ein grausames Schauspiel, dass sich derzeit in Texas abspielt. Ruben Gutierrez, der schon mehrere Hinrichtungstermine hatte und dessen derzeitiger Termin auch wieder einen Aufschub erhielt, soll nun doch am 16. Juni 2020 hingerichtet werden. Ein entsprechender Antrag des Staates wurde jetzt gerichtlich bestätigt. (Originaldokument Download)

Wir möchten hier nicht weiter auf die Hintergründe eingehen, da wir sie bereits in vorherigen Artikeln dokumentiert haben (siehe hier und hier).

Ruben Gutierrez hat immer darauf bestanden den ihm vorgeworfenen Mord nicht begangen zu haben. Entsprechende Beweismittel wurden nicht auf DNA-Spuren untersucht. Seine Verteidigung versucht alles um eine Untersuchung dieser Beweismittel zu erzwingen, jedoch scheint dies jetzt endgültig gescheitert zu sein und der Exekution nichts mehr im Wege zu stehen. Die Verteidigung und auch Gutierrez selbst gehen davon aus, dass eine DNA-Untersuchung Gutierrez’s Unschuld beweisen würde…

Dies alles interessiert den Staat Texas nicht. Blutrünstig kämpfen die Verantwortlichen darum „endlich“ den nächsten Menschen ermorden zu dürfen und der UNITED STATES COURT OF APPEALS – FOR THE FIFTH CIRCUIT – stimmt der Exekution zu.

Ist das Rechtssprechung? – Oder sind das eher Richter in einem Unrechtsstaat?
Jeder mag sich das seine eigene Meinung bilden… Wir jedenfalls sind mehr als entsetzt über dieses Urteil, welches die kluge Entscheidung des Richters, der zunächst einen Aufschub gewährte, um Zeit für DNA-Untersuchungen gewinnen zu können, aufgehoben hat.

Auch die Tatsache, dass durch Covid-19-Beschränkungen die Verteidiger von Gutierrez nur noch eingeschränkt arbeiten können, verletzt die Rechte des Verurteilten.

Aber im Angesicht der Realität, dass Texas dem Todeskandidaten auch noch den Beistand durch einen Pfarrer verweigert, ihm also untersagt die Hinrichtungskammer zu betreten, scheint wohl jede Menschlichkeit in diesem (Un)Rechtssystem verloren gegangen zu sein.

IHfL
Peter K.

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Quellen:
https://files.deathpenaltyinfo.org/documents/Gutierrez-5th-CIr-Opinion-Vacating-Stay-of-Execution-2020-06-12.pdf
https://lancelotarmstrong.wordpress.com/2020/06/05/hinrichtung-von-ruben-gutierrez-am-16-juni-2020/
https://lancelotarmstrong.wordpress.com/2020/06/11/hinrichtung-in-texas-aufschub-fuer-ruben-gutierrez/

 

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Hinrichtung in Texas: Aufschub für Ruben Gutierrez

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Ruben Gutierrez

Ein Bundesrichter hat am Dienstag einen Hinrichtungsaufschub für Ruben Gutierrez bewilligt. Gutierrez Exekution war für den 16. Juni 2016 geplant (siehe unseren Bericht). Er wurde wegen Mordes an der 85-jährigen Escolastica Harrison, im Jahr 1998, zum Tode verurteilt. Er hat die letzten 21 Jahre im Todestrakt von Texas verbracht und immer darauf bestanden den ihm vorgeworfenen Mord nicht begangen zu haben.

Schon lange versuchen seine Verteidiger durchzusetzen, dass die vorhandenen Beweise auf DNA-Spuren untersucht werden sollen um seine Unschuld zu beweisen. Auch kritisieren sie, dass der Staat Texas einen Seelsorger daran hindert Gutierrez in der Todeskammer beizustehen. Gutierrez möchte von einem Kaplan begleitet werden, wenn es zum Äußersten kommt.

Die Generalstaatsanwaltschaft von Texas versucht sich gegen den Aufschub mit einer Berufung beim Fünften US-Berufungsgericht zu wehren. Dies teilte Gutierrez’s Anwalt (Shawn Nolan) mit. Nolan sagte in einer Erklärung:  „In einem Fall, in dem keine physischen oder forensischen Beweise gegen ihn vorliegen, wäre die Hinrichtung von Mr. Gutierrez ohne Durchführung von DNA-Tests die ultimative Verletzung seiner Bürgerrechte. Darüber hinaus verweigert der Staat Herrn Gutierrez die Erlaubnis, sich von einem christlichen Kaplan in die Hinrichtungskammer begleiten zu lassen, was einen Verstoß gegen den ersten Zusatzartikel der US-Verfassung darstellt. Das Texas Department of Criminal Justice kann sich nicht einfach aussuchen, welche seiner eigenen Regeln und welche verfassungsmäßigen Rechte für einen Gefangenen gelten, und es sollte unter diesen Umständen nicht versuchen, eine Hinrichtung durchzuführen.

Bereits für den 12.09.2018 hatte Ruben Gutierrez einen Hinrichtungstermin. Er erhielt jedoch durch einen Bundesrichter beim 5. US Circuit Court of Appeals einen Aufschub. Auch für 31.07.2019 war seine Hinrichtung geplant. Dieser Termin wurde zurückgezogen und auf den 30.10.2019 verschoben. Der Texas Court of Criminal Appeals hatte jedoch auch diesen Hinrichtungstermin ausgesetzt.

Wie kann es sein, dass Hinrichtungstermine immer wieder angesetzt werden, wenn die Beweisstücke noch nie auf DNA untersucht wurden? – Wie kann es sein, dass ein Staat einen Menschen über Jahre mit der Todesandrohung und entsprechenden Terminen foltert, ohne dass es merklichen Widerstand gegen einen solchen Unrechtsstaat gibt.
Wir können nur hoffen, dass nun wirklich DNA-Untersuchungen vorgenommen werden und damit evtl. die Unschuld von Ruben Gutierrez belegt wird.

IHfL
Peter K.

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Quelle:
https://www.houstonchronicle.com/news/houston-texas/houston/article/Texas-death-row-prisoner-granted-stay-ahead-of-15328360.php

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Hinrichtung von Ruben Gutierrez am 16. Juni 2020

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Ruben Gutierrez

Der US-Bundesstaat Texas will am 16. Juni 2020 Ruben Gutierrez (42) hinrichten. Gutierrez wurde wegen Mordes an der 85-jährigen Escolastica Harrison, im Jahr 1998, zum Tode verurteilt. Er hat die letzten 21 Jahre im Todestrakt von Texas verbracht und immer darauf bestanden den ihm vorgeworfenen Mord nicht begangen zu haben.

Bereits am 12.09.2018 hatte hatte Ruben Gutierrez einen Hinrichtungstermin. Er erhielt jedoch durch einen Bundesrichter beim 5. US Circuit Court of Appeals einen Aufschub. Auch für 31.07.2019 war seine Hinrichtung geplant. Dieser Termin wurde zurückgezogen und auf den 30.10.2019 verschoben. Der Texas Court of Criminal Appeals hatte jedoch auch diesen Hinrichtungstermin ausgesetzt.

Am 5. September 1998 überfielen Ruben Gutierrez und Rene Gracia ihr Opfer mit der Absicht ihren Safe auszurauben. Dabei wurde die Besitzerin eines Mobilheimparks auf den Kopf geschlagen. Sie fiel jedoch nicht in Ohnmacht und wehrte sich gegen die Angreifer. Bei dem Kampf wurde sie so schwer verletzt, dass sie verstarb. Ihre Mörder flohen mit mindestens 56.000 US-Dollar in bar.

Am 14.05.1999 wurde Ruben Gutierrez zum Tode verurteilt. Gutierrez hat sein Urteil angefochten, weil es keine Beweise gäbe, die klar belegen, dass er an dem Mord beteiligt war. Er gab zu bei der Planung der Überfalls beteiligt gewesen zu sein. Aber er bestreitet seine Beteiligung an dem Mord. Rene Gracia wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und hat ausgesagt, Ruben Gutierrez hätte den Mord begangen.

Die Verteidiger von Gutierrez haben zwischenzeitlich einen Antrag auf Aussetzung der Hinrichtung gestellt, da durch die Vorschriften bezüglich Covid-19 und die entsprechenden Verhaltensregeln, es zu erheblichen Problemen bei seiner Verteidigung kommt. Sie äußern sich dazu wie folgt: „Es wäre unverantwortlich und dem Interesse der Öffentlichkeit zuwider, die notwendigen Ermittlungen während dieser Pandemie durchzuführen“, heißt es in dem Antrag. „Die Teammitglieder von Herrn Gutierrez können die Arbeit, die notwendig ist, um ihre Verpflichtung ihm gegenüber zu erfüllen, nicht durchführen, ohne sich selbst und andere in Gefahr zu bringen“.
Das Team seiner Verteidiger wies insbesondere darauf hin, dass es seit 23. März 2020 unter Hausarrest stehe.  „Das Gebot der sozialen Distanzierung habe somit die Möglichkeiten von Herrn Gutierrez vereitelt, die persönliche Untersuchung durchzuführen, die notwendig ist, um seinen Rechtsstreit und sein Gnadengesuch zu untermauern.“

„Mehr als zwei Jahrzehnte lang in der texanischen Todeszelle in Einzelhaft hat Herr Gutierrez immer darauf bestanden, dass er dieses Verbrechen nicht begangen hat. Es gibt keine forensischen oder physischen Beweise, die Mr. Gutierrez mit dem Verbrechen in Verbindung bringen“, sagte der Anwalt von Gutierrez, Shawn Nolan. „Seine ungerechtfertigte Verurteilung basierte allein auf zwei schwachen Elementen: ein falsches Geständnis, das hervorgerufen wurde, als die Polizei drohte, Herrn Gutierrez die Kinder wegzunehmen und auch seine Frau bedrohte, und auf einem unzuverlässigen Zeugen. Der Zeuge behauptete, Mr. Gutierrez zum Zeitpunkt der Tat als im Tatort anwesend identifiziert zu haben, aber die Zuverlässigkeit dieser Identifizierung wurde durch Expertenmeinungen ernsthaft in Frage gestellt“.

Fassungslos erleben wir erneut wie ein Mann, durch dieses grausame und auf Rache basierende Todesstrafengesetz, über Jahrzehnte mit den Umständen im Todestrakt gefoltert wird. Gefoltert mit der Gewissheit irgendwann durch den Staat ermordet zu werden. Gefoltert mit immer wieder neuen Hinrichtungsterminen… Wir können nur hoffen, dass sich möglichst viele Menschen an der obigen Petition beteiligen. Zumal es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass Texas einen unschuldigen Mann exekutiert.

IHfL
Peter K.

Für unsere Arbeit erbitten wir dringend Spenden. Unterstützt unseren Kampf gegen die Todesstrafe und unsere Betreuung von Lancelot Armstrong, der seit 1991 im Todestrakt von Florida einsitzt, sowie weitere Gefangene in anderen Todestrakten. Wer helfen möchte, klickt bitte einfach auf das folgende Bild:

Hier die direkte URL: https://www.ihfl.de/st-konto.htm

Quellen:
https://www.upi.com/Top_News/US/2020/06/02/Texas-death-row-inmate-seeks-stay-citing-coronavirus-pandemic/7001591137175/
https://www.theforgivenessfoundation.org/index.php/executions/scheduled-executions/4832-texas-gives-ruben-gutierrez-execution-date-of-september-12-2018

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Vom Todesstrafenbefürworter zum Todesstrafengegner

Gastbeitrag von Markus Spintig-Wehning, 47807 Krefeld-Fischeln

Vom Todesstrafenbefürworter zum Todesstrafengegner

Against the Death Penalty - Todestrafe - Zeichnung - Drawing - Statue of Liberty - Freiheitsstatue (Kaivel_Comics) - www.ihfl.de - 005Ich war Jahrelang ein Befürworter der Todesstrafe, ich sah in dieser Strafe die einzig gerechte Strafe für Mörder und Totschläger.
Die Düsseldorfer Apelt-Brüder, die Ende der 80er in den USA zum Tode verurteilt worden, hatten in meinen Augen diese Strafe verdient. Wer wohlwissend in die USA reist und dort einen Mord begeht, obwohl hinter der nächsten Tür der Henker wartet, hatte in meinen Augen nichts besseres verdient, als die Hinrichtung.
Als die Le Grand Brüder 1999 hingerichtet wurden, wurde ich das erste Mal wach.
2001, lief im deutschen Fernsehen ein Film mit Jan-Josef-Liefers: Todestrafe – Ein Deutscher hinter Gittern (2001), weckte meine Interesse mich mit dem Thema mehr auseinander zusetzen.
Dann wurden im Iran 2005, 2 16jährige Teenager aufgrund ihrer sexuellen Identität hingerichtet. Jetzt wurde ich Mann, mit der gleichen sexuellen Identität richtig wach. Ich begann mich zu belesen und landete schließlich bei Alive (Koalition gegen Todesstrafe) e.V. Dort übernahm ich dann nacheinander 4 bzw. 5 Brieffreunde. Ich schrieb meinen Jungs, ohne mich mit dem Grund der zum Todesurteil geführt hat zu befassen.
Auf der folgenden JHV in Schmitten (Taunuskreis) lernte ich Gabi Uhl kennen. Kurze Zeit bekam ich mit Paul aus Kalifornien, meinen 5.Brieffreund. Sofort machte mich ein Vereinsmitglied von Alive auf die Tat, die beim Paul zum Todesurteil geführt aufmerksam.
Paul hatte als Aufnahmeritual für die Quartiers-Gang einen Homosexuellen Nachbarn erst ausgeraubt und anschließend ermordet.
Obwohl mir bewusst war, dass ich mit schlimmen Jungs und nicht mit Eierdieben zu tun habe, war ich geschockt und Hin und Her gerissen. Ich bekam jede Erdenkliche Unterstützung in dieser Zeit.
Mein nächster Brief an Paul, war sehr direkt. Ich fragte nach der Tat.
Paul schrieb mir offen über die Tat und entschuldigte sich auch für diese.
4 Jahre später heiratete ich meinen Mann Ludger und es stand eine Namensänderung an. Bisher hatte ich, aus Eigenschutz , meinen Jungs meine Queere Identität verschwiegen, nun musste ich Farbe bekennen.
Es kamen wunderschön gebastelte Glückwunschkarten und in jeder stand in etwa:
„Bruder! Ich wusste, dass du Homosexuell bist, denn du schreibst nicht wie ein Mann, sondern wie eine liebe Frau“.
Inzwischen wurden bei 4 meiner Jungs in Lebenslänglich, einer verstarb in dieser Zeit an einer Krankheit. Dadurch stellte ich meine Arbeit etwa 2013 mit Auflösung von Alive ein.
Anfang 2017 gab es in unserer Zeitung ein Interview mit Gabi Uhl, als Vorsitzende der Initiative gegen die Todesstrafe. Ich nahm zu Gabi Uhl Kontakt auf und wurde Mitglied der IgT. Im September 2017 fand in Düsseldorf die JHV der IgT statt, hier übernahm ich die Funktion des Schriftführers im Vorstand.

Ich bin inzwischen ein 100% Gegner der Todesstrafe, dafür gibt es zu viele Fehlurteile, und die Todesstrafe macht die Familien der Täter zu neuen Opfern.
Bei nachgewiesener schwerer Straftat würde ich als Richter zu Lebenslänglich mit Auflage, der Gesellschaft durch Arbeit etwas zurück zugeben, verurteilen.


Wir bedanken uns herzlich bei Markus für seinen Beitrag.
IHfL
Peter K.

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